Gehackt: Chaos bei Anonymous
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GehacktChaos bei Anonymous

Noch immer ist unklar, ob Anonymous-Mitglieder für den massiven Angriff auf Sony-Netzwerke verantwortlich sind. Derweil tobt hinter den Kulissen ein erbitterter Machtkampf. Das Hacker-Kollektiv wankt.

von
dsc
Ein abtrünniger Hacker hat seine Kollegen von Anonymous angegriffen. Eine Website des Hacker-Kollektivs wurde «defaced», also absichtlich verunstaltet. (Fotomontage: 20 Minuten Online)

Ein abtrünniger Hacker hat seine Kollegen von Anonymous angegriffen. Eine Website des Hacker-Kollektivs wurde «defaced», also absichtlich verunstaltet. (Fotomontage: 20 Minuten Online)

Angesichts der jüngsten Ereignisse ist es kaum mehr angebracht, Anonymous auch nur als loses Kollektiv zu bezeichnen. Innerhalb der Gruppierung, die keine feste Mitgliedschaft kennt, tobt ein gnadenloser Richtungskrieg. Ein abtrünniges Mitglied namens «Ryan» hat anscheinend mehrere Chat-Server der Gruppierung gehackt und ausser Gefecht gesetzt.

Ryan hat auf die beliebteste Angriffsmethode von Anonymous zurückgegriffen: DDoS, was für Distributed Denial of Service steht. Dabei werden Server solange gezielt mit Anfragen bombardiert, bis sie nur noch langsam funktionieren oder ganz zusammenbrechen. Damit nicht genug, sind auch noch die IP-Adressen von über 650 mutmasslichen Anonymous-Mitgliedern im Internet veröffentlicht worden. Sie wurden erfasst, als sie sich in einschlägigen Chat-Räumen von Anonymous aufhielten.

Betroffen waren die Domains AnonOps.ru und AnonOps.net. Anonymous warnte in einer Mitteilung davor, diese Server zu besuchen, sei seien nicht sicher.

Mit der Attacke wurde Anonymous mitten ins Herz getroffen: Um neue Angriffe zu planen und zu koordinieren, verabreden sich die Anonymous-Mitglieder in solchen anonymen Chats. Die Chat-Räume funktionieren mit einem eigenen Internet-Protokoll, dem Internet Relay Chat, kurz IRC. Betrieben und moderiert werden die IRC-Server von einer Gruppe namens «AnonOps». Die AnonOps gelten als heimliche Führer von Anonymous, denn sie verfügen über viel Knowhow und ziehen im Hintergrund die Fäden. Schliesslich verlangt auch der Betrieb der Server ein Mindestmass an Organisation.

Kriegserklärung online

Der abtrünnige Ryan soll selbst zu diesem elitären Zirkel gehört haben, bis er am vergangenen Wochenende die Kontrolle über die IRC-Server und die entsprechenden Websites erlangte. Auf AnonOps.ru fand darum in den letzten Tagen kein lebhafter Austausch in den Chat-Räumen statt. Auf der Startseite hiess es lediglich: «anonops dead go home», eine Kriegserklärung von Ryan an die Adresse seiner ehemaligen Kollegen und alle Anonymous-Mitglieder.

Die Hacker sind also selbst das Opfer von Hackern geworden. Über die Beweggründe wird heftig spekuliert. Ryan habe sich gegen eine führerlose Kommandostruktur entschieden, liessen die AnonOps verlauten. Deshalb habe er gemeinsam mit einigen Freunden einen «Staatsstreich» organisiert.

18-jähriger Brite

Beim Abtrünnigen soll es sich um einen 18-jährigen Briten aus Essex handeln. Er sagte gegenüber einem Tech-Portal, dass er zusammen mit Verbündeten eine Splittergruppe gegründet habe. Damit wolle man gegen die «zentralisierte» Struktur und die PR-hungrigen Anon-Ops protestieren. Es gebe einen regelrechten Personenkult um einzelne Anonymous-Mitglieder. Das Hacken der Anonymous-Infrastruktur sei ein bedauernswerter aber nötiger Schritt gewesen, sagte der junge Mann in einem Interview, das von «thinq_» veröffentlicht wurde.

Die AnonOps ihrerseits werfen dem Abtrünnigen vor, er habe gegen demokratische Grundregeln von Anonymous verstossen. Unter anderem habe er auch andere Mitglieder massiv bedroht.

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