Sion vor dem Cupfinal: CC und Tholot sprechen Klartext
Aktualisiert

Sion vor dem CupfinalCC und Tholot sprechen Klartext

Im Wallis steigt das Cupfinal-Fieber ins Unermessliche. Praktisch jeder spricht nur noch vom Endspiel gegen YB in Bern. Der FC Sion hat sich diesem Tohuwabohu entzogen und bereitet sich am Thunersee auf den Cupfight vor.

von
Herbie Egli

Im Wallis könnte man meinen, es sei eine Epidemie ausgebrochen: die Cupfinal-Epidemie. In den Restaurants und Bars, bei der Arbeit, in der Schule, im Fitnessstudio – überall sprechen die Leute nur noch vom Cupfinal des FC Sitten. Für die Spieler war es in den letzten Tagen kaum möglich, in die Stadt zu gehen oder sich sonst in der Öffentlichkeit zu zeigen. Selbst der erfahrene Captain Olivier Monterrubio gibt zu: «Es ist schon überraschend. Wir spielen um den Klassenerhalt, aber alle Leute sprechen mich auf der Strasse an und reden vom Finale. Das scheint für viele hier im Wallis eine andere Welt zu sein.»

Constantins Ärger über Schiri

Der Sion-Boss Christian Constantin hat jedoch seine eigene Art, mit der aussergewöhnlichen Situation des Cupfinals umzugehen. Die Schiedsrichter-Ansetzung von «Sion-Feind» (Zitat CC) Claudio Circhetta brachte das Fass beinahe zum Überlaufen: «Seit dem Skandalspiel, dass er am 9. Dezember 2006 in Zürich geleitet hat (5 Gelbe und 1 Gelb-Rote Karte gegen Sion, Red.), werden wir von diesem Mann konsequent benachteiligt.» Und wer CC kennt, der weiss: Er wird auch morgen wieder die Faust ballen, wenn der Schiedsrichter etwas gegen Sion pfeift.

Didier Tholots klare Linie

Neben Constantin hat bei Sion eigentlich niemand etwas zu sagen. Der neue, alte Trainer Didier Tholot hat aber offenbar mehr Macht als ehemalige Trainer und er kehrt im Wallis mit eisernem Besen. Sein Führungsstil bekamen einige Spieler bereits zu spüren. Saborio und Dominguez stehen vorderhand nicht mehr im 18-er Kader. «Wer glaubt, er könne sich wegen seines grossen Namens mehr erlauben als andere, hat sich getäuscht,» sagt der Franzose zu 20 Minuten Online und bezieht sich in erster Linie auf Alvaro Saborio, der zu spät zum Training kam und hart bestraft wurde.

«Ich kann verstehen, dass die Spieler darüber erstaunt waren, vor allem die Betroffenen», so Tholot weiter. «Doch dann erwarte ich eine Reaktion auf dem Rasen. Wer sich nicht für das Team einsetzen will, eliminiert sich selbst.» Neben Saborio ist auch der kolumbianische Spielmacher Alvaro Dominguez betroffen. Im letzten Meisterschaftsspiel gegen Neuchâtel Xamax standen beide schon nicht mehr im Kader und sind auch nicht zur Spielvorbereitung nach Oberhofen BE gereist.

Überraschungen in der Aufstellung angekündigt

Am Ende des Gesprächs mit dem Sion-Trainer liess der Franzose aber nochmal eine bemerkenswerte Aussage im Raum stehen: «Wir nehmen eine Gruppe von 18 Feldspielern und drei Torhütern mit – und vielleicht gibt es am Mittwoch einige Überraschungen». Auf Nachfrage erklärt Tholot: «Für mich zählen Disziplin und das Kollektiv. Ich will spüren, dass sich die Spieler in den Dienst der Mannschaft stellen. Ich bin aber guten Mutes, dass wir am Mittwoch einen würdigen FC Sion sehen werden.»

Unvergessliche Erinnerungen der Spieler

Im Sommer 2006 war Goran Obradovic der Matchwinner des Cupfinals. Was dem Sion-Regisseur davon in Erinnerung blieb, waren jedoch nicht das Tor, das Penaltyschiessen oder die unglaubliche Atmosphäre. «Als wir nach Sion zurück kamen und 30 000 Leute auf dem Place de la Planta feierten, nahm ich meinen Sohn auf den Arm und drückte ihn ganz fest an mich. In diesem Moment war ich überwältigt von der Liebe dieses Kantons zum Cup. Ich wollte diesen Moment am liebsten mit der ganzen Welt und meiner Familie teilen. Was man hier empfindet ist unbeschreiblich – und unvergleichbar mit allem, was es sonst im Fussball gibt. Ein Cupsieg mit dem FC Sion verändert dein Leben. Das, was in Bern und vor allem im Wallis passiert, das wirst Du nie mehr vergessen können.»

Der FC Sion und der Schweizer Cup verbindet wirklich eine unglaubliche Geschichte. Bei sämtlichen zehn Finalteilnahmen gewannen die Walliser den Wettbewerb auch (1965, 1974, 1980, 1982, 1986, 1991, 1995, 1996, 1997 und 2006). Beim letzten Erfolg 2006 (5:4-Sieg im Penaltyschiessen gegen YB) gelang es Sion sogar, als erster unterklassiger Verein den Cup zu gewinnen.

Deine Meinung