Aktualisiert 09.12.2007 17:14

Calmy-Rey: Antisemitismus in der Schweiz schwelt weiter

Der Antisemitismus schwelt nach Ansicht von Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey in der Schweiz weiter - dies obschon die jüdische Minderheit eine «kaum wahrnehmbare Minderheit» darstelle.

In ihrer Rede zum 50-jährigen Bestehen der Gesellschaft Schweiz- Israel sagte Calmy-Rey am Sonntag in Zürich, in der Schweiz gebe es rund 18 000 Menschen jüdischen Glaubens; 0,25 Prozent der Bevölkerung. «Aber 26,5 Prozent aller Urteile, die aufgrund des Antirassismus-Artikels ausgesprochen wurden, betreffen antisemitische Äusserungen.»

Calmy-Rey wehrte sich gemäss Redetext zugleich dagegen, dass Kritik an der israelischen Politik mit Antisemitismus verwechselt werde. Als Depositärstaat der Genfer Konventionen habe die Schweiz eine besondere Verantwortung für die Einhaltung des Völkerrechts.

«Wir erheben unsere Stimme, wenn dieses Recht verletzt wird - auch dann, wenn wir unsere Freunde kritisieren müssen», sagte Calmy-Rey mit Bezug auf die Schweizer Kritik an Israel während des Libanon-Kriegs 2006. An der Feier in Zürich wurde auch Israels Sozialminister Isaac Herzog erwartet.

Mit dem jüdischen Volk verbunden

Die Aussenministerin lobte zugleich die Gesellschaft Schweiz-Israel als «wichtiges Zeichen der Völkerverständigung» und bekräftigte, sie sei durch ihren eigenen, familiären Hintergrund mit dem jüdischen Volk verbunden.

Ihr Ehemann André Calmy ist jüdischer Herkunft; er kam Anfang der 50er Jahre von Rumänien in die Schweiz. Ein Teil seiner Familienangehörigen wanderte ebenfalls in den 50er Jahren nach Israel aus.

Die politisch und religiös unabhängige Gesellschaft Schweiz-Israel wurde am 12. Dezember 1957 ins Leben gerufen. Die Gründungsmitglieder sahen unter dem Eindruck des Suez-Krieges die Existenz des Staates Israel gefährdet.

(sda)

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