Aktualisiert 10.06.2009 17:01

Luxus-AlpinistenChampagner-Helikopter bleibt am Boden

Sie wollten ihre Gäste zum Gourmetschmaus für 7000 Franken auf den Petersgrat fliegen. Doch die Luxushotelkette Swissôtel erntete nichts als Kritik von Umweltschützern. Die Verantwortlichen verstehen die Schelte nicht und ziehen trotzdem die Notbremse.

von
Katharina Bracher

Zu den Vorwürfen der Umweltschützer nahm die Pressesprecherin von Swissôtel, Beatrice Davis, gegenüber 20 Minuten Online Stellung. Noch vor Veröffentlichung des Interviews gab Swissôtel bekannt, dass sie das Angebot per sofort vom Markt nimmt.

20 Minuten Online: Frau Davis, Swissôtel Zürich will seine Gäste für 7000 Franken zum Champagner schlürfen auf den Petersgrat fliegen. Die Umweltschützer sind empört. Können Sie das verstehen?

Beatrice Davis: Natürlich verstehen wir das Anliegen des Journalisten, der über unser Angebot geschrieben hat. Obwohl Swissôtel der Meinung ist, dass dieser Art von Berichterstattung keine seriöse Recherche zu Grunde liegen kann. In der Leseart des Journalisten heisst das: Da bietet eine Luxushotel-Kette Champagner Picknick in der Bergwelt an, ohne sich um den Schutz der Bergwelt zu scheren. Aber dieses Angebot stammt von einem Helikopterunternehmen, mit dem wir zusammen arbeiten. Und die wiederum arbeiten mit dem Segen des Bundesamtes für Zivilluftfahrt, das die Anzahl der Landeplätze in der Region rund um den Petersgrat erlaubt hat.

Trotzdem: Ihr Champagner Picknick in den Bergen zeugt nicht gerade von einem ökologischen Bewusstsein.

Da muss ich ihnen widersprechen. Swissôtel legt grossen Wert auf Nachhaltigkeit, gerade auch im Umweltschutz. Dafür wurden wir letzten Monat sogar ISO-zertifiziert. Swissôtel entspricht der ISO Norm im Bereich Umweltmanagement.

Aber steht dieses Zertifikat nicht im krassen Gegensatz zum Angebot, Gäste per Helikopter in ein Naturschutzgebiet zu fliegen?

Ich bin auch grün. Ich habe auch ein Kind. Ich kann verstehen, wenn man die Bergwelt vor übermässigen Belastungen durch den Tourismus schützen will. Aber andererseits promoten wir auch die Schweizer Bergwelt mit diesem Angebot. Es gilt abzuwägen zwischen Naturschutz und Tourismus. Eine Frage, über welche nicht wir entscheiden: Wo will man im Schweizer Tourismus die Grenze zum Schutze der Bergwelt ziehen? Immerhin sind wir nicht die einzigen, die für Tourismus auf dem Petersgrat sorgen. Die Gegend ist ein Magnet für Touristen.

Sie delegieren die ökologische Verantwortung einfach an den Staat? Nennen Sie das nachhaltig?

Natürlich ist Umweltschutz weiterhin ein wichtiges Thema bei Swissôtel. Der Bund hat jedoch ermöglicht, dass sich eine Helikopter-Firma ein solches Angebot ausdenkt. Das zuständige Bundesamt wird sich etwas dabei überlegt haben, acht Landeplätze in der Region zu genehmigen. Ausserdem entspricht es nicht unserer Absicht, für hunderte von zusätzlichen Flügen in die Region zu sorgen und damit die Bergwelt zu belasten. Sollte das Angebot wider Erwarten grossen Zuspruch finden, werden wir es einstellen. Doch davon gehen wir nicht aus, denn dieser Service ist schon alleine seines Preises wegen auf ein sehr kleines Gästesegment zugeschnitten.

Verstehen Sie die Bedenken bei den Verantwortlichen dieser Weltnaturerbe-Region? Stiftungsrat Benedikt Weibel hat immerhin angekündigt, gegen ihr Angebot vorzugehen.

Es kann gut sein, dass unsere Marketingabteilung die Idee nicht bis ins letzte Detail durchdacht hat, vor allem aus Sicht der Umwelt. Für uns ist schon jetzt klar, dass dieses sehr spezielle Angebot – es kostet immerhin 7000 Franken – maximal drei bis viermal im Jahr gebucht werden dürfte. Da finde ich es einfach übertrieben, Swissôtel vorzuwerfen, sie schade der Bergwelt mit diesem Angebot. Wenn die Zahl von jährlich 65 000 Flugbewegungen im Schweizer Gebirge stimmt, fällt unser Angebot überhaupt nicht ins Gewicht.

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