Aktualisiert 04.05.2006 16:45

Calmy-Rey besucht Pakistan

Aussenministerin Micheline Calmy-Rey hat sich heute Donnerstag mit dem Personal der wegen Unregelmässigkeiten in der Kritik stehenden Schweizer Botschaft in Islamabad getroffen.

Ihre Reise nach Pakistan würdigt 40 Jahre Entwicklungszusammenarbeit. Erste pakistanische Gesprächspartnerin Calmy-Reys war Entwicklungsministerin Hina Rabani Khar, die sie zusammen mit Walter Fust, Chef der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA), in der Schweizer Vertretung empfing.

Diskutiert wurden Formen der Entwicklungszusammenarbeit in der Vergangenheit - mit einem Blick in die Zukunft, wie Lars Knuchel, Sprecher des Eidg. Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA), der Nachrichtenagentur SDA aus Islamabad erklärte. Die Schweiz wolle weiterhin partnerschaftlich mit lokalen Einrichtungen und nichtstaatlichen Organisationen zusammenarbeiten.

30 Millionen Dollar Nothilfe

Bis 2009 soll Pakistan 30 Millionen Dollar Nothilfe erhalten als Antwort auf das Erdbeben vom Oktober 2005. Im vergangenen Jahr betrug die Hilfe aus Bern insgesamt 25 Millionen Franken für das südasiatische Land - Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe zusammen.

Ein Festakt galt am Donnerstagabend in Islamabad der Würdigung von 40 Jahren Entwicklungszusammenarbeit. Calmy-Rey zog in ihrer Rede einen Tour-d'horizon mit Ausblick in die Zukunft.

Am Freitag reist die Schweizer Aussenministerin in die vom Erdbeben heimgesuchte Region in Kaschmir, wo sie von der Schweiz finanzierte Wiederaufbauprojekte besichtigen will. Anschliessend steht ein Besuch der westpakistanischen Stadt Peschawar auf dem Programm - mit der Besichtigung eines Projekts zur Förderung von Frauen in der pakistanischen Gesellschaft.

Visa-Affäre

Weit mehr von sich reden als die Entwicklungszusammenarbeit mit Pakistan machte in den verangenen Wochen der Verdacht, die Schweizer Botschaft in Islamabad sei zur Drehscheibe missbräuchlich erteilter Visa in die Schweiz geworden.

Das EDA sprach am Montag offen von mafiösen Organisationen, die versuchten, Einfluss auf die Visa-Erteilung zu nehmen. In Islamabad sei ihnen dies «offenbar geglückt», so Martin Dahinden, Chef der Direktion für Ressourcen und Aussennetz im EDA. Bern geht von einer Schlepperbande aus, welche die Schweizer Botschaft in Pakistan zu infiltrieren versucht.

Nach Angaben des Generaldirektors der pakistanischen Bundespolizeibehörde FIA, könnten bis zu fünf Reiseorganisatoren in Islamabad und Rawalpindi in den Schmuggelring verwickelt sein.

Die Behörden in Islamabad haben unterdessen einen pakistanischen Angestellten der Schweizer Botschaft in Untersuchungshaft gesetzt. Er soll nach Medienberichten Sex als Gegenleistung für ein Einreisevisum in die Schweiz verlangt haben. Ein ehemaliger Mitarbeiter wird noch gesucht. Für strafbares Verhalten von Schweizer Mitarbeitern gibt es laut EDA bislang keine Hinweise.

«Eigenes Bild machen»

Calmy-Rey habe sich «ein eigenes Bild» von den Arbeitsabläufen in der Schweizer Botschaft in Islamabad machen wollen, sagte EDA- Sprecher Knuchel am Donnerstag. Man wolle die Ergebnisse der Administrativuntersuchung abwarten, die Bern im April angeordnet hat, rechtfertigte Knuchel seine Zurückhaltung. Die Visa-Abteilung in der pakistanischen Botschaft bleibt derweil geschlossen.

(sda)

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