Zertifikatspflicht - Café wird nach Rimoldi-Rauswurf mit negativen Bewertungen eingedeckt
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ZertifikatspflichtCafé wird nach Rimoldi-Rauswurf mit negativen Bewertungen eingedeckt

Massnahmenkritiker Nicolas A. Rimoldi besuchte das Zürcher Café Elena ohne Covid-Zertifikat und kassierte von der Polizei eine Busse. Seither werfen Userinnen und User dem Lokal vor, Gäste zu diskriminieren.

von
Bettina Zanni
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Seit dem Vorfall mit Massnahmenkritiker Nicolas A. Rimoldi wird das Café Elena mit negativen Bewertungen eingedeckt.

Seit dem Vorfall mit Massnahmenkritiker Nicolas A. Rimoldi wird das Café Elena mit negativen Bewertungen eingedeckt.

Getty Images/Westend61
«Behandeln nicht alle Menschen gleich», schreibt jemand in den Google-Bewertungen.

«Behandeln nicht alle Menschen gleich», schreibt jemand in den Google-Bewertungen.

Screenshot/Google
Einige Userinnen und User verteidigen das Personal.

Einige Userinnen und User verteidigen das Personal.

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Darum gehts

  • «Hier wird man diskriminiert», lautet eine der zahlreichen negativen Bewertungen, mit denen das Café Elena in Zürich zurzeit eingedeckt wird.

  • Auslöser ist, dass der Massnahmenkritiker Nicolas A. Rimoldi ohne Zertifikat im Restaurant auftauchte und danach von der Polizei eine Busse erhielt.

  • Gastrosuisse bezeichnet vereinzelt negative Bewertungen seit der eingeführten Zertifikatspflicht als unvermeidbar.

Ohne Covid-Zertifikat marschierte Nicolas A. Rimoldi am 15. September in das Café Elena in Zürich. Da er sich nicht aus dem Lokal weisen liess, alarmierte der Kellner die Polizei – Rimoldi kassierte eine Busse von 100 Franken. Der bekannte Massnahmenkritiker hatte damit sein Ziel erreicht: Als Mitte September die Zertifikatspflicht eingeführt wurde, verkündete der Luzerner umgehend, er werde sich eine Busse holen und damit vor Gericht ziehen. Dem Café hingegen wurde die Reaktion auf den Gesetzesbrecher zum Verhängnis.

«Wir wünschen uns, dass die Gäste mehr Empathie und Geduld mitbringen. Wir haben uns diese Kontrolle nicht ausgesucht, sondern müssen sie umsetzen», sagte Co-Inhaberin Carmen Elena Santana nach dem Vorfall zu 20 Minuten. Dennoch wird das Café seitdem mit negativen Bewertungen eingedeckt, wie Bewertungen auf Google der letzten fünf Tage zeigen.

«Behandeln nicht alle Menschen gleich»

«Behandeln nicht alle Menschen gleich», schreibt jemand in den Google-Bewertungen. Ein weiterer User behauptet: «Hier wird man diskriminiert … bella ciao.» Auch empört sich jemand: «Café Elena hat einen unserer Instagramkanäle geblockt. Wir empfehlen Herrn Rimoldi eine Anzeige gegen diesen Kellner (Name bekannt) zu erstatten.»

Einige Kritikerinnen und Kritiker schrecken auch nicht davor zurück, sich als Zeuginnen oder Zeugen des Vorfalls auszugeben. «Ich fand es sehr fragwürdig, wie ein Gast zwei Tische neben uns behandelt wurde», schreibt jemand. Dieser habe sehr wahrscheinlich kein Zertifikat gehabt. «Der sehr arrogante und unhöfliche Kellner rief später noch die Polizei und die Szene ging draussen weiter.» Dieses Café würden er und seine Partnerin deshalb nicht mehr besuchen.

Der Inhaber antwortet darauf jedoch, dass zum Zeitpunkt des Vorfalls kein anderer Gast im Café gewesen sei. «Ich denke, Sie sind einfach ein Anhänger von dem Herrn und wollen sich auf unsere Kosten profilieren. Vielen Dank für das unfaire Kommentieren und dass Sie versuchen, unserem Unternehmen zu schaden.»

Unterstützende Kommentare

Einige Userinnen und User verteidigen das Personal. «Top, sehr freundlicher Gastgeber und schöne Location», schreibt jemand. Die aktuellen negativen Bewertungen seien auf Impfgegner zurückzuführen, die das strikte, aber richtige Umsetzen der von der Regierung angeordneten Covid-Massnahmen kritisierten. Ein weiterer User lobt: «Top Haltung des Kellners in Sachen Corona-Zertifikat.» Rimoldi bezeichnete er unter anderem als Querulanten.

Die Inhaber des Cafés wollten die Reaktionen auf Anfrage von 20 Minuten nicht weiter kommentieren.

Zu positiven Bewertungen aufgerufen

Massnahmenkritikerinnen und -kritiker straften auch andere Restaurants mit negativen Bewertungen. Das Basler Restaurant l’Ambasciatore hatte die Zertifikatspflicht bereits vor dem Bundesratsentscheid eingeführt. In den sozialen Medien rief ein User etwa dazu auf, den negativen Rezensionen mit unzähligen Fünf-Sterne-Bewertungen zu begegnen.

Betriebe können Google-Bewertungen nicht selber löschen. Sie haben jedoch die Möglichkeit, die Bewertung Google zu melden (siehe Box).

«Umsetzung ist mancherorts eine Herausforderung»

Die Covid-Zertifikatspflicht gilt in der Schweiz seit dem 13. September. Es sei noch zu früh, um eine verlässliche Bilanz zu ziehen, sagt Patrick Hasler-Olbrych, Sprecher des Branchenverbands Gastrosuisse. «Die ersten Tage zeigen aber, dass die Umsetzung mancherorts eine Herausforderung ist.»

Wichtig ist laut Hasler-Olbrych, dass die Betriebe die Schutzkonzepte konsequent umsetzen. Dies schliesse auch die Kontrolle der Zertifikate ein. «Dass es dadurch vereinzelt zu negativen Bewertungen kommen kann, lässt sich nicht vermeiden.» Der Branchenverband sei aber sicher, die Gäste könnten differenzieren und verstünden, dass die Kontrolle Teil der vom Bund beschlossenen Massnahmen seien.

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Der Online-Kartendienst Google Maps bietet unter anderem die Funktion, Rezensionen über Orte abzugeben. Verletzt ein gemeldeter Kommentar die Richtlinien von Google Maps, entfernt die Suchmaschine die Beiträge. Darunter fallen etwa «nicht themenbezogene Inhalte». So hält Google fest, dass Maps kein Forum für Nutzer sein solle, die sich zu politischen, sozialen oder persönlichen Themen äussern wollten. «Inhalte, die diese Kriterien nicht erfüllen, werden entfernt.»

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