Aktualisiert 29.04.2008 13:08

Cervelat-Krise: Noch keine Entwarnung

Rinderdärme könnten die Schweizer Nationalwurst retten. Doch noch ist die nationale Wurstkrise nicht überstanden und noch kann der Experte keine Entwarnung in Sachen Darm-Alarm geben.

von
Marius Egger

«Paraguay wäre ein wichtiger Beitrag zur Lösung des Problems», sagt Rolf Büttiker, Präsident des Schweizerischen Fleisch-Fachverbands (SFF), Ständerat und Mitglied der umtriebigen «Cervelat-Retter». Diese haben sich nach dem Importverbot der brasilianischen Zebu-Rinderdärme zu einer Task-Force zusammengeschlossen, um Alternativen für die Cervelat-Haut zu finden.

Paraguay wäre also eine Alternative. «Die Qualität ist absolut vergleichbar mit jener der brasilianischen Zebu-Rinder», sagt Büttiker. Trotzdem stehen er und die Cervelat-Task-Force noch vor einige Hürden.

Das internationale Tierseuchenamt (OIE) in Paris hat die Importerlaubnis der Därme aus Paraguay noch nicht erteilt. Das entsprechende Gesuch sei von Paraguay aber bereits eingereicht worden. Mit einem Entscheid rechnen die Cervelat-Retter in der zweiten Jahreshälfte. Entschieden ist hingegen, dass auch Uruguay als Darmlieferant in die Bresche springen könnte.

Doch selbst wenn die Ampel in Paris auf Grün gestellt wird, werden sich die Sorgenfalten auf Büttikers Stirn noch nicht glätten. Denn mit den Därmen aus Paraguay und Uruguay könnten «nur rund 40 Prozent des Gesamtbedarfs» abgedeckt werden, so Büttiker. In absehbarer Zeit müsste also auf Alternativen zurückgegriffen werden, die die Qualität der Nationalwurst tangieren würde. Wann das sein wird, kann Büttiker nicht sagen. Klar ist für ihn: Bis 2009 muss eine Lösung gefunden werden. «Sonst kommt es zu einem Versorgungsengpass».

An einer Lösung arbeitet auch Ulrich Kihm, der frühere Direktor des Bundesamts für Veterinärwesen (BVET). Er will wissenschaftlich belegen, dass der Darm des brasilianischen Zebu-Rindes nicht BSE-gefährdet ist, wenn ein gewisser Abschnitt entfernt wird. Importe des Original-Cervelat-Darms sind aber frühestens ab 2009/2010 wieder möglich, glaubt Kihm.

Der Darm-Alarm fordert aber bereits jetzt seinen Tribut. «Es ist mittlerweile ein grosser Wettkampf um die Därme ausgebrochen», sagt Büttiker. Denn nicht nur die Schweiz reisst sich um die Cervelat-Haut. Auch andere Länder benötigen die Därme für Wurstwaren. Büttiker: «Der Preisdruck ist bereits jetzt gross». Die Folge: Die Därme sind teurer geworden und der Preisdruck wird sich weiter intensivieren. «Noch ist dies für den Kunden nicht spürbar. Ausschliessen kann man zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nichts». Die Cervelat-Krise geht weiter.

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