Aktualisiert 13.02.2009 15:13

WM-RiesenslalomCarlo Janka holt Gold

Carlo Janka hat seinen rasanten Aufstieg in die Top-Liga vergoldet. Der Bündner sicherte sich in Val d'Isère überlegen den WM-Titel im Riesenslalom vor dem Österreicher Benjamin Raich und dem Amerikaner Ted Ligety.

Nach dem ersten Lauf hatte Janka mit 48 Hundertsteln Vorsprung das Klassement angeführt, in der Schlusswertung war er der Konkurrenz um 71 Hundertstel enteilt. Auf dem extrem anspruchsvollen Hang, auf dem viele seiner Konkurrenten Mühe bekundeten und über Gebühr Fehler produzierten, kam auch der neue Champion nicht ohne Schrecksekunde durch. Eingangs Steilhang rutschte er kurz weg, korrigierte das Malheur aber im Stile eines ganz «Grossen» und setzte danach den Weg zu Gold fort, als wenn überhaupt nichts geschehen wäre.

«Der zweite Lauf war von oben bis unten ein Kampf. An der kritischen Stelle hatte ich auch Glück», gab Janka zu. «Ich dachte mir: einfach weiterfahren. Dann kommts schon gut.» Den «Iceman» aus Obersaxen scheint wirklich nichts aus der Ruhe zu bringen. Es kam gut: die Schweiz hat erstmals seit acht Jahren, als Michael von Grünigen in St. Anton seinen zweiten Titel geholt hatte, wieder einen Riesenslalom-Weltmeister. In Val d'Isère wars die bereits sechste Medaille für Swiss-Ski.

Dass sich Janka in Val d'Isère besonders wohl fühlt, hat nicht erst seit dem Gewinn der Bronzemedaille in der Abfahrt am vergangenen Samstag Gültigkeit. Die spezielle Bindung an den WM-Ort hatte schon vor einem Jahr eingesetzt, als der Bündner als Achter in der Super- Kombination seine erste Top-Klassierung im Weltcup erreicht hatte. Die vorläufige Krönung der Beziehung folgte vor zwei Monaten im Riesenslalom mit dem Premierensieg im Weltcup.

Didier Cuche, der nach halbem Pensum lediglich 17 Hundertstel hinter dem Bronze-Platz gelegen hatte, fiel im Finale auf den 6. Rang zurück. Eine gute Vorstellung gab auch Marc Berthod. Der St. Moritzer, der Mitte Januar im Slalom in Wengen sein letztes Rennen bestritten und seither wegen seinen Rückenproblemen pausiert hatte, schaffte mit Rang 10 eine geglückte Rückkehr. Didier Défago dagegen fand auf der «Bellevarde» wie erwartet keine ihm zusagenden Bedingungen vor. Der Walliser musste sich mit Platz 20 bescheiden.

Mit Rang 2 «erlöste» Benjamin Raich die Ski-Nation Österreich. Es war wohl die bereits 250. WM-Medaille für den ÖSV, doch in Val d'Isère waren die Mannen von Cheftrainer Toni Giger in den ersten drei Wettbewerben leer ausgegangen und hatten erste kritische Stimmen provoziert. Raich selber ergänzte seine beeindruckende Sammlung an Edelmetall um eine weitere Einheit. Der Doppel-Olympiasieger und Doppel-Weltmeister nennt nunmehr 13 Medaillen an Grossanlässen sein eigen.

Ted Ligety, 2006 Kombinations-Weltmeister, verdankt Bronze einer eklatanten Leistungssteigerung und deutlicher Bestzeit im zweiten Durchgang, dank der er am Nachmittag sechs Positionen gutmachte. Der Amerikaner hat sich diese Medaille redlich verdient, gehörte er in den bisherigen fünf Weltcup-Riesenslaloms mit den Rängen 2, 3, 4, 9 und 12 doch zu den beständigsten Fahrern des Winters.

WM in Val d'Isère, Riesenslalom der Männer, Endstand

1. Carlo Janka (Sz) 2:18,82.

2. Benjamin Raich (Ö) 0,71 zurück.

3. Ted Ligety (USA) 0,99.

4. Marcel Hirscher (Ö) 1,06.

5. Massimiliano Blardone (It) 1,67.

6. Didier Cuche (Sz) 1,69.

7. Jean- Baptiste Grange (Fr) 1,75.

8. Alexander Ploner (It) 1,78.

9. Aksel Lund Svindal (No) 1,79.

10. Marc Berthod (Sz) 1,94.

11. Davide Simoncelli (It) 2,04.

12. Manfred Mölgg (It) 2,33.

13. Truls Ove Karlsen (No) 2,43.

14. Philipp Schörghofer (Ö) 2,48.

15. Gauthier de Tessières (Fr) 2,83.

Ferner:

20. Didier Défago (Sz) 3,88.

LIVETICKER

- Carlo Janka ist Weltmeister! Der Schweizer nimmt Benjamin Raich 0,71 Sekunden ab, Ted Ligety verliert als Dritter bereits fast eine Sekunde.

- Doch Janka gibt nicht auf. Bei der zweiten Zwischenzeit sind es wieder 0,79 Vorsprung.

- Nach einem groben Fehler schmilzt der Vorsprung auf 0,17 Sekunden.

- Carlo Janka ist gestartet. Holt er Gold?

- Benjamin Raich übernimmt die Führung. Er ist im Ziel 0,28 vor Ted Ligety.

