Aktualisiert 01.08.2006 14:13

Castro blutet innerlich - Exil-Kubaner feiern

Zum ersten Mal seit 47 Jahren gibt der kubanische Staatschef Fidel Castro vorübergehend die Amtsgeschäfte an seinen Bruder Raul ab. Der 79-jährige musste sich am Montag in Havanna einer komplizierten Darm-Operation unterziehen.

Er habe sich wegen einer Darmblutung einem chirurgischen Eingriff unterziehen müssen, hiess es in einer Erklärung des 79- Jährigen, die am Montag (Ortszeit) von seinem Privatsekretär Carlos Manuel Valenciaga im kubanischen Radio und Fernsehen verlesen wurde.

Voraussichtlich werde er sich mehrere Wochen davon erholen müssen. In dieser Zeit werde sein 75-jähriger Bruder Raul die Amtsgeschäfte übernehmen. Es ist das erst Mal seit der Revolution von 1959, dass Castro die Regierungsgeschäfte abgegeben hat.

«Zu viel Stress»

Die Darmerkrankung sei Folge von Überarbeitung und Stress in den vergangenen Wochen, liess Castro mitteilen. Als Gründe für den Stress führte er an, er arbeite Tag und Nacht und schlafe kaum.

Zudem seien das Gipfeltreffen der südamerikanischen Wirtschaftsgemeinschaft Mercosur vom 22. bis 24. Juli in Argentinien sowie eine dreitägige Reise durch den Osten Kubas sehr anstrengend gewesen.

Nach einem Sturz Castros im Oktober 2004 war bereits über den Gesundheitszustand des kommunistischen Staatschefs spekuliert worden. Damals hatte er sich am rechten Arm und am linken Knie verletzt.

Castro, der am 13. August 80 Jahre alt wird, ist seit 1959 in dem Karibikstaat an der Macht. Er stürzte in einem Guerillakrieg den Diktator Fulgencio Batista und führte das Land anschliessend zunächst als Ministerpräsident. Seit 1976 ist er Staatsoberhaupt.

Der 75-jährige General Raúl Castro war bislang erster Vizepräsident der Regierung, zweiter Sekretär der Kommunistischen Partei (PCC) und zudem Oberkommandant der Streitkräfte. Er ist gemäss der kubanischen Verfassung im Notfall auch der rechtmässige Nachfolger von Fidel Castro.

Unter Kritik

Die kubanische Führung steht vor allem wegen ihrer Menschenrechtspolitik in der Kritik; dutzende Regierungsgegner sind in Haft.

Mehrere hundert Exil-Kubaner feierten in den USA die Nachricht von der Erkrankung Castros. «Lang lebe ein freies Kuba», skandierten die Menschen am Montagabend (Ortszeit) in Miami im US- Bundesstaat Florida und schwenkten kubanische Flaggen. In Miami leben 650 000 Exil-Kubaner. (dapd)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.