Renten-Zoff bei den Grünen: Maya Graf weibelt für BVG-Reform

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«Meilenstein» oder «Bschiss»?Renten-Zoff bei den Grünen: Maya Graf weibelt für BVG-Reform

SP, Grüne und Gewerkschaften haben das Referendum gegen die BVG-Reform ergriffen – mit «Alliance F»-Co-Präsidentin Maya Graf kämpft nun ausgerechnet eine prominente Grüne an vorderster Front gegen das Referendum.

Darum gehts

  • Gegen die vom Parlament beschlossene BVG-Reform haben Gewerkschaften, SP und Grüne das Referendum ergriffen: Insbesondere Frauen würden «kräftig zur Kasse gebeten».

  • Mit «Alliance F» setzt sich aber ausgerechnet die wichtigste Frauenorganisation des Landes für die geplante BVG-Reform ein.

  • Damit zieht sich der Konflikt durch das grüne Lager: Ständerätin Maya Graf kämpft als Co-Präsidentin von «Alliance F» gegen ihre Parteigenossen.

Am 22. September kommt es an der Urne zum nächsten grossen Renten-Schlagabtausch – dieses Mal geht es um die zweite Säule. Bundesrat und Parlament wollen die zweite Säule finanziell stabilisieren und Menschen mit tiefen Einkommen höhere Renten sichern. Damit soll die Vorsorge an heutige Realitäten angepasst werden.

Für die Gegnerinnen und Gegner der BVG-Reform handelt es sich um eine «Scheinreform», die insbesondere die Frauen «kräftig zur Kasse» bete. Man müsse «mehr bezahlen» für «weniger Rente», so die Warnung.

Für die Gegnerinnen und Gegner der BVG-Reform handelt es sich um eine «Scheinreform», die insbesondere die Frauen «kräftig zur Kasse» bete. Man müsse «mehr bezahlen» für «weniger Rente», so die Warnung.

20min/Matthias Spicher

Erneut zieht Innenministerin Elisabeth Baume-Schneider gegen ihre eigene Partei in den Abstimmungskampf. Für Gewerkschaften, Sozialdemokraten und Grüne handelt es sich bei der BVG-Reform nämlich um eine «Scheinreform». Insbesondere Frauen würden «kräftig zur Kasse» gebeten, wie das Referendums-Komitee betont.

«Scheinreform» oder «Meilenstein»?

Entsprechend überrascht es, dass sich ausgerechnet die wichtigste Frauenorganisation des Landes vollumfänglich hinter das Anliegen stellt: «Alliance F» spricht sich für die BVG-Reform aus. Neben «Alliance F» kämpfen auch die «Bäuerinnen und Landfrauen» und der «katholische Frauenbund» gegen das Referendum – heute hat die Frauenallianz in Bern ihre Argumente vorgestellt.

Die Argumente der Frauenallianz für die BVG-Reform

Die BVG-Reform schaffe «bessere Renten für Teilzeit- und Mehrfachbeschäftigte» – die Anpassung des Koordinationsabzugs sei mehr als nur ein «technisches Detail». Tatsächlich könnten damit «massive Rentenlücken» geschlossen werden.

  • Davon profitieren in erster Linie viele Frauen, argumentiert die Allianz mit Vertreterinnen aus Grünen, GLP, EVP, Mitte, FDP und SVP.

  • Rund 359'000 Personen würden durch die Reform eine höhere Rente erhalten, 275'000 davon seien Frauen.

  • Rund 100'000 Einkommen könnten mit der Reform neu in der zweiten Säule versichert werden, auch hier würden insbesondere die Frauen profitieren.

  • Folglich verbessere die Reform den Zugang zum «privilegierten Sparen» in der zweiten Säule und helfe, den «Gender-Pension-Gap» zu schliessen.

Damit stellt sich «Alliance F»-Co-Präsidentin und Ständerätin Maya Graf gegen ihre eigene Partei – die Baselbieterin erklärt, wie es zum Bruch mit den Grünen kommt: «Diese Reform ist ein Meilenstein für die Frauen!» Durch die Reform würden «Systemfehler der zweiten Säule» behoben, sodass Teilzeit- und Mehrfachbeschäftigte höhere Renten erhielten.

Grünen-Ständerätin und «Alliance F»-Co-Präsidentin Maya Graf kämpft an vorderster Front gegen das Referendum über die BVG-Reform – gegen Gewerkschaften, Sozialdemokraten und ihre eigene Partei.

Grünen-Ständerätin und «Alliance F»-Co-Präsidentin Maya Graf kämpft an vorderster Front gegen das Referendum über die BVG-Reform – gegen Gewerkschaften, Sozialdemokraten und ihre eigene Partei.

20min/Stefan Lanz

Eine repräsentative Studie im Auftrag von «Alliance F» habe zutage gefördert, dass die BVG-Reform für rund 359'000 Personen eine Rentenerhöhung ermögliche – 275'000 davon seien Frauen: «Viele Frauen sind dann endlich in der zweiten Säule versichert und erhalten eine höhere Rente!» Demnach würden rund 100'000 Einkommen durch die BVG-Reform neu versichert, mehrheitlich Einkommen von Frauen.

Falschaussagen im Abstimmungskampf?

Daneben warnt das Referendums-Komitee vor sinkenden Renten – auch hier winkt Maya Graf ab: «Insgesamt erhalten viermal mehr Frauen einen Rentenzuschlag als eine Rentenkürzung», rechnet die Grüne vor. Überhaupt seien von der geplanten BVG-Reform nur rund 15 Prozent der Versicherten betroffen, weil sie sich auf das gesetzliche Minimum der beruflichen Vorsorge beschränke. Ferner seien die aktuellen Rentnerinnen und Rentner nicht tangiert – die Renten dieser rund 900'000 Pensionierten seien unantastbar.

GLP-Nationalrätin und «Alliance F»-Co-Präsidentin Kathrin Bertschy unterstellt den Gegnerinnen und Gegnern der BVG-Reform, mit falschen Aussagen zu argumentieren.

GLP-Nationalrätin und «Alliance F»-Co-Präsidentin Kathrin Bertschy unterstellt den Gegnerinnen und Gegnern der BVG-Reform, mit falschen Aussagen zu argumentieren.

20min/Stefan Lanz

Kathrin Bertschy (GLP) unterstellt den Gegnerinnen und Gegnern der BVG-Reform gar, mit falschen Aussagen zu argumentieren. Erst kürzlich hätten die Gegner deshalb den Wortlaut auf ihrer Webseite abändern müssen, wie die Co-Präsidentin von «Alliance F» erklärt: Mehr als ein Jahr lang hatten sie dort davor gewarnt, dass «wir alle» tiefere Renten erhalten würden – mittlerweile ist das Wort «alle» verschwunden.

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Gleichzeitig räumt Maya Graf ein, dass insbesondere mit Blick auf die unbezahlte Care-Arbeit nach wie vor grosse Gleichstellungsdefizite bestünden. «Bei der BVG-Reform geht es nur um die berufliche Vorsorge – natürlich müssen wir die Care-Arbeit auch besser absichern.» Deshalb habe sie sich gemeinsam mit «Alliance F» auch für die 13. AHV-Rente eingesetzt und kämpfe nach wie vor für günstigere Kita-Tarife und die Einführung eines Elternurlaubs.

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