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152. CL-EinsatzCasillas' Rekord und süsse Rache an Mourinho

Mit dem 2:1 gegen Chelsea stieg Porto-Goalie Iker Casillas zum Champions-League-Rekordspieler auf – und besiegte den Mann, der ihn einst degradiert hatte.

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kai
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Spieler mit den meisten CL-Einsätzen, ohne Quali-Spiele (Stand 29.9.15)Iker Casillas: 152 SpieleVerein(e): Real Madrid, FC Porto

Spieler mit den meisten CL-Einsätzen, ohne Quali-Spiele (Stand 29.9.15)Iker Casillas: 152 SpieleVerein(e): Real Madrid, FC Porto

AFP/Francisco Leong
Xavi Hernández: 151 SpieleVerein(e): FC Barcelona

Xavi Hernández: 151 SpieleVerein(e): FC Barcelona

Keystone/Andreas Gebert
Ryan Giggs: 145 SpieleVerein(e): Manchester United

Ryan Giggs: 145 SpieleVerein(e): Manchester United

Keystone/AP/Efrem Lukatsky

Als der Schlusspfiff ertönte, riss er die Arme in die Höhe und den Mund weit auf, seine Emotionen manifestierten sich in einem langgezogenen Schrei. Um Iker Casillas herum: enttäuschte Chelsea-Spieler, die Sekunden zuvor die allerletzte Chance zum Ausgleich vergeben und ihren Abstecher auf die iberische Halbinsel deshalb mit einem 1:2 beendet hatten. Die spanische Goalie-Legende verweilte nur kurz in der Jubelpose, doch der Augenblick reichte, um die Bedeutung dieses Triumphs zu erfassen.

Casillas stieg mit seinem 152. Einsatz auf höchster Stufe zum alleinigen Rekordhalter der Königsklasse auf. Ein Spiel mehr hat er nun bestritten als Xavi, der sein Geld inzwischen in Katar verdient. Beide waren Identifikationsfiguren, die ihren Clubs von der Jugend bis ins hohe Fussballeralter die Treue hielten. Casillas, heute 34, verbrachte nahezu seine gesamte Karriere bei Real Madrid. Xavi, 35, beim Erzrivalen Barcelona. Der Unterschied: Xavi bestritt sämliche Champions-League-Partien für die Katalanen, Casillas überholte den einstigen Weltmeister-Kollegen nun als Schlussmann von Porto, wo er seit diesem Sommer unter Vertrag steht.

Denkmal zu Fall gebracht

Der Erfolg gegen Chelsea hatte für Casillas aber noch eine weitere besondere, besonders süsse Note. Er vermieste José Mourinho die Rückkehr an dessen frühere Wirkungsstätte. Der Portugiese führte Porto 2004 zum Champions-League-Triumph und geniesst im Estádio do Dragão Heiligenstatus. In Madrid hingegen, wo er 2010 bis 2013 tätig war, liess er die Fans mit zwiespältigen Gefühlen zurück. Das hat viel mit Casillas zu tun.

Mourinho hatte sich erdreistet, am Denkmal zu rütteln. Er liess es gar regelrecht bröckeln. Zwei Tage vor Heiligabend 2012 setzte der Trainer «San Iker» in der Partie gegen Málaga (2:3) auf die Ersatzbank, zog ihm Antonio Adán vor und sagte hinterher: «Meiner Meinung nach ist Adán momentan besser als Casillas.» Wenige Wochen später nutzte er Casillas' Handbruch, um Diego López zurückzuholen – und hielt an diesem fest, nachdem der Captain seine Verletzung überwunden hatte, was aus sportlicher Sicht durchaus seine Berechtigung hatte. Casillas wurde erst von seinen Leiden befreit, als Mourinho Real im Sommer 2013 verliess.

«Ich lebe nicht in der Vergangenheit»

Die Wunden von damals sind verheilt. «Ich bin nicht glücklich, weil ich Mourinho besiegt habe», sagte Casillas am Dienstagabend. «Ich bin glücklich, weil ich mit meiner Mannschaft gewonnen habe.» Er verzichtete komplett auf polemische Worte, sie hätten seinem feinen Charakter ohnehin nicht entsprochen. Stattdessen meldete er: «Wir haben uns die Hand geschüttelt, wie es Gentlemen tun. Es ist so viel Zeit vergangen. Und ich lebe nicht in der Vergangenheit.»

Die Twitter-Gemeinde hingegen widmete sich dem Thema Casillas/Mourinho mit Freude:

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