Aktualisiert 13.02.2019 21:19

Hit ohne Airplay«Capital Bras Texte haben bei uns nichts zu suchen»

Von null auf eins in den Charts und trotzdem kaum Airplay: Wir fragen Musikchefs, warum sie «Prinzessa» von Capital Bra nicht in ihre Radio-Rotation aufnehmen.

von
shy
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Der Berliner Rapper Capital Bra stieg Anfang Februar mit seiner Single «Prinzessa» auf Platz eins der Schweizer Hitparade ein. Trotzdem bekommt er in der Schweiz so gut wie kein Radio-Airplay.

Der Berliner Rapper Capital Bra stieg Anfang Februar mit seiner Single «Prinzessa» auf Platz eins der Schweizer Hitparade ein. Trotzdem bekommt er in der Schweiz so gut wie kein Radio-Airplay.

Instagram/capital_bra
Laut «CH Media» hat SRF, das den Song nur spielt, wenn die SRF3-Hitparade läuft, nach dem Grund gefragt. Die Antwort: Es liegt an den Lyrics.

Laut «CH Media» hat SRF, das den Song nur spielt, wenn die SRF3-Hitparade läuft, nach dem Grund gefragt. Die Antwort: Es liegt an den Lyrics.

Instagram/capital_bra
Auch von Spotify wird der 24-Jährige verschmäht: Der Streamingdienst führt ihn auf keiner seiner kuratierten Playlists, weil Spotify findet, er sei zu frech und haue einfach Songs raus, ohne Bescheid zu sagen – so zitiert Raptastisch.net den Musiker jedenfalls.

Auch von Spotify wird der 24-Jährige verschmäht: Der Streamingdienst führt ihn auf keiner seiner kuratierten Playlists, weil Spotify findet, er sei zu frech und haue einfach Songs raus, ohne Bescheid zu sagen – so zitiert Raptastisch.net den Musiker jedenfalls.

Instagram/capital_bra

Die Lyrics seien mit ein Grund, warum der Nummer-eins-Track «Prinzessa» des Berliner Rappers Capital Bra nur in der Hitparade-Sendung, nicht aber im regulären Programm von SRF 3 läuft. Dies liess der Leiter der SRF-Musikredaktion, Michael Schuler, im Gespräch mit «CH Media» durchblicken.

Gegenüber 20 Minuten fügt er an: «Den Titel haben wir im Playlist-Meeting besprochen und uns für passendere Titel für das SRF-3-Tagesprogramm entschieden.»

Der Song des Anstosses: «Prinzessa» von Capital Bra. (Quelle: Youtube/Joker bra)

Ein Grossteil der Schweizer Radiosender spielt den Song ebenfalls nicht – mit dem Basler Radio Basilisk als Ausnahme, wie ein Blick ins Radiomonitor-Portal Airplay.ch zeigt. Die meisten Musikchefs schliessen sich Schuler an: «Prinzessa» passe einfach nicht ins Programm (in Deutschland sieht es übrigens ähnlich aus). Das sind die Gründe, die sie für den Bra-Bann nennen.

Ihre Hörer schalten sonst weg

«Wir führen regelmässig Musikbefragungen bei unserem Publikum durch», erklärt Christian Jäckli von Radio 24. «Aus diesen geht hervor, dass ein Song wie ‹Prinzessa› von unserer Hörerschaft nicht gut aufgenommen wird.»

Auch FM1 lässt Songs von seiner aus Hörern bestehenden, sogenannten Musikjury bewerten. «Stücke, die einen hohen Rap-Anteil haben, polarisieren sehr und die Leute tendieren eher zum Ausschalten», sagt der Leiter der Musikredaktion, Martin Oesch.

«Nicht jede Nummer eins spricht eine breite Masse an und schafft es auch ins Radio», gibt André Hügli von der Musikredaktion von Radio Energy, wo «Prinzessa» keinen Platz in der Rotation hat, zu bedenken. «Das passiert immer wieder.» Bei Radio Zürisee wird die Grenze noch klarer gezogen, wie Roger Rhyner verrät: «Rap und Hip-Hop Spielen wir gar nicht.»

