Tour de France: Cancellara wie im Blindflug
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Tour de FranceCancellara wie im Blindflug

Für das Einzelzeitfahren an der Tour de France hätte man sich von Fabian Cancellara mehr als einen 8. Platz erhofft. Widrige Umstände machten aber ein besseres Resultat unmöglich.

Das einzige Einzelzeitfahren der Tour de France hätte für Fabian Cancellara die einzige Gelegenheit dargestellt, zu einem Sieg zu gelangen. Widrige Umstände führten dazu, dass sich der Berner mit dem 8. Platz zufriedengeben musste.

Stau verzögerte Ankunft in Grenoble

Es begann schon damit, dass die Teams am Samstagmorgen kaum von L'Alpe-d'Huez, wo sie übernachtet hatten, an den Startort Grenoble gelangten. Die Tour de France ist auch eine Tour des Chaos und der endlosen Staus. Für die 65 km lange Strecke wurden bis zu vier Stunden Fahrzeit registriert.

So reichte Fabian Cancellara wie vielen anderen Fahrern die Zeit nicht mehr für eine Streckenbesichtigung. Er sei sich wie bei einem Blindflug vorgekommen, meinte der Olympiasieger und vierfache Weltmeister, der in der sich über mehr als sechs Stunden dauernden Prüfung in der ersten langen Abfahrt auf regennasse Strassen traf und keine Risiken eingehen wollte.

Obwohl er den Sieg verpasste, zeigte sich Cancellara nach seinem 8. Rang trotzdem zufrieden: «Als Mannschaft haben wir alles richtig gemacht. Wir brachten unsere beiden Teamleader einigermassen sicher über Frankreichs Strassen. Daran habe ich einen grossen Anteil, und das stellt auch eine Genugtuung dar.»

Tony Martins Höhenflug

Dominiert wurde die anspruchsvolle Prüfung gegen die Uhr von Tony Martin. Der Deutsche war mit grossen Ambitionen zu dieser Tour de France gestartet, brach dann aber in den Pyrenäen völlig ein. Am Tourmalet musste Martin abreissen lassen, in Luz-Ardiden summierte sich sein Rückstand auf 9:03 Minuten. Der masslos enttäuschte Radprofi aus Cottbus betrieb Ursachenforschung, fand jedoch keinen Grund für seine Niederlage. Martin vergass, dass er sich in den Schlussphasen der Flachetappen für das Sprint-As Mark Cavendish ins Zeug legte.

Auf den 42,5 km baute Martin seinen Vorsprung von Kilometer zu Kilometer aus. Mit 55:33 Minuten legte der in Kreuzlingen wohnhafte Athlet die Strecke um nur fünf Sekunden langsamer zurück als bei seinem Triumph im Dauphiné Libéré, als das Zeitfahren am dritten und nicht wie in der Tour de France am vorletzten Tag der Rundfahrt ausgetragen wurde. «Es war ein Vorteil, den Parcours schon gekannt zu haben. Diesen Sieg wollte ich unbedingt, um meine Bilanz zu retten», sagte Martin nach dem 27. Profisieg seiner Karriere. (si)

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