Automarkt: C02-Abgabe heizt Autoverkäufe an

Aktualisiert

AutomarktC02-Abgabe heizt Autoverkäufe an

Das gab es noch nie: Im Juni wurden fast 40'000 neue Autos in Verkehr gesetzt – 42 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Der Grund: die neuen C02-Vorschriften.

von
Balz Bruppacher
Die Zahl der neuen 4x4-Fahrzeuge mit eher hohen Emissionen hat sich im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppelt. Bei einzelnen Marken, wie zum Beispiel bei Jeep, stieg der Absatz sogar noch stärker.

Die Zahl der neuen 4x4-Fahrzeuge mit eher hohen Emissionen hat sich im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppelt. Bei einzelnen Marken, wie zum Beispiel bei Jeep, stieg der Absatz sogar noch stärker.

39 905 Neuwagen wurden im Juni auf Schweizer Strassen zugelassen. Das entspricht einer Zunahme von 42 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat und einem absoluten Höchststand. Im ersten Halbjahr wurden 177 310 neue Autos in Verkehr gesetzt – 12 Prozent mehr als im Vorjahr. Schon letztes Jahr hatten die Autoverkäufe geboomt mit dem besten Resultat seit 1990.

Was auf den ersten Blick nach einer völlig autoverrückten Schweiz aussieht, hat einen konkreten Grund. Am 1. Juli sind die neuen C02-Emissionsvorschriften für Personenwagen in Kraft getreten. Für Autos mit zu hohem CO2-Ausstoss werden damit Sanktionen fällig. «Deshalb wurden Autos auf Vorrat immatrikuliert», sagt Rudolf Blessing von der Vereinigung Schweizer Automobil-Importeure (auto-schweiz). Dies gelte vor allem für die Direktimporteure. Es gehe um rund 7000 Fahrzeuge. Zum Vergleich: In den fünf Monaten zuvor wurden gemäss Blessing insgesamt rund 14 000 direkt importierte Autos in Verkehr gesetzt.

Doppelt soviele 4x4-Fahrzeuge

Der Effekt der schärferen C02-Vorschriften wird auch bei den Details der Juni-Verkaufszahlen deutlich. So hat sich die Zahl der neuen 4x4-Fahrzeuge mit eher hohen Emissionen im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppelt, von 6914 auf 13 286. Bei einzelnen Marken, wie zum Beispiel bei Jeep, stieg der Absatz sogar noch stärker.

Die neuen Vorschriften gehen auf die Teilrevision des C02-Gesetzes zurück, mit der die Jungen Grünen zum Rückzug ihrer Offroader-Initiative bewogen werden konnten. Die Auto-Importeure werden verpflichtet, die CO2-Emissionen der erstmals zum Verkehr zugelassenen Autos bis 2015 im Schnitt auf 130 Gramm pro Kilometer zu senken. Schon ab dem 1. Juli muss der Auto-Importeur eine Sanktion bezahlen, wenn der Zielwert überschritten wird.

Grossimporteure im Vorteil

Wie sich die neuen Vorschriften auf die Preise für die Kunden auswirken, bleibt vorerst offen. Einzelne Hersteller, wie zum Beispiel Ford, haben bereits angekündigt, dass es in der zweiten Jahreshälfte keine Preissteigerungen gebe. Neben dem C02-Ausstoss der einzelnen Fahrzeug-Typen spielen auch weitere Einzelheiten der neuen Verordnung eine wichtige Rolle. So wird zwischen Grossimporteuren ab 50 Zulassungen pro Jahr und Kleinimporteuren mit weniger als 50 Fahrzeugen unterschieden. Bei den Grossimporteuren kommt eine Berechnung nach dem Durchschnitt der Flotte zur Anwendung; die Kleinen und die Privatimporteure müssen die neuen Vorschriften bei jedem Fahrzeug einhalten. Auch beim «Papierkrieg» sind die Grossen im Vorteil.

Höhenflug der Direktimporte bald zu Ende?

Die Direktimporteure beklagen sich deshalb über einen Wettbewerbsnachteil. «Das ist umso seltsamer, als das Parlament sich verschiedentlich für die Förderung von Parallelimporten ausgesprochen hat», sagt der Präsident des Verbands freier Autohandel Schweiz, Roger Kunz. Er befürchtet, dass die Direktimporteure wegen der Benachteiligung in der CO2-Verordnung ihren Marktanteil nicht halten können. Dieser stieg in kurzer Zeit von 2,5 auf 10 Prozent, unter anderem wegen der Aufwertung des Frankens. «Ohne Direktimporte würden die gesamten Absatzzahlen viel weniger gut aussehen», sagt Kunz. Dass in den kommenden Monaten vor allem die Parallel- und Direktimporte Haare lassen müssen, glaubt auch auto-schweiz.

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