Ausfälligkeiten: Carlos ist im Bezirksgefängnis

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AusfälligkeitenCarlos ist im Bezirksgefängnis

Rund einen Monat vor Ende der Frist, in der Carlos geschlossen untergebracht werden kann, ist es offenbar zu einem Rückfall gekommen. Er hat die Disziplinarzelle unter Wasser gesetzt.

von
pwe

Der als Carlos bekannt gewordene Jugendliche ist vom Massnahmenzentrum Uitikon (MZU) ins Bezirksgefängnis Zürich verlegt worden. Diese Verlegung geschah offenbar, nachdem Carlos mehrfach gegenüber dem Personal des MZU ausfällig geworden war und den so genannten «Bunker» unter Wasser gesetzt hatte. Dies berichtet die «NZZ».

Beim «Bunker» handelt es sich um eine Disziplinarzelle, in welcher der Insasse 23 Stunden ohne Kontakt zur Aussenwelt verbringen muss. Selbst Dusche und Toilette sind darin eingebaut – eine Tatsache, die der 18-Jährige nutzte. Carlos wurde in den vergangenen Wochen anscheinend wiederholt in den «Bunker» gesteckt.

Besuchsempfang in Unterhose

Carlos' Vater sagte zur «NZZ», der Anwalt seines Sohnes habe verschiedene Eingaben wegen Menschenrechtsverletzungen gemacht. So sei seinem Klienten während eines Besuchs nicht erlaubt worden, auf die Toilette zu gehen. Bei einem Besuch des Vaters habe dieser seinen Sohn hinter Gitterstäben empfangen müssen und Carlos sei nur mit einer Unterhose bekleidet gewesen. Eine derart demütigende Situation habe der erfahrene Verteidiger nicht einmal in einem Hochsicherheitsgefängnis bei Verwahrten erlebt, schreibt er in seiner Eingabe, die dem Vater vorliegt.

Die Unterbringung in einer geschlossenen Anstalt wurde im August angeordnet. Damals sagten die Behörden, dies geschehe zum Schutz des Häftlings. Diese Unterbringung darf allerdings nicht länger als sechs Monate dauern, wie das Obergericht entschied. Diese Frist läuft Ende Februar aus und eine Folgelösung ist nicht in Sicht. Nächste Woche wird erstmals der verantwortliche Jugendanwalt Hansueli Gürber von der Justizkommission ausführlich befragt werden.

Carlos verbrachte bereits in seiner früheren Jungend rund fünf Jahre im Gefängnis – mehrmals wegen Bagatelldelikten. Der gravierendste Fall in dieser Zeit war ein Messerangriff, den er als 15-Jähriger verübt hatte. Die Strafe dafür hat er längst abgesessen.

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