«Der Bestatter»: Carlos Leal will Rache
Aktualisiert

«Der Bestatter»Carlos Leal will Rache

Carlos Leal spricht im Interview mit 20 Minuten über seine komplexe Figur in «Der Bestatter» und die Schauspielkunst.

von
Katinka Templeton

Carlos Leal, im Januar haben Sie noch gesagt, ihre Figur Pedro Lambert in «Der Bestatter» sei ein Charakter, der wieder verschwinden sollte. Jetzt wird die dritte Staffel gedreht und Pedro ist immer noch mit von der Partie. Haben Sie da zu schnell geurteilt?

Um ehrlich zu sein, ich hasse es, wenn ich etwas beschlossen habe und ich mich dann doch anders entscheide. Aber dann gibt es dieses Sprichwort: «Nur dumme Menschen ändern ihre Meinung nicht.» Ich habe nicht damit gerechnet, in «Der Bestatter» noch mal ein Comeback hinzulegen. Aber die Autoren hatten eine Idee, die mir gefallen hat, weil sie aufregend und unkonventionell war. Pedro ist anders als in der zweiten Staffel.

Wie ist Pedro denn jetzt?

Er ist geblendet von seinen Emotionen. Er wird zur Gefahr für sich selbst und alle, die ihn umgeben. In Staffel zwei war Pedro Lambert ein Freigeist ohne Kompromisse und mit einem anderen Rhythmus als die Aargauer. Jetzt ist Pedro hasserfüllt.

Wie bereiten Sie sich für so eine komplexe Rolle wie Pedro vor?

Pedro ist keine schwierige Rolle, weil er und ich viel gemeinsam haben. Die Schwierigkeit sind manche der Situationen, die Pedro auf seinem Weg erwarten. Da braucht es einige Zeit, sich darauf vorzubereiten. Aber das ist ja das Spannende an meinem Job. Es wäre langweilig, wenn mein Charakter keine Aufregung hätte.

Es klingt, als würden Sie Ihren Job als Schauspieler lieben.

Schauspielerei ist verdammt faszinierend! Und die meisten Leute realisieren das gar nicht, weil sie denken, Schauspieler würden sich nur auf dem roten Teppich herumtreiben und von Fotografen verfolgt werden. In der Musik ist es anders: Wenn man einen Gitarristen an seinem Instrument sieht, erkennt man, was er da tut, und alle finden es grossartig und fantastisch. Wenn es aber zum Schauspiel kommt, glauben viele, es sei so einfach, Emotionen vor der Kamera zu spielen. Schauspielerei ist harte Arbeit.

Wie erlebten Sie die Dreharbeiten am Set von «Der Bestatter»?

Es war toll. Wir hatten eine Szene zu Beginn der Dreharbeiten, bei der ich mit jemandem durch eine geschlossene Tür sprechen musste. Pedro hat in dieser Szene grosse Emotionen und ich wusste nicht ganz genau, wie ich diese Szene spielen soll. Ich habe mich mit meiner Frau, die Schauspielcoach ist, besprochen und mit ihr an der Rolle gearbeitet. Ich habe daraufhin den Regisseur gebeten, mir zu vertrauen und mich die Szene nur mit meinem Körper und meiner Stimme spielen zu lassen anstatt frontal das Gesicht zu filmen. Er hat mir vertraut und ich bin ihm dankbar dafür. Die Emotionen kamen von ganz alleine, weil ich es nicht für die Kamera spielen musste, sondern einfach mit meinem Gegenüber durch die Tür hindurch reden konnte. Es ist unüblich, einen Schauspieler in einer solchen Szene nicht zu sehen. Vor allem im Schweizer Fernsehen, wo man immer alle zeigen will. Aber das Leben ist anders. Wenn jemand weint, versucht er, sein Gesicht zu verstecken. Im Kino sieht man die Realität öfter als im Fernsehen. Dabei weckt man so die richtigen Emotionen bei den Zuschauern.

Die dritte Staffel von «Der Bestatter» startet voraussichtlich im Frühjahr 2015.

Deine Meinung