Cargo-Streik im Zeitraffer

Aktualisiert

Cargo-Streik im Zeitraffer

Der Arbeitskonflikt bei der Güterverkehrstochter der SBB hat am vergangenen 7. März mit der Ankündigung der Sanierungsmassnahmen durch die SBB begonnen. Nachstehend die wichtigsten Etappen im Zeitraffer:

- 7. März: Die SBB kündigen ein Restrukturierungsprogramm mit dem Abbau von 401 Stellen bei SBB Cargo an. Im Industriewerk Bellinzona sollen 126 Stellen gestrichen werden; die Belegschaft tritt umgehend in den Streik. Die Sanierung wird mit einem Rekordverlust von 190 Millionen Franken für 2007 begründet.

- 8. März: Unter dem Motto «Hände weg von den Werkstätten!» lancieren Belegschaft und Gewerkschaften in Bellinzona eine Protestbewegung gegen die SBB-Beschlüsse. Sie erhalten dabei breite Unterstützung im ganzen Kanton, die von der Regierung über die Parteien bis zur Kirche reicht.

- 10. März: Bundesrat Moritz Leuenberger räumt im Nationalrat Fehler bei den SBB, jedoch nicht im eigenen Departement ein.

- 11. März: Die SVP fordert die Einsetzung einer Parlamentarischen Untersuchungskommission. Auch in Freiburg werden Protestpausen beschlossen.

- 12. März: An einer von Leuenberger einberufenen Aussprache mit Politikern aus der Südschweiz erklären sich die SBB bereit, die Umsetzung der Restrukturierung im Tessin zu sistieren, wenn der Streik abgebrochen wird.

- 13. März: Die Belegschaft in Bellinzona beschliesst die Fortsetzung es Streiks und fordert Garantien für den Erhalt der Arbeitsplätze.

- 14. März: Der Bundesrat appelliert an die Beteiligten, zum Dialog zurückzukehren. In Freiburg wird auf einen Streik verzichtet.

- 15. März: Erstmals seit acht Tagen finden in Biasca direkte Gespräche zwischen SBB-Chef Meyer und einer Delegation der Belegschaft von Bellinzona statt. Die SBB schlagen zweimonatige Verhandlungen am «runden Tisch» vor. Sie wollen die Umsetzung des Abbaus in Bellinzona während dieser Zeit sistieren, fordern aber im Gegenzug einen Streikunterbruch.

- 17. März: Die Belegschaft in Bellinzona schlägt das Angebot der SBB aus und beschliesst die Fortsetzung des Streiks. Die Gewerkschaften wehren sich gegen Aussagen Leuenbergers, dass der Streik illegal sei.

- 18. März: Die SBB kündigen an, die Kosten des Streiks auf Gewerkschaften und Belegschaft zu überwälzen.

- 19. März: Leuenberger ruft in einer dringlichen Debatte im Nationalrat zur Rückkehr an den Verhandlungstisch und zum Streikabbruch auf. Er bietet sich als Garant für die Durchführung eines «runden Tischs» an. SBB-Chef Meyer erklärt sich auch zur Prüfung von Extremvarianten wie der Verlagerung des E-Lokunterhalts von Yverdon nach Bellinzona bereit. Mehrere tausend Personen demonstrieren vor dem Bundeshaus gegen die SBB.

- 20. März: Die Belegschaft in Bellinzona beschliesst die Fortsetzung des Streiks. Von den SBB werden nach wie vor schriftliche Garantien für die Erhaltung des Lokunterhalts in Bellinzona und für den Verzicht auf eine Privatisierung des Wagenunterhalts verlangt.

- 21. März: Im Kloster Bigorio verlaufen elfstündige Diskussionen zwischen den SBB und der Delegation der Belegschaft ergebnislos.

- 24. März: Nach einer weiteren Gesprächsrunde in Bern erklären beide Seiten die Bemühungen für einen «runden Tisch» vorerst für gescheitert. Die SBB wollen vor Beginn von Verhandlungen keine Vollgarantie für den Erhalt des Standorts Bellinzona abgeben. Die Gewerkschaften werfen den SBB vor, auf ihre Kompromissbereitschaft beim Wagenunterhalt nicht eingegangen zu sein.

- 25. März: Leuenberger fordert die Streikenden zur Wiederaufnahme der Arbeit und den SBB-Verwaltungsrat zur Überprüfung der Sanierungsmassnahmen auf.

- 26. März: Der SBB-Verwaltungsrat erteilt der Geschäftsleitung ein erweitertes Verhandlungsmandat. Es macht laut Meyer gewisse minimale Garantien für Bellinzona möglich.

- 27. März: In Agno werden die Gespräche für den «runden Tisch» wieder aufgenommen. Meyer spricht von einem grossen Schritt nach vorn. Streikführer Gianni Frizzo gibt sich zurückhaltend.

- 28. März: Die Belegschaft weist den Kompromissvorschlag der SBB als beschämend zurück und beschliesst die Fortsetzung des Streiks. Leuenberger erklärt den «runden Tisch» definitiv für gescheitert und fordert die SBB auf, im Arbeitskonflikt gemäss GAV und Gesetz vorzugehen.

(dapd)

Deine Meinung