Calcio: Klubs wehren sich gegen Geisterspiele
Aktualisiert

Calcio: Klubs wehren sich gegen Geisterspiele

In Italien dürfte am nächsten Wochenende der Ball wieder rollen. Die Vertreter der 42 Vereine der Serie A und B erklärten sich an einer Konferenz bereit, den Spielbetrieb sicherzustellen. Allerdings wehren sie sich gegen die von der Regierung angedrohten Geisterspiele.

«Wir sind einverstanden, wenn die Fans der Auswärtsmannschaften nicht mehr mitreisen dürfen. Aber wir akzeptieren keine Geisterspiele. Wenn die Gästefans fehlen, können die Vereine für die Sicherheit garantieren», sagte Palermos Präsident Maurizio Zamparini. Der Chef der Sizilianer ist einer von fünf Klub- Präsidenten, die für die eigene Mannschaft keine Partien unter Ausschluss der Öffentlichkeit fürchten müssten.

Das Stadion in Palermo entspricht wie das Olimpico in Rom (AS Roma und Lazio Rom) sowie das Olimpico in Turin (Torino) und das Stadion in Siena den Sicherheitsvorschriften, die nach den Ausschreitungen beim Champions-League-Duell zwischen Milan und Inter Mailand (April 2005) im «Pisanu-Gesetz» - benannt nach Giuseppe Pisanu, dem Innenminister (2002 bis 2006) der Regierung um Silvio Berlusconi - niedergeschrieben wurden.

In allen anderen Arenen sollen Zuschauer nicht mehr zugelassen werden, bis sie den Normen entsprechen, und wenn die Regierung ihren harten Kurs tatsächlich durchsetzt. Allerdings ist nicht zu erwarten, dass beispielsweise die mächtigen Mailänder Vereine Milan und Inter wochenlang im San Siro unter Ausschluss der Öffentlichkeit antreten müssen, weil das Stadion an der Peripherie der lombardischen Metropole in zwei Punkten nicht genügt (es fehlen Drehkreuze bei den Eingängen und ein separater Sicherheitsbereich für die Polizei).

Einig ist man sich auf dem Stiefen einzig darin, dass ab dem kommenden Wochenende wieder gespielt werden soll. Den definitiven Entscheid will die Regierung am Mittwoch zusammen mit Vertretern des Fussball-Verbandes und der Liga fällen. Unklar ist bisher aber, mit welchen Partien der Spielbetrieb wieder aufgenommen wird. Einiges deutet darauf hin, dass am Samstag und am Sonntag wie im ursprünglichen Programm vorgesehen die 23. Runde gespielt wird, und am kommenden Mittwoch die am letzten Wochenende abgesagte 22. Runde nachgeholt wird.

Dieser Plan treibt den Italienern jedoch einige Sorgenfalten auf die Stirn. Er hätte nämlich zur Folge, dass schon am nächsten Samstag des nächste heisse Sizilien-Derby anstehen würde, wenn Catania in Messina gastiert. Messinas Stadion wurde vor drei Jahren eröffnet, genügt den Sicherheitsvorschriften fast gänzlich und dürfte für die Zuschauer geöffnet werden.

Das Risiko von Ausschreitungen bestünde jedoch bei diesem Derby, auch wenn den Catania-Tifosi der Zugang zum Stadion verwehrt würde. 2001 kam es rund um das (alte) Stadion zu schweren Tumulten zwischen den rivalisierenden Fan-Gruppen - damals spielten beide Vereine noch in der Serie C1 -, die den Tod eines 24-jährigen Messina-Fans zur Folge hatten.

(si)

Sicherheitsmassnahmen der italienischen Regierung

Angekündigte Massnahmen der italienischen Regierung zur Verbesserung der Sicherheit in den Fussball-Stadien.

Verabschiedung für Mittwoch geplant:

- Verbot des Verkaufs grosser Kartenkontingente an Fangruppen

der Auswärtsmannschaften

- Stadionverbot für gewaltbereite Fans, auch wenn keine

Verurteilung vorliegt. Dies gilt auch für Minderjährige

- Sozialarbeit für ausgeschlossene Anhänger während der Spiele

ihres Vereins

- Ausdehnung der Festhaltung gewalttätiger Fans von bisher

maximal 36 auf 48 Stunden

- Verbot jeglicher Geschäftsverbindungen zwischen Klubs und

Fangruppen

«Pisanu-Gesetz» (eigentlich seit Oktober 2005 gültig):

- Nummerierte Sitzplätze

- Personalisierte Tickets

- Videoüberwachung innerhalb und ausserhalb der Stadien

- Separater Sicherheitsbereich für die Polizei

- Striktere Trennung der Sektoren für Heim- und Gäste-Fans

- Zusätzliche Erste-Hilfe-Zonen

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