Aktualisiert 09.04.2014 09:25

Studie beweist«Candy Crush» macht aggressiver als «GTA»

Es sind nicht die brutalen Inhalte von Videospielen, die aggressiv machen. Es ist das Versagen in einem Game, das die Spieler in den Wahnsinn treibt.

von
Ill-FiL
Einer neuen Studie zufolge werden Gamer nicht wegen dem Inhalt brutaler Spiele, sondern wegen Versagensgefühlen aggressiv.

Einer neuen Studie zufolge werden Gamer nicht wegen dem Inhalt brutaler Spiele, sondern wegen Versagensgefühlen aggressiv.

Games mit hohem Gewaltanteil wie «Grand Theft Auto» oder «Call of Duty» sollen bei Spielern Aggressionen auslösen – so die gängige Meinung. Eine neue Studie zeigt nun aber, dass rabiates Verhalten mit der Erfahrung des Scheiterns und der Frustration zusammenhängt und nicht mit dem gewalttätigen Inhalt eines Games.

Die im «Journal of Personality and Social Psychology» publizierte Studie richtet ihren Fokus zum ersten Mal auf die psychologische Erfahrung von Spielern beim Zocken. Frühere Studien hatten sich immer nur auf den Inhalt von Spielen konzentriert.

Wer ein Game oder dessen Bedienung nicht meistern kann, wird frustriert oder aggressiv – unabhängig davon, ob das Spiel brutal ist oder nicht. Zu diesem Ergebnis kommt das Team um Andrew Przybylsky von der Universität Oxford. «Jeder Spieler, der nach einer verlorenen Partie schon einmal das Gamepad weggeworfen hat, kennt die intensiven Gefühle oder den Zorn, den der Misserfolg nach sich zieht», erklärt Przybylsky. Diese Art der Frustration wird in Gamer-Kreisen als «Rage Quitting», also «wutentbranntes Aufgeben», bezeichnet.

«Tetris» und kaltes Wasser

Um herauszufinden, welcher Aspekt beim Gamen zu aggressiven Gefühlen führt, manipulierten die Wissenschaftler Bedienung und Schwierigkeitsgrad verschiedener Games. Rund 600 Studenten wurden davorgesetzt, wobei sie sowohl Gewalt verherrlichende als auch friedliche Games meistern mussten. Anschliessend wurden die Probanden auf aggressive Gedanken, Gefühle oder Verhaltensweisen getestet.

In einem Experiment mussten die Teilnehmer während 25 Sekunden eine Hand in eiskaltes Wasser halten. Obwohl alle Probanden gleich lange aushalten mussten, wurde ihnen gesagt, die erforderliche Zeitspanne sei vom vorherigen Studenten bestimmt worden. Dann wurden sie zufällig mit einer einfachen oder sehr schwierigen Version von «Tetris» konfrontiert. Anschliessend wurden sie aufgefordert, die Zeitdauer zu nennen, während der der nächste Proband seine Hand ins kalte Wasser tauchen müsse. Das Ergebnis: Spieler, die das schwierige «Tetris» gespielt hatten, verordneten ihren Nachfolgern ein im Durchschnitt 10 Sekunden längeres Kaltwasserbad als jene Probanden, die mit der einfachen Version des Games konfrontiert waren.

Wer nicht spielen kann, wird aggressiv

Über alle Tests hinweg stellten die Wissenschaftler fest, dass nicht die Erzählstruktur oder die vermittelten Bilder eines Games Frustration verursachen. Schuld sind vielmehr fehlendes Beherrschen der Spielbedienung sowie die Schwierigkeit des Games. Anhand der Studie konnte aufgezeigt werden, dass Aggression eine negative Folge dieser Frustration beim Spielen von Videogames ist.

Laut den Wissenschaftlern um Andrew Przybylsky liefern die Ergebnisse der Studie einen wichtigen Beitrag zur Debatte über die Auswirkungen Gewalt verherrlichender Videogames. Richard Ryan, Co-Autor und Motivationspsychologe an der University of Rochester, kommt zum Schluss, dass die Annahme, brutale Games verursachten aggressives Verhalten, eine voreilige sei. «Es ist ein komplizierter Bereich, und die Leute haben vereinfachte Betrachtungsweisen.» Dann führt er an, dass gewaltlose Games wie «Tetris» oder «Candy Crush» die Spieler mindestens ebenso aggressiv zurückliessen wie brutale Titel, sofern sie schlecht gemacht oder zu schwierig seien.

«Rage Quitting»:

Gemäss Richard Ryan, Co-Autor der Studie über aggressives Verhalten bei Spielern, kommt die sogenannte «Rage Quitting»-Erfahrung nicht aussliesslich bei Gamern vor. Der Motivationspsychologe der University of Rochester nennt Sportereignisse als vergleichbare Beispiele: «Wenn Menschen merken, dass sie keine Kontrolle über den Ausgang eines Spiels haben, führt das zu Aggressionen». Dies hätten entsprechende Tests gezeigt, unabhängig davon, ob die Sportart rau oder nicht gewesen sei.

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