Interlaken BE: Car-Passagiere wurden teils schwer verletzt
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Interlaken BECar-Passagiere wurden teils schwer verletzt

Nach der Kollision eines ICE mit einem Car schwebt keiner der 17 Verletzten in Lebensgefahr. In dem Touristenbus sass eine asiatische Reisegruppe.

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hjo/sep/chk
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Zug kracht ins Heck: Unfallbus bei Interlaken. (20. Mai 2016)

Zug kracht ins Heck: Unfallbus bei Interlaken. (20. Mai 2016)

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Heftiger Aufprall: Ein deutscher ICE-Zug hat einen Reisecar bei Interlaken Ost erfasst. (20. Mai 2016)

Heftiger Aufprall: Ein deutscher ICE-Zug hat einen Reisecar bei Interlaken Ost erfasst. (20. Mai 2016)

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Durch die Kollision wurden im Reisecar 17 Personen verletzt. (20. Mai 2016)

Durch die Kollision wurden im Reisecar 17 Personen verletzt. (20. Mai 2016)

kein Anbieter/Kantonspolizei Bern

Nach dem Zusammenstoss zwischen einem ICE und einem Reisecar auf einem Bahnübergang in Interlaken sind sowohl Leicht- wie auch Schwerverletzte zu verzeichnen. Dies teilt die Kantonspolizei Bern am Samstagnachmittag mit. Von den 17 Personen, die nach der Kollision ins Spital gebracht wurden, schwebe nach aktuellen Kenntnissen aber niemand im Lebensgefahr. Bereits habe die Mehrzahl der eingelieferten Passagiere das Spital wieder verlassen können. Die Reisenden gehören gemäss Mitteilung einer «asiatischen Reisegruppe» an, nähere Angaben macht die Polizei nicht.

Wie es zum Unfall kommen konnte, ist noch nicht bekannt.«Die Ermittlungen sind am Laufen – es ist zu früh, um Aussagen zum Hergang des Unfalls zu machen», sagt Polizeisprecherin Regina Aeberli auf Anfrage. Fragen zum Unfallhergang werden nun durch die Regionale Staatsanwaltschaft Oberland in Zusammenarbeit mit der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle (SUST) geklärt.

Die Zugstrecke gehört der BLS

Der Unfall hatte sich kurz vor 20 Uhr in der Nähe der Beau-Rivage-Brücke in Interlaken ereignet. Der ICE-Zug war in Richtung Bahnhof Interlaken Ost unterwegs, als es zur Kollision kam. Wie auf den Bildern der Unfallstelle ersichtlich ist, traf der Zug den Car in der Heckgegend. Beim Zug handelte es sich um einen ICE der Deutschen Bahn. Der Schweizer Lokführer sei nicht verletzt worden, gibt die SBB-Medienstelle zur Auskunft.

Auf den Bildern ist auch die beschädigte Barriere der Bahnschranke zu sehen. Diese ist Teil des Streckennetzes der BLS. Der Bahnübergang, bei dem der Unfall stattfand, gilt eigentlich als sicher, wie BLS-Sprecher Hugo Wyler auf Anfrage ausführte. «Der Bahnübergang ist mit einer Doppelschranke, also beidseitig mit je zwei Barrieren, gesichert», so Wyler. Zudem sorge eine Vorrichtung dafür, dass die Züge automatisch abgebremst würden, wenn die Bahnschranken nicht geschlossen seien.

Das involvierte Car-Unternehmen ist eine Firma mit Sitz in Österreich. Mit ihrem Chauffeur stünden sie in Kontakt, so eine Mitarbeiterin am Telefon. Nähere Informationen will sie aber nicht geben. «Wir warten auf die Ergebnisse der Untersuchung.»

Reduzierte Höchstgeschwindigkeit

Da der Bahnübergang kurz vor dem Bahnhof Interlaken Ost liegt, gilt für die Züge auch eine reduzierte Höchstgeschwindigkeit von 40 Stundenkilometern. Auf der restlichen Strecke zwischen Interlaken West und Interlaken Ost gilt eine Höchstgeschwindigkeit von 65 Stundenkilometern.

Der BLS seien keine früheren Unfälle an dieser Stelle bekannt, sagte Wyler. Zur Unfallursache kann der BLS-Sprecher keine Angaben machen. «Das ist Gegenstand von laufenden Abklärungen der Polizei.»

Ölsperre wegen Dieselöl

Bereits am Freitagabend wurden 16 Personen mit sieben Ambulanzen ins Spital gebracht. Später habe sich eine weitere Person gemeldet, die ebenfalls verletzt ins Spital eingeliefert wurde, teilte die Kantonspolizei in einem Communiqué mit.

Der Zugverkehr zwischen Interlaken-West und Interlaken Ost auf der Strecke Spiez – Interlaken Ost blieb bis Betriebsschluss unterbrochen, konnte aber am Samstagmorgen wieder aufgenommen werden. Auch die Barriere sei inzwischen wieder instandgesetzt, heisst es vonseiten der BLS.

Die Rettungskräfte setzten ein Grossaufgebot ein. Nebst Sanitätern waren auch Feuerwehrleute sowie ein Betreuungsteam vor Ort. Auf der nahe gelegenen Aare wurde eine Ölsperre eingerichtet, da beim Unfall Flüssigkeit auslief. Trotzdem gelangte eine unbekannte Menge Flüssigkeit, mutmasslich Dieselöl, via Aare auf den Thunersee. Diese konnte durch die Seepolizei und die Feuerwehr Bödeli gebunden und entsorgt werden.

Bahnübergänge werden saniert

In den letzten Jahren waren Unfälle an Bahnübergängen in der Schweiz rückläufig. Im Jahr 2000 kam es gemäss Zahlen des Bundesamts für Statistik zu 81 Unfällen an Bahnübergängen, im Jahr 2014 waren es noch 10. Um die Sicherheitsstandards zu verbessern, treibt das Bundesamt für Verkehr (BAV) die Sanierung von Bahnübergängen voran. Gemäss Sicherheitsbericht des BAV waren bis Ende 2015 schweizweit bereits 91 Prozent der Übergänge vorschriftskonform gesichert. (hjo/sep/chk/sda)

Korrektur

In einer am Samstagnachmittag publizierten Version des Artikels war zwischenzeitlich zu lesen, es habe beim Unfall keine Schwerverletzten gegeben. Dies ist nicht richtig. Die Polizei spricht sowohl von leicht- als auch von schwerverletzten Passagieren. Für den Fehler entschuldigen wir uns.

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