Klassischer Gangster-Rap auf Deutsch: «Paff Paff weiter 2» von Capital Bra und Gzuz. (Quelle: Youtube: Various Artists - Topic)

Ins Musikkonzept von Radio Pilatus passe die Capital-Bra-Nummer ebenfalls nicht, so Musikchef Thomas Zesiger. Ähnlich sieht es gemäss Dani Wüthrich bei Radio 1 aus: «Wir lassen den Hitparaden-Einheitsbrei bewusst aussen vor und bespielen ein Publikum zwischen 30 und 60 Jahren.»

Auch die Community von Planet 105 habe über «Prinzessa» abstimmen dürfen, so Programmleiter Marc Jäggi: «Diese wollte den Song nicht im Programm haben. Er funktioniert offensichtlich besser auf den Streamingportalen als im Radio.»

Sie distanzieren sich von Frauenfeindlichkeit

Martin Ackle, Leiter Unterhaltung bei Radio 32, weiss, dass sein «ländliches und etwas älteres Publikum» mit Capital Bra nichts anfangen kann. Er ergänzt: «Wir wollen natürlich auch gewaltverherrlichenden Texten, Sexismus und Frauenfeindlichkeit in unserem Musikprogramm keine Plattform bieten.»

«Solche Texte haben nichts im Programm von Radio Argovia zu suchen», findet auch der stellvertretende Musikchef Peter Stutz. Wobei angemerkt werden muss, dass die Lyrics von «Prinzessa» zu den harmloseren im Repertoire des Rappers gehören: Ausser «Yarak» (türkischer Slang für Penis) und «Hurentochter» fallen keine Kraftausdrücke.

Sie finden den Song zu schlecht

Ganz abgesehen davon, ob die Nummer nun ins Programm passt oder der Text zu heftig ist, kann André Epprecht von Radio Munot mit «Prinzessa» schlicht nichts anfangen: «Das ist ein 08/15-Song, wie es sie zu Dutzenden gibt.»

Bei ihnen in Schaffhausen sei das Thema Deutschrap zudem umstritten: Im April protestierte die Bevölkerung gegen ein Konzert der kontroversen Exponenten Kollegah und Farid Bang; in der Folge wurde es abgesagt.

Die Hörerschaft von Toxic.fm und Radio 3Fach ist im Gegensatz zu den obigen Sendern jung und alternativ. Ihre Musikchefs halten jedoch ebenfalls nichts von Capital Bra. «‹Prinzessa› fällt in Bezug auf Produktion und Musikalität mit vergleichbaren Hits von Trettman, Bausa oder Raf Camora ganz klar ab», findet Marcel Zuberbühler von Toxic.

«Er trifft zwar den Zeitgeist der Jugend», räumt 3Fach-Benedikt-Geisseler ein. «Aus unserer Sicht ist er aber überhaupt nicht innovativ.»

Sie spielen ihn als einzige

«Das Wort ‹Hurentochter› finde ich nicht okay», so Jean-Luc-Wicki, Programmchef von Radio Basilisk, die den Song als einzige in die Rotation aufgenommen haben, «der Track geht aber in Ordnung, also spielen wir ihn.»

Wie die anderen Sender sei auch bei Basilisk die Chartplatzierung eines Stücks nicht ausschlaggebend fürs Airplay. «Vielmehr muss ein Song einfach passen», sagt Wicki, «da wir abends und nachts musikalisch breiter unterwegs sind, passt ‹Prinzessa› dann auch in die Rotation.»

In «One Night Stand» zeichnet Capital Bra ein veraltetes Frauenbild. (Quelle: Youtube/TEAM KUKU)

«Hurentochter» war übrigens auch in der SRF-3-Hitparade am Sonntagnachmittag unzensiert zu hören. Laut Michael Schuler sind deswegen aber keine Hörerbeschwerden eingegangen.

Der Text ist also nicht der Grund fürs kaum vorhandene Airplay von «Prinzessa» – die Qualität und die Bedürfnisse klassischer Radiohörer fallen da viel mehr und viel negativer ins Gewicht.

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