Aktualisiert 20.05.2016 23:52

2500 Franken im MonatCarole ist die Erste mit einem Grundeinkommen

Befürworter der Initiative haben per Crowdfunding ein Grundeinkommen für eine Person finanziert. In einer Verlosung hat es nun eine 30-jährige Zürcherin gewonnen.

von
kwo

Das erste Grundeinkommen der Schweiz ist finanziert und soll während eines Jahres an die 30-jährige Carole aus Zürich ausgezahlt werden. Wie geht das, obwohl noch gar nicht über die entsprechende Volksinitiative abgestimmt wurde? Möglich macht die Auszahlung eine Zürcher Gruppe, die sich «Grundeinkommen für dich» nennt.

Über die Crowdfunding-Plattform Wemakeit hat sie erfolgreich 30'000 Franken gesammelt. Das Geld erhält Carole nun in Teilen à 2500 Franken pro Monat. Ausgewählt wurde sie im Rahmen einer Verlosung über die Website von «Grundeinkommen für dich».

Die Glückliche erklärt im Video, dass sie das Grundeinkommen vielleicht für eine Weiterbildung nutzen möchte. «Zu wissen, ich kann ein Studium machen, während für mein Einkommen gesorgt ist, ist eine Riesenerleichterung», so die Zürcherin.

Sammlung geht weiter

Nach der ersten Auslosung soll die Aktion aber nicht fertig sein. «Grundeinkommen für dich» hat bereits eine weitere Sammelrunde für ein nächstes Grundeinkommen gestartet. Dahinter stehen Meret Vischer, Ralph Moser und Silvan Groher.

Groher freut sich vor allem, dass noch vor dem 5. Juni das erste Grundeinkommen in der Schweiz ausbezahlt werden konnte. Er sagt: «Mit unserem Projekt sollen Menschen über die Abstimmung hinaus nachdenken, wie es mit der Schweiz weitergeht. Es braucht neue Ideen, um eine menschenwürdige Existenz zu garantieren.»

Enstehung der Idee

Wie kam es überhaupt zur Idee, das Grundeinkommen zu verlosen? Groher erklärt seine Beweggründe: «Für uns ist ein Grundeinkommen eine Antwort auf die Digitalisierung und den drohenden Jobverlust in vielen Branchen.»

Die Initiative für ein bedingungsloses Grundeinkommen, über die am 5. Juni abgestimmt wird, verlangt, dass «der ganzen Bevölkerung ein menschenwürdiges Dasein und die Teilnahme am öffentlichen Leben ermöglicht» wird. Den Initianten schwebt daher ein Betrag von etwa 2500 Franken pro Monat und Person vor. Für Kinder würde ein Viertel des Betrages ausbezahlt.

Die Höhe des garantierten Grundeinkommens und dessen Finanzierung sind allerdings nicht im Initiativtext vorgegeben, sondern würden bei einem Ja zur Initiative vom Parlament festgelegt.

200 Milliarden Franken pro Jahr

In ersten Abstimmungs-Umfragen haben sich erstaunlich viele Personen als Befürworter der Initiative geoutet. Kosten würde das Vorhaben nach den Plänen der verschiedenen Gruppierungen rund 200 Milliarden Franken pro Jahr, fast ein Drittel des Bruttoinlandprodukts (BIP) der Schweiz. Hinter dem Begehren steht ein bunt gemischtes Komitee, dem unter anderen der frühere Bundesratssprecher Oswald Sigg angehört.

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