Im Tessin: Casino-Bluff aufgeflogen - Bande vor Gericht
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Im TessinCasino-Bluff aufgeflogen - Bande vor Gericht

Sie überlisteten sämtliche Kontrollmechanismen im Casino Lugano und erschlichen so eine halbe Million Franken - dann flog ihr falsches Spiel auf. Jetzt stehen vier Casino-Angestellte und zwei Gäste vor Gericht.

von
jbu

Vor dem Strafgericht Lugano hat am Mittwoch der Prozess gegen sechs Casino-Betrüger begonnen. Den Italienern und Kroaten im Alter zwischen 37 und 62 Jahren wird vorgeworfen, der Spielbank in Lugano durch Falschspiel eine halbe Million Franken entwendet zu haben.

Die Vorwürfe gehen auf die Jahre 2008 und 2009 zurück. Die Angeklagten sollen gemeinsam ein Betrugssystem auf die Beine gestellt haben, das es ihnen ermöglichte, innerhalb kürzester Zeit risikolos grosse Gewinnsummen einzukassieren. Gemäss Anklageschrift spielten sie Black Jack mit gezinkten Karten.

Zwei der Beschuldigten traten damals als Gäste im Casino Lugano auf. Die übrigen arbeiteten in den Sälen, waren als Supervisor und als Sicherheitspersonal tätig. Der Betrug am Black Jack-Tisch gelang mit präparierten Spielkarten, die einer der Männer vorab ins Casino geschmuggelt hatte.

Kartenrückseite verändert

Den Spielern der Betrügerbande wurde von eingeweihten Casino-Mitarbeitern bei jedem Besuch signalisiert, an welchem Tisch die gezinkten Karten im Einsatz sind. Die Beteiligten konnten anhand veränderter Symbole auf den Rückseiten erkennen, ob sie sich im Besitz eines guten Blatts befanden.

Eine zweite Betrugsvariante funktionierte über eine heimliche Kooperation zwischen Spieler und Aufsichtspersonal am Roulette-Tisch. Der Spieler sprach Zahlen gegenüber dem nichts ahnenden Croupier bewusst undeutlich aus. Die Aufsichtsperson im Hintergrund behaupte anschliessend, der Spieler habe jeweils die Gewinnerzahl genannt.

Ein Angeklagter fehlt

Die Leitung der Spielbank wurde jedoch angesichts der häufigen Glückssträhnen misstrauisch. Der Betrug flog auf. Die Mitglieder der Bande konnten identifiziert und festgenommen werden. Sie sassen bis zu einem Monat in U-Haft. Ihnen wird mehrfacher Betrug vorgeworfen.

Einer der Angeklagten, ein Italiener, fehlte zu Prozessauftakt. Ihm soll in Abwesenheit der Prozess gemacht werden. Das Casino Lugano tritt als Privatkläger im Prozess auf. Der Termin der Urteilsverkündung steht noch nicht fest. (jbu/sda)

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