- Der Drittklassierte nach dem ersten Lauf, Massimilano Blardone, reiht sich vor Cuche auf Platz drei ein.

- Didier Cuche fällt auf Platz drei zurück! Damit wird es für ihn wohl nichts mit der dritten WM-Medaille.

- 0,33 Rückstand sinds beim zweiten Zeitvergleich

- Gut drei Zehntel Vorsprung bei der ersten Zwischenzeit

- Didier Cuche ist gestartet. Kann er sich in die Medaillenränge schieben?

- Marcel Hirscher schafft es auch nicht, Ted Ligety zu verdrängen. Der Österreicher verliert sieben Hundertstel auf den Führenden.

- Auch der Italiener Manfred Mölgg verliert zu viel Zeit auf die Spitze.

- Grosse Enttäuschung für den Österreicher Philipp Schörghofer. Er fällt auf den achten Zwischenrang zurück.

- Jean-Baptiste Grange fällt zurück: Mit einem Rückstand von 0,76 Sekunden wird er momentan Zweiter.

- Der Amerikaner bringt 79 Hundertstel Vorsprung ins Ziel und übernimmt damit deutlich die Führung.

- Bis zur zweiten Zwischenzeit baut er seinen Vorsprung gewaltig auf: 0,93 Sekunden.

- Ligety liegt 0,29 vorne

- Ted Ligety ist als nächster an der Reihe. Der Amerikaner ist aktuell der Zweite des Riesenslalom-Weltcups.

- Alexander Ploner nimmt dem Norweger eine Hundertstelsekunde ab.

- Die Freude ist nur von kurzer Dauer: Berthod muss bereits wieder Svindal Platz machen.

- Berthod übernimmt die Führung! Bis im Ziel schmilzt sein Vorsprung allerdings auf 0,10.

- Er baut den Vorsprung auf 62 Hundertstel aus.

- 56 Hundertstel Vorsprung bei der ersten Zwischenzeit

- Marc Berthod ist gestartet.

- Défago kann sich zwar noch etwas verbessern, aber mit 1,05 Rückstand bleibt für ihn nur der sechste Zwischenrang.

- 1,57 sind es bei der zweiten Zwischenzeit

- 0,34 Sekunden Rückstand für ihn beim ersten Zeitvergleich

- Didier Défago ist als erster Schweizer gestartet. Kann er sich gegenüber dem ersten Lauf verbessern?

- Der Franzose Gauthier De Tessieres übernimmt die Führung.

- Miller verpasst ein Tor und scheidet aus.

- Bei der ersten Zwischenzeit ist er 44 Hundertstel vorne.

- Bode Miller ist gestartet. Der Amerikaner hat aus dem ersten Lauf so einiges gut zu machen.

- Der Finne Marcus Sandell nimmt allen bisher gestarteten fast eine Sekunde ab.

- Die Freude beim Kanadier ist nur von kurzer Dauer. Das deutsche Slalom-Ass Felix Neureuther ist schneller.

- Abfahrtsspezialist Robbie Dixon fährt mit einem hauchdünnen Vorsprung an die Spitze des Zwischenklassaments.

- Krystof Kryzl nimmt dem Schweden sechs Zehntel ab.

- Der Schwede Niklas Rainer übernimmt deutlich die Führung.

- Los gehts! Der Kroate Natko Zrncic-Dim eröffnet das Rennen.

- In wenigen Minuten geht es los. 20 Minuten Online berichtet live vom zweiten Lauf des WM-Riesenslaloms. Ob Carlo Janka seine Chance packen kann?

Vor dem zweiten Lauf

Die Schweiz steuert an der Ski-WM in Val d'Isère auf die zweite Goldmedaille zu. Carlo Janka führt das Zwischenklassement im Riesenslalom dank einem Traumlauf im ersten Durchgang an. Seine Verfolger haben eine halbe Sekunde Rückstand und mehr.

Carlo Janka scheint die «Face de Bellevarde» in Val d'Isère besonders zu liegen. In der Abfahrt am letzten Samstag gewann der Bündner die Bronzemedaille und genau vor zwei Monaten feierte er im Riesenslalom seinen ersten Weltcupsieg. Nun will Carlo Janka an diesem Berg seinen dritten Streich folgen lassen.

«Ich bin nicht abergläubisch»

Dass der WM-Riesenslalom am Freitag dem 13. ist, macht Carlo Janka nichts aus. Wortkarg wie der Bündner ist, sagte er im Schweizer Fernsehen: «Ich bin nicht abergläubisch». Vielmehr erstaunten Carlo Janka die grossen Rückstände der Konkurrenten. «Das hätte ich hier nicht erwartet, aber jetzt ist es so und wir nehmen es, wie es ist.» Zum Selbstvertrauen meinte Janka, dass dieses nach dem Sieg vor zwei Monaten gross sei.

Mit Didier Cuche auf dem vierten Zwischenrang hat die Schweiz ein zweites heisses Eisen im Feuer. Cuches Rückstand auf den führenden Teamkollegen Janka beträgt zwar 1,13 Sekunden, auf den Bronzemedaille-Platz des Italieners Massimiliano Blardone hat Cuche aber nur 17 Hundertstelssekunden Rückstand. «Es war heiss, aber es liegt noch alles drin», beschreibt Didier Cuche seine Medaillenchancen vor dem zweiten Durchgang. Den zweiten Platz belegt der Österreicher Benjamin Raich mit 0,48 Sekunden Rückstand.

(si/mon/heg)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.