Strafurteilsstatistik: Cash statt Gitter
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StrafurteilsstatistikCash statt Gitter

Schweizer Gerichte sprechen seltener kurze Freiheitsstrafen aus. Dagegen werden immer häufiger Geldstrafen verhängt, wie aus der Strafurteilsstatistik 2007 hervorgeht. Allgemein gab es 2007 weniger Verurteilungen als 2006.

Die Zahl der im Strafregister eingetragenen Verurteilungen ging 2006 bis 2007 von knapp 100 000 auf 83 000 zurück - ein Rückgang von 17 Prozent. Die Gründe dafür seien vielfältig, schreibt das Bundesamt für Statistik.

Etwa habe es weniger Strafverfolgung von Verstössen gegen das Asyl- und Ausländergesetz und - als Folge von Regeländerungen - weniger Eintragungen ins Strafregister gegeben. Das BFS schliesst aber auch einen leichten Rückgang der Kriminalität als Ursache nicht aus.

Fast keine kurzen bedingten Haftstrafen mehr

Im Strafrecht war kürzlich das Sanktionensystem revidiert worden mit dem Ziel, die kurzen bedingten Freiheitsstrafen abzuschaffen und die kurzen unbedingten Strafen zurückzudrängen.

Entsprechend wurden 2007 nur noch selten bedingte Freiheitsstrafen unter 6 Monaten verhängt. Der Rückgang im Vergleich zum Vorjahr beträgt 99 Prozent.

Auch die Anzahl kurzer unbedingter Freiheitsstrafen ging zurück, um 77 Prozent. An deren Stelle trat zumeist eine gemeinnützige Arbeit, die früher nur bei unbedingten Freiheitsstrafen zur Verfügung stand.

Da gemeinnützige Arbeit einen festen Wohnsitz erfordert, wurden bei Schweizern viel häufiger kurze Haftstrafen in gemeinnützige Arbeit umgewandelt als bei Ausländern.

Geldstrafe und Busse

2006 waren von den knapp 100 000 Verurteilungen in 62 000 Fällen als Hauptstrafe eine Freiheitsstrafe ausgesprochen worden, davon fast drei Viertel bedingt. 2007 gab es bei 83 000 Urteilen nur noch knapp 7400 Freiheitsstrafen (neun Prozent), davon ein Drittel bedingt oder teilbedingt.

Dafür wurden 2007 sehr viele Geldstrafen (70 200) verhängt, in neun von zehn Fällen allerdings bedingt. Ihr Anteil an allen Urteilen beträgt mittlerweile 85 Prozent. Die häufigste Strafkombination (zwei Drittel der Fälle) war eine Geldstrafe in Verbindung mit einer Busse.

Wenig Änderungen im Jugendstrafrecht

Im Jugendstrafrecht gab es beim Sanktionenrecht kaum Veränderungen. Die Zahl der Strafurteile für Jugendliche schwankt seit 2004 um 14 000 pro Jahr (2007: 14 404).

Am häufigsten wurden für Jugendliche erneut die Sanktionen persönliche Leistung (44 Prozent der Urteile), Verweis (26%) und Busse (20%) ausgesprochen. Freiheitsentzug machte weniger als 6 Prozent der Urteile aus.

(sda)

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