Übernahmegerüchte: C&A fällt bei jungen Kundinnen durch

Aktualisiert

ÜbernahmegerüchteC&A fällt bei jungen Kundinnen durch

Chinesische Investoren haben Lust auf die Modekette C&A – junge Schweizerinnen auch? 20 Minuten ging mit Linda (18) und Jill (18) shoppen.

von
V. Blank

Wie schlägt sich die Modekette C&A im Teenager-Test? Jill (18) und Linda (18) gingen in Zürich shoppen. (Video: vb/rkn)

C&A wird möglicherweise bald verkauft. Investoren aus China sollen Appetit auf die Textil-Handelskette haben. C&A ist ein Traditionsunternehmen, das 1841 gegründet wurde, gilt heute in der Branche jedoch als etwas angestaubt. Die Eigentümerfamilie Brenninkmeijer bündelt die Anteile ihrer Firma im Kanton Zug.

20 Minuten wollte testen, ob die Läden auf junge Kundinnen tatsächlich altbacken wirken – und ist mit Linda Böni (18) und Jill Bürer (18) in eine C&A-Filiale in Zürich shoppen gegangen. Die beiden KV-Lernenden hatten jeweils ein Budget von 100 Franken, das sie nach Lust und Laune ausgeben konnten.

Unter Müttern und Senioren

Schon beim Betreten des Ladens an der Uraniastrasse wird klar: Linda und Jill sind an diesem Montagmittag die einzigen jungen Kundinnen in der Abteilung «Damen modern». Die restliche Klientel setzt sich aus Frauen mittleren Alters, einigen Senioren und Müttern mit Kinderwagen zusammen.

Was Linda und Jill alles anprobiert haben, sehen Sie im Video.

Linda und Jill, die beide laut eigener Aussage «schon ewig» nicht mehr in einem C&A waren, schauen sich etwas ratlos um. Wadenlange Kleider mit Blumenmuster, gepunktete Wollpullover oder Blusen mit Sternchen – das alles will den jungen Frauen nicht so recht gefallen. Die junge C&A-Eigenmarke Clockhouse gibts in dieser Abteilung nicht.

Alles zu gross

Endlich fällt Jills Blick auf eine blassrosa Bikerjacke in Wildleder-Optik: «Die ist noch nice.» Doch der Frust folgt umgehend: Das Kleidungsstück gibts nicht in der passenden Grösse. Jetzt soll Linda die Jacke probieren – ihr passt sie. Ob sie sie tatsächlich nimmt, will sie später entscheiden.

Auch während der nächsten Dreiviertelstunde macht es nicht wirklich Klick bei Linda und Jill. Sie schlendern zwischen den Kleiderständern hin und her, aber kein Top und keine Hose scheint sie wirklich zum Anprobieren zu motivieren.

Mangels Alternativen machen sich die beiden einen Spass daraus, ein möglichst hässliches Kleidungsstück zu finden und anzuprobieren. Bei Jill wird es ein dunkelgrünes Midikleid mit Volants an der Brust, bei Linda eine schreiend orange Bluse. «Damit gehe ich zur nächsten Bürositzung», scherzt sie.

«Nächstes Mal wieder zu H&M»

Jill stöbert derweil noch etwas bei den Accessoires herum. Die Schmuckauswahl sei in Ordnung, findet sie, und entscheidet sich für ein Set Ohrringe für 19.90 Franken. Mehr wolle sie nicht, sagt sie – trotz unseres Hinweises, dass sie 100 Franken ausgeben darf. Dann fällt ihr Blick auf eine Schaufensterpuppe – sie trägt die rosa Bikerjacke, die ihr gefällt. Grösse 38 – sitzt gut bei Jill. Kostenpunkt: 69.90 Franken. Das Budget ist knapp ausgeschöpft.

Auch Linda will die gleiche Jacke nehmen. Mit der mageren Auswahl von drei Kleidungsstücken gehts zur Kasse. Beim nächsten Shoppingtrip gehe es dann eher wieder zu H&M oder Zara. «Würde sich C&A eher an diesen Anbietern orientieren, fände ich es dort vielleicht auch cooler», sagt Jill. Neben der besseren Kleiderauswahl sei es auch das Ambiente, das bei C&A fehle. «Bei der Konkurrenz ist die Ware einfach schöner präsentiert und die Raumunterteilung besser.»

Ob sie trotzdem wieder einmal bei C&A einkaufen wollen? Die beiden jungen Frauen lächeln verlegen. «Eher nicht», sagt Linda, «der ganze Laden wirkt auf mich etwas zu altmodisch.»

Herr Michel*, warum interessieren sich chinesische Investoren überhaupt für eine angestaubte Kleiderkette wie C&A?

Wenn ein Verkauf wirklich zustande kommt, können sich die Investoren aus China ganz neue Absatzmärkte erschliessen und erkaufen sich einen direkten Zugang zu den europäischen Kunden. Der potenzielle Käufer erhält einen bekannten Brand und Läden an guten, zentralen Lagen. Anders wäre es schwer, in Europa Fuss zu fassen: Der europäische Konsument scheut sich davor, bei einer chinesischen Marke Kleider zu kaufen.

Ist der europäische Modemarkt überhaupt noch interessant?

Zugegeben, der Markt ist sehr umkämpft, vor allem wegen der Online-Konkurrenz. Viele Händler haben es verpasst, zeitig auf Schwergewichte wie Amazon oder Zalando zu reagieren. Trotzdem: Anbieter, die das entsprechende Volumen haben, können immer noch gut verdienen und ansprechende Margen erzielen.

Warum wollen die C&A-Eigentümer denn überhaupt verkaufen?

Zuerst möchte ich anmerken: Es sieht nicht nach einem Notverkauf der Firma aus. C&A ist solide positioniert und steht nicht mit dem Rücken zur Wand. Dennoch sind die Wachstumsaussichten ohne globalen Partner nicht sehr gross. Darum muss sich die Eigentümerfamilie fragen: Wo stehen wir strategisch? Und wo stehen wir in zehn Jahren? Mit dieser Perspektive macht ein Verkauf zum jetzigen Zeitpunkt Sinn - jetzt kann bei einem Verkauf von C&A noch ein ordentlicher Preis erzielt werden.

*Stefan Michel ist Marketingprofessor an der IMD Business School in Lausanne

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