07.10.2018 21:57

20 Millionen Fr. pro SaisonChampions-League-Aus reisst SRF ins Quotentief

Das Schweizer Fernsehen darf nur noch ein Champions-League-Spiel pro Woche zeigen. Die Rechte für alle Spiele hätten 60 Millionen Franken gekostet.

von
S. Ehrbar/V. Blank
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Offenbar etwa 60 Millionen Franken hätte die SRG für drei Jahre Champions League zahlen müssen. Das war ihr zuviel. Deshalb zeigt sie nicht mehr alle Spiele.

Offenbar etwa 60 Millionen Franken hätte die SRG für drei Jahre Champions League zahlen müssen. Das war ihr zuviel. Deshalb zeigt sie nicht mehr alle Spiele.

Screenshot SRF
Das schlägt sich nun in den Quoten nieder. Im Vergleich zu den Champions-League-Abenden schalten an Dienstagen, an denen das SRF keine Champions League mehr live zeigt, nur noch ein Drittel der Zuschauer ein.

Das schlägt sich nun in den Quoten nieder. Im Vergleich zu den Champions-League-Abenden schalten an Dienstagen, an denen das SRF keine Champions League mehr live zeigt, nur noch ein Drittel der Zuschauer ein.

Keystone/Alessandro Della Bella
Die Rechte für die Champions League hat der Pay-TV-Sender Teleclub erworben. Auch das Spiel der Young Boys gegen Juventus konnte in der Schweiz nur über Teleclub live mitverfolgt werden.

Die Rechte für die Champions League hat der Pay-TV-Sender Teleclub erworben. Auch das Spiel der Young Boys gegen Juventus konnte in der Schweiz nur über Teleclub live mitverfolgt werden.

Keystone/Thomas Hodel

Während die Young Boys am vergangenen Dienstag ihren grossen europäischen Auftritt hatten, rasten im Schweizer Fernsehen die Filmstars. Mit dem Film «Fast & Furious 7» kämpfte der Sender SRF zwei um Quote, während YB den Kampf gegen den italienischen Meister verlor – live zu sehen im Pay-TV von Teleclub.

Seit dieser Saison hat das Schweizer Fernsehen nur noch die Rechte, um mittwochs ein Spiel der Champions League zu zeigen. Alle Spiele gibt es nur noch bei Teleclub. Während in den letzten Jahren das SRF immer alle Schweizer Auftritte in den grossen europäischen Wettbewerben zeigte, müssen sich Zuschauer nun umgewöhnen. Für viele ein harter Schlag. «Es ist, wie wenn ein Kind keine Schoggi mehr essen darf», sagt die Sportpsychologin Cristina Baldasarre.

60 Millionen für drei Jahre

Nicht nur die Zuschauer leiden. Wie Zahlen der SRG zeigen, bricht der Marktanteil von SRF zwei an Spieltagen regelrecht ein. An den Dienstagabenden zwischen September 2015 und 2017, an denen ein Champions-League-Spiel gezeigt wurde, betrug er durchschnittlich 19,1 Prozent. Das entspricht 254'000 Zuschauern. An Dienstagabenden ohne Champions-League-Spiel schauen hingegen nur 82'000 zu. Das entspricht einer Quote von 6,5 Prozent.

Damit hat SRF zwei an Champions-League-Dienstagen zwei Drittel der Zuschauer verloren. Hätte die SRG allerdings weiterhin die Champions League zeigen wollen, hätte sie tief in die Taschen greifen müssen. Die Kosten für das Rechtepaket seien von der Uefa im Vergleich zu bisher um das Vierfache erhöht worden, sagte Massimo Lorenzi, der Sport-Chefredaktor des Westschweizer Sender RTS, kürzlich in einer Sendung.

Ein Konkurrenz-Sender – wobei es sich um die Swisscom-Tochter Teleclub handeln dürfte – habe der Uefa für die nächsten drei Jahre fast 60 Millionen Franken bezahlt. Das sei der SRG zuviel gewesen. Einerseits müsse sie sparen, andererseits wäre dann kaum mehr Geld für andere Sportarten zur Verfügung gestanden. «Fussball ist wichtig, aber nicht alles», sagte Lorenzi.

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