07.10.2014 13:20

Neues MedikamentCannabis-Öl aus Herisau soll ALS-Patienten helfen

Ab dem 1. November vertreibt der Arzneimittelhersteller Hänseler aus Herisau die erste ölhaltige Cannabis-Lösung der Schweiz. Möchte man sie erwerben, ist dies rechtlich aufwendig.

von
jeh
Eine Marihuana-Pflanze in Israel.

Eine Marihuana-Pflanze in Israel.

Cannabis-Pflanzen lindern Schmerzen und Spasmen. Dies belegen immer mehr Untersuchungen und ist längst nicht mehr unbekannt, schreibt das Tagblatt. Als alkoholische Tinktur wird es bereits schon von Ärzten verschrieben. Nun wird ab dem 1. November erstmals ein THC-haltiges Öl erhältlich sein. Hergestellt wird es bei der Hänseler AG in Herisau. Sie ist die einzige Firma, die schweizweit über eine Ausnahmebewilligung zur Herstellung des sogenannten Sativa-Öls verfügt.

Einfacher Zugang zu Cannabis

«Diese Arzneimittel werden auf ärztliches Rezept für eine bestimmte Person selber hergestellt oder bei spezialisierten Betrieben bestellt», sagt Geschäftsleitungsmitglied Rolf Locher. Weil die Cannabis-Pflanze unter dem Betäubungsmittelgesetz steht, ist die Abgabe sehr aufwendig. So muss ein behandelnder Arzt für jeden einzelnen Patienten beim Bundesamt für Gesundheit (BAG) eine Ausnahmebewilligung zur Verschreibung von THC einholen. Darin ist genau zu begründen, warum kein anderes Medikament verwendet werden kann. Wie Locher weiter sagt, sollte Ärzten die Verschreibung erleichtert werden. Deshalb stehe man derzeit mit dem BAG in Kontakt.

Missbrauch des Öls verhindern

Auch die Patientenschützerin und St. Galler Nationalrätin (GLP) Margrit Kessler kritisiert die Art und Weise der Bewilligung. Deshalb hat sie im September eine Interpellation dazu eingereicht. «Schmerzpatienten sollten kostengünstig und unbürokratisch Zugang zu Cannabis erhalten», so Kessler. Die Herstellerin des Öls, Bea Goldmann, teilt laut dem «St. Galler Tagblatt» die Meinung der Nationalrätin. Die St. Galler Pflegefrau begleitet mit dem Produkt vor allem Patienten mit der Nervenkrankheit ALS. «Im Gegensatz zu bestehenden Cannabinoid-Medikamenten können etliche Patienten durch das Sativa-Öl die Krankheit besser bewältigen», sagt Goldmann.

Dazu kommt, dass die ölige Substanz eine längere Wirkungsdauer hat. Damit jeglicher Missbrauch mit dem Öl verhindert werden kann, liegt die THC-Konzentration gerade mal bei einem Prozent. «Unsere Patienten wollen ihre Schmerzen lindern und nicht, wie oft behauptet, einen schnellen Rausch, wie das beim Kiffen der Fall ist», sagt Goldmann. Aus diesem Grund hofft sie, in Zukunft mehr Patienten mit dem Sativa-Öl behandeln zu können. Zusammen mit dem Neurologen Markus Weber plant sie deshalb die Lancierung der ersten Cannabis-Sprechstunde am Kantonsspital St. Gallen.

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