Cantat: Restverbüssung der Haftstrafe in Frankreich
Aktualisiert

Cantat: Restverbüssung der Haftstrafe in Frankreich

Mehr als ein Jahr nach dem gewaltsamen Tod der Schauspielerin Marie Trintignant in Vilnius sitzt der verurteilte Rockstar Bertrand Cantat in französischer Haft.

Der 40- Jährige traf am Dienstagmittag am Flughafen von Toulouse ein.

Cantat wurde in das Gefängnis von Muret nahe der südwestfranzösischen Stadt eingeliefert. Der Ende März wegen Totschlags zu acht Jahren Haft Verurteilte dürfte bei guter Führung im Jahr 2009 wieder auf freien Fuss kommen. Um seine Rückkehr aus Litauen nicht zu einem Medienereignis zu machen, hatte die französische Justiz die genauen Umstände geheim gehalten.

Wie eine Reporterin sah, hatte Cantat bei seinem Eintreffen am Flughafen Toulouse-Blagnac eine schwarze Jacke über den Kopf gezogen. Er verliess die Maschine der als letzter; Polizeibeamte begleiteten ihn. Anschliessend wurde der Sänger der Band Noir Désir in einem Zivilfahrzeug vom Flughafengelände gefahren.

Zuvor hatten die Behörden unter anderem erklärt, Cantat solle über Amsterdam nach Paris fliegen und zunächst in einem Gefängnis nahe der französischen Hauptstadt einsitzen. Er hatte gebeten, die Strafe in seiner südwestfranzösischen Heimatregion verbüssen zu dürfen.

Cantat hatte seine 41-jährige Geliebte Trintignant in der Nacht zum 27. Juli 2003 im Streit in einem Hotelzimmer geschlagen; sie war wenige Tage später an den schweren Verletzungen gestorben.

Acht Jahre Gefängnis

Ende März hatte ein litauisches Gericht Cantat wegen Totschlags verurteilt. Die achtjährige Haftstrafe ist rechtskräftig, nachdem sowohl die Verteidiger Cantats als auch die Anwälte der Familie Trintignant Berufungsanträge zurückgezogen hatten.

Der Musiker bereute die heftigen Schläge öffentlich und flehte die Angehörigen mehrfach um Vergebung an. Der Fall hatte nicht nur in Frankreich hohe Wellen geschlagen und eine breite Debatte um Gewalt in Partnerschaften ausgelöst.

Cantat und Trintignant hatten sich im Juli 2002 kennengelernt. Noch im Oktober desselben Jahres, einen Monat nach der Geburt des zweiten gemeinsamen Kindes Alice, verliess Cantat seine Frau Kristina.

In der grossen Haftanstalt Muret etwa 25 Kilometer südwestlich von Toulouse sitzen neben Cantat Hunderte anderer zu langen Haftstrafen Verurteilter ein. Die Spanne reicht von fünf Jahren bis zu lebenslänglich für schwerste Verbrechen.

(sda)

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