Tiefere Medienabgabe: Castingshows und amerikanische Filme sollen aus SRF-Programm verschwinden

Aktualisiert

Tiefere MedienabgabeCastingshows und amerikanische Filme sollen aus SRF-Programm verschwinden

Seit Dienstag werden Unterschriften gesammelt für eine tiefere Medienabgabe. Politiker und die SRG sagen, was sich damit verändern würde.

von
Claudia Blumer
1 / 7
Eine Gruppe bürgerlicher Politiker und Politikerinnen versammelte sich am Dienstagmittag auf dem Waisenhausplatz in Bern. Die Unterschriftensammlung zur SRG-Initiative «200 Franken sind genug» wurde lanciert.

Eine Gruppe bürgerlicher Politiker und Politikerinnen versammelte sich am Dienstagmittag auf dem Waisenhausplatz in Bern. Die Unterschriftensammlung zur SRG-Initiative «200 Franken sind genug» wurde lanciert.

20min/Matthias Spicher
Die Initiative hätte zur Folge, dass die SRG jährlich rund 700 Millionen Franken weniger einnimmt (heute sind es 1,2 Milliarden Franken aus der Medienabgabe). Das hätte wahrscheinlich zur Folge, dass die SRG nur noch an einem Standort produzieren könnte, sagt Sprecherin Lauranne Peman.

Die Initiative hätte zur Folge, dass die SRG jährlich rund 700 Millionen Franken weniger einnimmt (heute sind es 1,2 Milliarden Franken aus der Medienabgabe). Das hätte wahrscheinlich zur Folge, dass die SRG nur noch an einem Standort produzieren könnte, sagt Sprecherin Lauranne Peman.

SRG
SP-Natonalrat Matthias Aebischer sagt: «Radio- und TV-Programme in der französisch-, italienisch- und rätoromanischen Schweiz wären nicht mehr finanzierbar.»

SP-Natonalrat Matthias Aebischer sagt: «Radio- und TV-Programme in der französisch-, italienisch- und rätoromanischen Schweiz wären nicht mehr finanzierbar.»

20min/Simon Glauser

Darum gehts

  • Die Initianten und Initiantinnen des Volksbegehrens «200 Franken sind genug» haben am Dienstag in Bern die Unterschriftensammlung lanciert.

  • Die Initiative will die Medienabgabe für Radio und Fernsehen bei 200 Franken festsetzen. Heute beträgt die Abgabe 335 Franken. Zudem sollen Firmen von der Abgabe befreit werden.

  • Der SRG drohten bei Annahme der Initiative Mindereinnahmen von rund 700 Millionen Franken pro Jahr. Wahrscheinlich gäbe es nur noch einen Produktionsstandort, sagt SRG-Sprecherin Lauranne Peman.

  • Laut Mit-Initiant Gregor Rutz (SVP) müssten typische SRG-Formate wie «Mini Schwiz, Dini Schwiz» bleiben. Hingegen solle die SRG auf Castingshows, amerikanische Filme und People-Formate verzichten.

Am Dienstagmittag lancierte eine Gruppe von SRG-Kritikerinnen und -Kritikern die Unterschriftensammlung für die Initiative «200 Franken sind genug». Das Initiativ-Komitee wird angeführt von SVP-Präsident Marco Chiesa, den SVP-Nationalräten Gregor Rutz und Thomas Matter, Gewerbeverbandsdirektor Hans-Ulrich Bigler und dem Jungfreisinnigen-Präsident Matthias Müller.

Die Initiative verlangt, dass die heutige Medienabgabe von 335 Franken pro Haushalt auf 200 Franken reduziert wird. Unternehmen sollen von der Abgabe befreit werden, sie zahlen heute proportional nach Umsatz. Die Senkung hätte für die SRG, die heute jährlich 1,2 Milliarden Franken aus der Medienabgabe einnimmt, einschneidende Folgen. 

«Mehr als die Hälfte müsste gestrichen werden»

Wenn die Medienabgabe auf 200 Franken reduziert wird, sinken die Gebühreneinnahmen der SRG um rund 700 Millionen Franken, damit wären Radio- und TV-Programme in der französisch-, italienisch- und rätoromanischen Schweiz nicht mehr finanzierbar, sagt SP-Nationalrat Matthias Aebischer. «Denn die Werbeeinnahmen decken dort nur einen minimen Teil der Kosten.» Die Initianten und Initiantinnen würden also primär die Minderheiten angreifen. Dieses Vorgehen sei «absolut unschweizerisch».

Gemäss CVP-Nationalrat Martin Candinas müsste die SRG massiv fokussieren, «und Fokus ist das Gegenteil von Breite». Die Breite zeige sich etwa am sprachregionalen Angebot und an der Themenvielfalt in den Bereichen Kunst, Kultur, Religion, Philosophie und Sport. «Ich denke an Frauenfussball, Rudern, Reitsport, Unihockey, Beachvolleyball oder andere Randsportarten, mit denen man kein Massenpublikum erreicht. Dennoch hat es bei der SRG seinen Platz, das ist auch der Sinn und Zweck der SRG.» Ein solches Angebot gäbe es nicht mehr, wenn die Initiative durchkommt, sagt der Bündner. «Die Initiative wäre ein Kahlschlag, mehr als die Hälfte des Angebots müsste gestrichen werden.»

«Die SRG wird kämpfen»

«Ganz sicher müssten Angebote gestrichen werden», sagt SRG-Sprecherin Lauranne Peman. Welche, könne sie nicht sagen. «Mit einem so stark reduzierten Budget wäre die SRG in ihrer heutigen, dezentralen Struktur nicht mehr finanzierbar. Die Folge wäre eine weitgehende Zentralisierung mit wahrscheinlich nur noch einem Produktionsstandort», sagt Peman. Dies zulasten der Randregionen. Und es gäbe eine mit Sicherheit eine Entlassungswelle, heute beschäftigt die SRG rund 6900 Mitarbeitende. Gegen die Hälfte davon, also Tausende, würden den Job verlieren. «Grosse Auswirkungen auf den Personalbestand wären unausweichlich», sagt Peman.

«Die SRG wird diesen Angriff auf den medialen Service publik bekämpfen und ist bereit, ihren Beitrag für die Gesellschaft erneut unter Beweis zu stellen.»

«Casting-Shows und Ami-Filme streichen»

Doch wo sollte nach Ansicht der Initianten und Initiantinnen gespart werden? Geht es nach SVP-Nationalrat Gregor Rutz, fallen künftig Casting-Shows, Ami-Spielfilme und Formate wie «Glanz & Gloria» weg. Das könne die SRG den Privaten überlassen. Hingegen gehörten Sendungen wie «Mini Schwiz, dini Schwiz», «Tierdoku» und «52 beste Bücher» zum Kernauftrag der SRG.

Komitee-Mitglied Leroy Bächtold von den Jungfreisinnigen will, dass zuerst einmal der Auftrag der SRG diskutiert und neu definiert wird. Das Parlament habe dies bisher trotz aller Versprechen des Bundesrats nie gemacht. «Reduzieren müsste man das Angebot dort, wo auch die Privaten stark sind. Es werden beispielsweise Radiosender wie Radio Swiss Pop betrieben, welche eine direkte Konkurrenz zu den privaten Angeboten sind.»

 

Deine Meinung

277 Kommentare