Berlusconi 2.0: Cavaliere, verurteilt, sucht ...
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Nach der Verurteilung von Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi steckt die italienische Regierung in der Krise. Der 76-Jährige baut allerdings schon eine Nachfolgerin auf: seine Tochter.

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Nachdem das definitive Urteil gegen Silvio Berlusconi eine politische Krise ausgelöst und Berlusconis Parteifreunde mit einem möglichen Rückzug aus der Regierung des Ministerpräsidenten Enrico Letta gedroht haben, stellte der Medienzar klar: seine Partei Volk der Freiheit (PdL) will die Koalition weiter stützen. Niemand könne sagen, «dass wir verantwortungslos sind, weil wir laut und deutlich gesagt haben, dass die Regierung weiter ihre wirtschaftlichen Massnahmen vorantreiben soll, wie wir es gefordert haben», meinte Berlusconi. Er bezeichnete die vergangenen Tage als die schmerzlichsten seines Lebens und fügte hinzu: «Ich bin hier. Ich bleibe hier. Ich werde nicht aufgeben.»

Sein Kompromiss mit der italienischen Politik hat allerdings einen Preis: Der 76-Jährige erwartet eine Begnadigung von Präsident Giorgio Napolitano. Parteifreund Renato Brunetta bestätigte, man habe zu diesem Zweck bereits um ein Treffen mit Napolitano gebeten. Ein anderer PdL-Vertreter, Sandro Bondi, warnte vor einem «Bürgerkrieg», falls Berlusconi seine Strafe nicht erlassen werde.

Auf Berlusconi folgt Berlusconi

Der Cavaliere hat jedoch einen Plan B bereit, sollten seine Drohungen nicht erhört werden: Er baut schon seine Tochter Marina als mögliche Nachfolgerin auf. Wie die italienische Zeitung «Corriere della Sera» schreibt, habe Silvio Berlusconi angekündigt, dass seine älteste Tochter als PdL-Kandidatin wohl antreten werde, sollte es im Oktober zu Neuwahlen kommen.

Auch sonst soll Marina, Tochter aus Berlusconis erster Ehe, künftig in der Politik mitmischen. Beweis dafür ist, dass der Cavaliere seine Lieblingstochter seit seiner Verurteilung an Parteitreffen mitnimmt – was er vorher nie tat. Italienische Medien spekulieren, dass die bald 47-Jährige Italiens jüngste Parteichefin werden könnte. Ausserdem wäre sie die erste Frau an der Spitze einer politischen Fraktion (mit Ausnahme von Emma Bonino der Radikalen Partei, die nur für kurze Zeit Parteichefin war.)

Das Imperium Berlusconi ist für Marina allerdings nicht neu: Seit ihrem 30. Lebensjahr sitzt sie an der Spitze von Papas Konzerne. Das US-Wirtschaftsmagazin Forbes hat die zweifache Mutter darum zur «einflussreichsten Italienerin» gekürt. Auch sonst steht die Figlia stets hinter ihrem Vater. Wie «Spiegel Online» berichtet, werde sie wütend, wenn Papa in den Medien kritisiert wird. Auf sozialen Plattformen präsentiert sich Marina Berlusconi sogar als «Freundin» von Papas neuer Verlobten Francesca Pascale – obwohl diese 20 Jahre jünger als sie selbst ist.

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