Blerim Dzemaili: «Cavanis Entschlossenheit ist imponierend»
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Blerim Dzemaili«Cavanis Entschlossenheit ist imponierend»

Der Schweizer Internationale Blerim Dzemaili erklärt, wie PSG-Tormaschine Edinson Cavani tickt und wie man ihn stoppen kann.

von
Eva Tedesco
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Edinson Cavani spielte von 2010 bis 2013 bei der SSC Napoli in der Serie A. Aus dieser Zeit kennt er ...

Edinson Cavani spielte von 2010 bis 2013 bei der SSC Napoli in der Serie A. Aus dieser Zeit kennt er ...

epa/Yoan Valat
... Blerim Dzemaili.  Der Schweizer Internationale spielte von 2011 bis 2014 in Neapel.

... Blerim Dzemaili. Der Schweizer Internationale spielte von 2011 bis 2014 in Neapel.

epa/Janerik Henriksson
Aber nicht nur Dzemaili. Auch der ehemalige Nati-Captain Gökhan Inler und Valon Behrami gehörten zu den Mannschaftskollegen von Cavani bei Napoli.

Aber nicht nur Dzemaili. Auch der ehemalige Nati-Captain Gökhan Inler und Valon Behrami gehörten zu den Mannschaftskollegen von Cavani bei Napoli.

AP/Salvatore Laporta

Blerim Dzemaili spielte von 2011 bis 2014 bei der SSC Napoli in der Serie A. Zwei Jahre lang waren der Schweizer Internationale und Edinson Cavani Mannschaftskollegen in der kampanischen Hauptstadt. Dzemaili erklärt 20 Minuten und seinen Lesern, wie der urugayische Stürmer tickt und wie der FC Basel dem Goalgetter von Paris St-Germain am Mittwoch beikommen kann.

Blerim Dzemaili, welche Eigenschaft fällt Ihnen im Zusammenhang mit dem Namen Edinson Cavani spontan ein?

Seine extreme Überzeugung! Er wollte immer gewinnen, sogar im Training, und immer Tore schiessen. Ich erinnere mich, dass er immer mehr aus sich rausholen wollte, Tag für Tag – und nie nachliess. Seine Entschlossenheit ist imponierend.

Macht das aus ihm den besonderen Stürmer?

Genau. Seine grösste Stärke ist die mentale Kraft, seine Überzeugung. Dass er immer das Tor sucht, dass er nie locker lässt, dazu die Kaltblütigkeit beim Abschluss. Er ist kein sensationeller Techniker – ausser vor dem Tor. Aber er ist unglaublich selbstbewusst, überzeugt von sich, dass er die fehlende Technik locker mental kompensiert.

Wie war der tägliche Umgang mit einem Superstar?

Er ist ein ganz normaler Typ, einfach im Umgang und ganz ohne Allüren. In der Kommunikation mit der Presse, aber auch in der Kabine ist er eher zurückhaltend. Auf dem Platz hingegen ist er ein Leader, der vorangeht, der die Mannschaft antreibt und der sich nicht zu gut ist, auch in der Defensive auszuhelfen und mitzuarbeiten, wenn es das braucht.

In der bisherigen Saison scheint Cavani so richtig aufzublühen. Er trifft und trifft, seit Zlatan Ibrahimovic weg ist. Hat Cavani unter der Dominanz des schwedischen Superstars gelitten?

Ich hatte keinen persönlichen Kontakt mehr mit ihm, seit er 2013 nach Frankreich gegangen ist. Aber natürlich habe ich seinen Weg verfolgt und mitbekommen, dass er wegen Ibrahimovic seine zentrale Position aufgeben und nach aussen ausweichen musste. Ich glaube nicht, dass er deswegen gelitten hat – auch wenn das nicht seine Position ist. Am wohlsten fühlt sich Cavani zuvorderst im Zentrum. Dass Ibrahimovic zu Manchester wechselte, ist für ihn sicher positiv.

In der letzten Saison hat Cavani in 52 Partien 25 Tore erzielt. Wird er nun auf seiner Lieblingsposition wieder häufiger treffen? Schliesslich sind es nach zehn Partien schon zwölf Tore.

Er wird immer seine Tore machen, denn er hat einen guten Schuss und ist kopfballstark. Er ist eigentlich in allem gut, in Kombination mit seiner Entschlossenheit sogar überragend. Der Druck auf ihn ist nach dem Abgang von Ibrahimovic aber auch grösser geworden. Das darf man nicht vergessen, denn die Mannschaft ist jetzt mehr auf seine Tore angewiesen.

Und wie ist Cavani privat?

Ein ganz normaler, sehr gläubiger Familienmensch.

Zu seinem strengen Glauben soll er über seine Frau Maria Soledad Cabris gekommen sein, liest man.

Ex-Frau … Aber zu seinem Privatleben kann ich nichts sagen.

Dafür können Sie verraten, wie Basel Cavani stoppen kann.

Der FC Basel hat mittlerweile in Europa die Reputation und genug Erfahrung, dass er jeden Gegner stoppen kann. Aber es braucht über die gesamte Spieldauer eine sehr konzentrierte Leistung, Engagement und Antizipation. Je grösser der Gegner, desto mehr muss man laufen. Der FCB muss die grössere individuelle Klasse beim Gegner damit wettmachen, dass er den Sieg noch mehr will als PSG.

Aus dem Schatten getreten

Als Torschützenkönig der Serie A kam Edinson Cavani im Sommer 2013 für 60 Millionen Euro von Neapel nach ­Paris. Auch in Frankreich ist der Stürmer aus Uruguay eine Tormaschine ­geblieben: 16, 18 und 19 Treffer erzielte er in den vergangenen drei Jahren in der Ligue 1. Dennoch stand er bei ­Paris St-Germain immer im Schatten von Zlatan Ibrahimovic. Nun spielt der schwedische Superstar in Manchester – und Cavani darf in Paris endlich im Sturmzentrum ran.

Allerdings hat der 29-Jährige die Lücke von Ibrahimovic nicht sofort füllen können. Der Saisonstart missriet ihm gründlich. Bereits wurden bei PSG Stimmen nach Ersatz laut. Doch der neue Coach Unai Emery hielt zu seinem Spieler. Und dieser dankte das Vertrauen. Vor einem Monat platzte der Knoten, vier Tore steuerte Cavani vor der Pause beim 6:0 gegen Caen bei. Seither hat er sich in Paris definitiv aus dem langen Schatten Ibrahimovics befreit. Cavani steht nach zehn Saisonspielen (8 in der Liga, 2 in der Champions League) bereits bei zwölf Toren (9/3). (pbt)

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