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Chaos in Heathrow: 21 Flüge in der Schweiz annulliert

Wegen des Streiks von Angestellten der British Airways (BA) hat am Londoner Flughafen Heathrow bereits den zweiten Tag in Folge Chaos geherrscht. Auch in der Schweiz mussten zahlreiche Flüge annulliert werden.

Die britische Fluggesellschaft strich auch für Freitag sämtliche Flüge; nach Angaben der BA waren davon rund 70 000 Passagiere betroffen. «Es wird erhebliche Behinderungen geben, vielleicht mehrere Tage lang», sagte Flughafendirektor Mick Temple.

Er entschuldigte sich bei den Passagieren, sagte aber nicht, wie der Streik von rund 1000 Mitarbeitern des Bodenpersonals beendet werden sollte. Ein Ende des Ausstands war zunächst nicht in Sicht.

Ausfälle in der Schweiz

Auch an Schweizer Flughäfen wurden mehrere BA-Flüge gestrichen. In Zürich-Kloten waren acht Flüge vom Streik betroffen. Dabei seien die Passagiere von vier Flügen nach London auf andere Airlines umgebucht worden. Vier BA-Flugzeuge seien gar nicht erst in Zürich angekommen. Auch am Flughafen in Genf waren acht Flüge nach Heathrow vom Streik betroffen.

In Basel wurden drei abgehende Flüge annulliert. Die betroffenen Passagiere wurden laufend umgebucht. Zwei weitere Maschinen, die in Basel hätten landen sollen, wurden ebenfalls gestrichen. Der EuroAirport erwartete am späten Freitagabend erneute eine Maschine aus London.

British Airways annullierte am Freitag insgesamt 550 Flüge. Bereits am Vortag waren wegen des Streiks 121 Flüge gestrichen worden. Etwa hundert BA-Flugzeuge und tausend Piloten und Flugbegleiter der britischen Linie sassen in allen Teilen der Welt fest.

Chaos

In Heathrow herrschte das reine Chaos. Tausende mussten auf dem Flughafengelände übernachten. Helfer verteilten Klappstühle und Wasser an die teilweise aufgebrachten Reisenden.

«Ich bin völlig fertig», sagte der Australier Campbell Reade, der sich mit seiner Frau auf dem Weg in die Flitterwochen auf Bali befand. «Uns wurde die Hochzeitsnacht genommen. Wer entschädigt uns dafür?» sagte der empörte 38-Jährige.

Verschärft wurde die Situation zudem durch hunderte Reisende, die am Morgen zum Flughafen zu gelangen versuchten, weil sie trotz des Streiks auf einen planmässigen Start ihrer Flüge hofften.

Heathrow ist mit jährlich rund 67 Millionen Passagieren der grösste europäische Flughafen; weltweit ist der Londoner Airport der drittgrösste. Wegen der Ferienzeit ist das Passagieraufkommen derzeit besonders hoch.

Aus Solidarität

Auslöser der Streiks war die Entlassung von etwa 600 Mitarbeitern der Catering-Firma Gate Gourmet per Megafon, nachdem diese wegen der Einstellung von Saisonkräften die Arbeit niedergelegt hatten. Aus Solidarität traten dann auch Beschäftigte des Bodenpersonals von BA in den Streik.

Die Firma gehört der US-Kapitalgesellschaft Texas Pacific. Diese hatte Gate Gourmet Ende 2002 von der zusammengebrochenen SAirGroup übernommen. Gate-Chef David Siegel sagte am Freitag, er sei bereit, mit den Gewerkschaften zu verhandeln. Die Gewerkschaft TGWU nahm dazu nicht Stellung.

Die Verluste für British Airways waren zunächst nicht zu beziffern. Ein ähnlicher wilder Streik des Bodenpersonals hatten das Unternehmen im Juli 2003 umgerechnet etwa 60 Millionen Euro gekostet, als BA 500 Flüge streichen musste.

(sda)

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