Olympia-Moment: Carl Lewis' Sternstunden in Los Angeles
Aktualisiert

Olympia-MomentCarl Lewis' Sternstunden in Los Angeles

Carl Lewis ist einer der grössten Sportler aller Zeiten. Bei den Sommerspielen 1984 in Los Angeles holte er viermal Gold. Das ist vor ihm nur einem Leichtathleten gelungen.

von
Alexandra Stäuble

Carl Lewis gewinnt 1984 Olympiagold über 100 Meter. (Video: YouTube/<a href="http://www.youtube.com/watch?v=3SfU0x65naQ">AwsiDooger</a>)

«King» Carl Lewis zählt zu den erfolgreichsten Olympioniken aller Zeiten. 1984 schaffte der US-Amerikaner das Gleiche wie sein Landsmann Jesse Owens 1936: Der Leichtathlet holte viermal Olympiagold – über 100 sowie 200 Meter, 4x100 Meter mit der Staffel und im Weitsprung. Letztere war seine Parade-Disziplin. Lewis gilt dank seiner Ästhetik und seines unwiderstehlichen Anlaufs als technisch bester Weitspringer aller Zeiten.

Carl Lewis wurde am 1. Juli 1961 im amerikanischen Baumwollstaat Alabama geboren. Aufgewachsen ist er aber in Willingboro, New Jersey. Seine Eltern leiteten dort einen örtlichen Leichtathletik-Klub. Als er 13 Jahre alt war, begann er mit Wettkämpfen. Der Weitsprung war seine grosse Leidenschaft. Weil er rasend schnell war, begann er zugleich mit dem Sprinten. Seinen ersten Olympia-Einsatz hätte Lewis mit 19 Jahren in Moskau gehabt, die USA boykottierten die Sommerspiele aber aus politischen Gründen.

Mit WM-Gold an Olympia

Seinen Durchbruch feierte Lewis an den nationalen Meisterschaften 1981. Obwohl der Weitsprung und der 100-m-Lauf am gleichen Tag stattfanden, gewann er beides. Der 1,91 Meter grosse Athlet kam 1984 zu seiner Olympia-Premiere. Drei weitere Sommerspiele in Seoul, Barcelona und Atlanta sollten folgen, seine ersten in Los Angeles waren aber die erfolgreichsten. Lewis reiste keineswegs als Nobody an die Westküste Amerikas. Mit drei Goldmedaillen im Gepäck kehrte er 1983 von den Weltmeisterschaften aus Helsinki heim: Über die 100 Meter, 4x100 Meter und im Weitsprung. Bei Weltmeisterschaften holte der US-Amerikaner während seiner Karriere insgesamt zehn Medaillen - achtmal davon Gold.

An den Sommerspielen in Los Angeles toppte Lewis seine Leistungen von Helsinki. Nur sechs Hundertstel fehlten dem grossgewachsenen Sprinter zum Weltrekord über 100 Meter. Wie es Usain Bolt in diesen Tagen tut, hat auch Lewis im Mittelteil entscheidend aufgedreht und mit grossem Vorsprung die Ziellinie passiert - sechs Hundertstel über dem Weltrekord. Erst 1987 durfte sich Lewis als schnellster Mann der Welt bezeichnen. Zwischen 1987 und 1991 konnte Lewis den Rekord noch zweimal verbessern. Seine Bestleistung datiert vom 25. Oktober 1991, als er in Tokio 9,86 Sekunden auf die Bahn legte.

Überlegener Sieg im Weitsprung

Über 200 Meter musste er an seinen ersten Olympischen Spielen bis zum Schluss kämpfen. Landsmann Kirk Baptiste und Lewis liefen beide unter 20 Sekunden. An seine Bestzeit von 19,75 aus dem Jahr 1983 kam Lewis aber nicht heran. Es fehlten ihm fünf Hundertstel. Zusammen mit Sam Graddy, Ron Brown und Calvin Smith legte Lewis im Staffelwettbewerb eine traumhafte Runde hin. Ihre Zeit von 37,83 Sekunden sollte die kommenden sieben Jahre kein Quartett unterbieten können. Als 1991 der Rekord geknackt wurde, war Lewis wieder mit dabei. Dafür wurden ihm drei neue Athleten zur Seite gestellt.

In seiner erfolgreichsten olympischen Disziplin Weitsprung deklassierte er seine Konkurrenz in Los Angeles regelrecht. Mit 8,54 Metern siegte er vor dem Australier Gary Honey und Giovanni Evangelisti aus Italien. Seinen weitesten Satz zeigte Lewis aber mit 8,87 Metern 1991 in Tokio. Nur die beiden US-Amerikaner Mike Powell (8,95) und Bob Beamon (8,90) sprangen je weiter.

Vier Disziplinen, vier Goldmedaillen. Etwas, was zuvor nur einem Leichtathleten gelang: Lewis' Landsmann Jesse Owens holte 1936 in Berlin Gold in den genau gleichen Disziplinen wie Lewis 48 Jahre nach ihm. Owens durfte diesen Moment nicht mehr miterleben. Der Kettenraucher verstarb 1980 mit 66 Jahren an Lungenkrebs.

Erfolgreichster Weitspringer aller Zeiten

Auch in Seoul 1988, Barcelona 1992 und Atlanta 1996 - 35-jährig! - war Lewis ein Erfolgsgarant. Fünfmal Gold und einmal Silber kamen dazu, wobei der Weitsprung die einzige Disziplin war, in der er an allen Olympia-Teilnahmen triumphierte. Dreimal hintereinander den Titel zu verteidigen, das hat vor ihm und nach ihm kein Weitspringer geschafft. Hinter dem Diskuswerfer Alfred Oerter (USA) und dem Segler Paul Elvström (DEN) gelang Lewis dies als drittem Olympioniken überhaupt.

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