03.01.2016 11:08

RupperswilChance, dass die Opfer den Täter kannten, ist klein

Im Mordfall von Rupperswil sind nach wie vor viele Fragen offen. Dennoch kommen nach und nach weitere Details ans Tageslicht. So wurden etwa zwei Messer gesichert.

von
vro

Vier Menschen mussten in Rupperswil AG am 21. Dezember ihr Leben lassen. Die 48-jährige Carla S.*, ihre beiden Söhne Davin (13) und Dion (19), sowie die Freundin des älteren Sohnes Simona (21) wurden brutal ermordet, danach wurde der Tatort in Brand gesteckt. Es handelt sich um das Haus der Familie S. Wie die «Sonntagszeitung» schreibt, sollen die vier Opfer an Stühle gefesselt gewesen sein.

Die Ermittler wurden eingeschaltet, nachdem die von einer Nachbarin alarmierte Feuerwehr die Opfer im Haus gefunden hatte. Die Obduktion hat gezeigt, dass alle Opfer Stich- und Schnittverletzungen aufwiesen. Eine mögliche Tatwaffe wurde am Tatort jedoch nicht gefunden. Doch nun wurden auf einer Strasse im Quartier zwei Keramikmesser gefunden, wie die «Sonntagszeitung» weiter schreibt. Die Stelle war zuvor gründlich von Ermittlern abgesucht worden. «Die Messer lagen gestern noch nicht hier», sagt ein Polizist zur Zeitung. «Das sieht nach einem geschmacklosen Streich aus.» Dennoch wurden die Spuren am Fundort gesichert und die Messer eingepackt.

Mühsame Ermittlungen

Was die Täterschaft angeht, bestehen noch viele Unklarheiten. Die Staatsanwaltschaft ermittelt in alle Richtungen, wird immer wieder betont. Es stellt sich die Frage, ob jemand, der die Opfer kannte, mit der Tat in Verbindung steht. «Wir schliessen zurzeit keine Option aus, auch nicht, dass Personen aus dem Umfeld der Opfer an der Tat beteiligt waren, beispielsweise als Anstifter», sagt Philipp Umbricht, leitender Oberstaatsanwalt zur «NZZ am Sonntag». «Die Wahrscheinlichkeit, dass diese Personen in die eigentliche Tatbegehung involviert waren, ist allerdings klein.» Demnach dürften die Opfer ihren tatsächlichen Mörder nicht gekannt haben.

Obwohl die Ermittler durchgehend am Fall arbeiten, erschweren die Festtage das Vorankommen. An Weihnachten verteilten Polizisten Flugblätter und Zeugenaufrufe. Darauf gingen zahlreiche Hinweise ein. Doch: «Die Abklärung dieser Hinweise ist mühsam und braucht viel Zeit», sagt Umbricht. «Wegen der Festtage waren viele Personen, die Hinweise machten, nur schwer erreichbar und konnten deshalb nicht befragt werden.»

«Angst haben wir nicht»

Trotzdem laufen die Ermittlungen auf Hochtouren. Über die Festtage wurden etwa verschiedene Daten der Gemeinde durchleuchtet, berichtet der «Sonntagsblick». Auch Unterlagen aus der Primarschule wurden angefordert. Doch die Behörden geben nur spärlich Informationen bekannt. Klar ist, dass sie mehr wissen, als öffentlich kommuniziert wurde, sagte Umbricht kürzlich zum Regionaljournal von SRF. Dennoch gab es bisher weder eine Verhaftung noch eine konkrete Fahndung nach einem mutmasslichen Täter, wie die «NZZ am Sonntag» schreibt. Laut Umbricht will man im Laufe der Ermittlungen Spezialisten beiziehen.

In der Gemeinde selbst sitzt der Schock auch nach den Festtagen noch tief. Vor dem Haus der Opfer stehen unzählige Kerzen und Erinnerungsstücke. «Es war eine so tolle Familie», sagt ein Nachbar zur «Sonntagszeitung». «Ich kann nicht mehr ruhig schlafen. Es ist für uns alle ein Schock.» Doch Gemeindeammann Ruedi Hediger beruhigt: «Angst haben wir nicht. Rupperswil ist ein schöner Ort zum Wohnen.» Ende nächster Woche soll ein Gedenkgottesdienst für die Opfer gehalten werden. Im «Sonntagsblick» hält Hediger jedenfalls fest: «Vergessen werden wir das Verbrechen nie, aber vielleicht können wir irgendwann wieder zur Normalität übergehen.»

*Name der Redaktion bekannt

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