Fed-Entscheid: Chance auf Zinswende sinkt
Aktualisiert

Fed-EntscheidChance auf Zinswende sinkt

Die US-Notenbank gibt kommende Woche ihren Zinsentscheid bekannt. Viele rechneten mit einer Zinserhöhung, nun könnte sie wieder verschoben werden.

von
cls
Wagt sie den entscheidenden Schritt? Federal-Reserve-Chef Janet Yellen. Kommenden Donnerstag gibt die Fed ihren Zinsentscheid bekannt. (AP Photo/Susan Walsh, File)

Wagt sie den entscheidenden Schritt? Federal-Reserve-Chef Janet Yellen. Kommenden Donnerstag gibt die Fed ihren Zinsentscheid bekannt. (AP Photo/Susan Walsh, File)

Mit Spannung warten Investoren weltweit auf den kommenden Donnerstag. Dann gibt die amerikanische Zentralbank (Fed) ihren nächsten Zinsentscheid bekannt. Die US-Notenbank könnte die erste Zinserhöhung seit 2006 verkünden. Die Leitzinsen liegen seit Dezember zwischen 0% und 0,25%. Obwohl die Arbeitslosigkeit stetig sinkt und nur noch 5,1 Prozent beträgt, steht die Zinserhöhung aber noch nicht fest.

Fed-Chefin Janet Yellen hatte die Märkte darauf vorbereitet, dass bei der nächsten Sitzung der Fed im September zum ersten Mal seit neun Jahren die Zinsen ein wenig erhöht werden – ein über Monate diskutierter Schritt in Richtung Normalität.

Starker Arbeitsmarkt

Laut Gérard Piasko liegt die Wahrscheinlichkeit, dass die Fed die Zinswende einläutet, bei 30 Prozent. Der Schweizer Anlagechef der Deutschen Bank denkt deshalb eher an einen anderen Termin, wie er im «Börsen-Talk» von Cash TV sagt: «Wir glauben, dass die Fed möglicherweise bis Oktober wartet, aber bestimmt nicht bis Ende Jahr. Denn der amerikanische Arbeitsmarkt ist viel stärker als vor einem Jahr. Es ist langsam Zeit, die Zinsen ein wenig anzuheben.»

Wiederholt betonten die Währungshüter, dass sie sich bei ihrer Zinsentscheidung auf Wirtschaftsdaten stützen, insbesondere auf Arbeitsdaten. Der jüngste Jolts-Report bescheinigt dem US-Arbeitsmarkt eine robuste Verfassung und erstaunte die Märkte mit überraschend guten Daten – und verlangt geradezu nach einer Zinswende noch im September. Die Zahl der offenen Stellen am US-Arbeitsmarkt sprang im Juli auf einen Rekordwert von 5,753 Millionen Stellen und toppte die Erwartungen der Analysten um mehr als 430'000 Stellen. Gleichzeitig blieb auch die Zahl der Arbeitslosen mit 2,685 Millionen Personen auf einem stabilen Level.

Niedriger Ölpreis

Allerdings gibt es mindestens einen grossen Haken: Auch in den USA ist die Inflationsrate unter anderem wegen des niedrigen Ölpreises meilenweit von den angepeilten zwei Prozent entfernt, bei denen die US-Notenbank Preisstabilität garantiert sieht. Der Harvard-Professor und frühere Berater von Präsident Barack Obama, Lawrence Summers, warnte denn die Fed auch mit sehr deutlichen Worten vor einer Zinserhöhung. Sie könne dadurch ihre gesamten bisherigen Erfolge bei der Belebung der Wirtschaft gefährden, schrieb er in einem Blog.

Dieses zweite Kriterium für eine Leitzinserhöhung ist also nicht erfüllt. Hinzu kommen Unsicherheiten wegen der Börsenturbulenzen in China.

Deine Meinung