Chaos um hochauflösende Bilder von russischen Militäranlagen bei Google Maps
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SatellitenaufnahmenChaos um hochauflösende Bilder von russischen Militäranlagen bei Google

In sozialen Medien herrscht Wirrwarr um zahlreiche Satellitenbilder russischer Stützpunkte. Doch sind diese Bilder überhaupt echt? Jetzt hat der IT-Gigant diese Frage klar beantwortet.

von
Tobias Bolzern
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Solche Bilder kursieren derzeit auf sozialen Medien. Hier zu sehen ist ein russischer Militärstützpunkt mit mehreren U-Booten. Diese ankern ganz im Osten von Russland, in Wiljutschinsk in der Region Kamtschatka.

Solche Bilder kursieren derzeit auf sozialen Medien. Hier zu sehen ist ein russischer Militärstützpunkt mit mehreren U-Booten. Diese ankern ganz im Osten von Russland, in Wiljutschinsk in der Region Kamtschatka.

Google Maps
Satellitenbilder, wie dieses vom Militärflughafen in Lipetsk, haben für Furore gesorgt. Es wurde vermutet, dass Google die militärischen Anlagen in Russland erst seit kurzem unverpixelt zeigt. 

Satellitenbilder, wie dieses vom Militärflughafen in Lipetsk, haben für Furore gesorgt. Es wurde vermutet, dass Google die militärischen Anlagen in Russland erst seit kurzem unverpixelt zeigt. 

Google Maps
Doch das stimmt nicht, wie eine Sprecherin klarstellt. «Wir haben keine Änderungen an unseren Satellitenbildern in Russland vorgenommen», sagt sie gegenüber Theverge.com.

Doch das stimmt nicht, wie eine Sprecherin klarstellt. «Wir haben keine Änderungen an unseren Satellitenbildern in Russland vorgenommen», sagt sie gegenüber Theverge.com.

20min/Marco Zangger

Darum gehts

  • Russische Kampfjets und Militäranlagen sind bei Google Maps sichtbar.

  • Das hat in den sozialen Medien für Aufregung gesorgt. 

  • Es wird behauptet, dass Google diese Bilder erst seit kurzem so zeigt.

  • Dies dementiert eine Sprecherin von Google: «Es gab keine Änderung.»

«Geheime militärische und strategische Einrichtungen in Russland sind nun für alle zugänglich. Google Maps hat aufgehört, sie zu verstecken», heisst es in einem englischen Tweet, der tausendfach geteilt wurde. «Silos für Interkontinentalraketen, Kommandoposten und geheime Gelände gibt es jetzt mit einer Auflösung von bis zu 0,5 Metern pro Pixel», heisst es in einem ukrainischen Tweet, der von einem mittlerweile gesperrten Konto abgesetzt wurde. 

An die Tweets war eine Reihe Bilder angehängt, die angeblich russische Stützpunkte zeigen sollen. Mindestens in einem Fall ist das entsprechende Bild auf Google Maps zu finden. Und es zeigt laut Theverge.com auch einen aktiven russischen Stützpunkt. Auf dem Bild sind mehrere U-Boote zu sehen, die ganz im Osten von Russland, in Wiljutschinsk in der Region Kamtschatka, ankern.

«Gab keine Änderungen»

Neu sind die Bilder aber keinesfalls: «Wir haben keine Änderungen an unseren Satellitenbildern in Russland vorgenommen», sagt Google. Das IT-Unternehmen hat allerdings andere Massnahmen seit dem russischen Angriff auf die Ukraine umgesetzt. So wurde unter anderem der Werbeverkauf in Russland pausiert und der Zugang zum Play Store eingeschränkt.

Allerdings ist es auch nichts Aussergewöhnliches, dass Google Satellitenbilder bei dem Kartendienst Maps, oder Aufnahmen bei Street View verpixelt. So sind etwa in Deutschland zahlreiche Häuser von Politikerinnen und Politikern unkenntlich gemacht worden. In Frankreich etwa ist die Base Aérienne 705 – ein Stützpunkt der Luftwaffe in Tours – eine einzige Pixelwüste. Andere militärische Einrichtungen, auch in den USA wie zum Beispiel das Sperrgebiet Area 51 in der Wüste Nevada, sind gut aus der Vogelperspektive zu sehen.

So ist es bei uns

Doch wie sieht es überhaupt in der Schweiz aus? Militärische Einrichtungen, wie etwa der Flugplatz in Payerne, sind von oben zu sehen. 2018 gab es auch hierzulande Stimmen, dass dies die Sicherheit im Land gefährdet, wenn kritische Infrastruktur wie AKW und militärische Anlagen bei Google sichtbar sind. «Das Sicherheitsgefühl in der Schweiz hat sich aufgrund des Krieges in der Ukraine verändert», sagt Mitte-Nationalrätin Ida Glanzmann-Hunkeler. Sie könne sich vorstellen, eine Interpellation einzureichen, um das Thema zu diskutieren. «Gerade militärische Einrichtungen sollten bei Google nicht sichtbar sein», sagt sie.

Potenzielle Aggressoren würden für die Aufklärung aber wohl sowieso kaum Google Maps nutzen. Dafür sind im Orbit zahlreiche Satelliten von Nachrichtendiensten, aber auch von privaten Firmen installiert. Die Schweiz hat selbst keinen Überwachungssatelliten. Sie will sich aber beim französischen Composante Spatiale Optique (CSO) für 82 Millionen Franken einkaufen und so für mindestens zehn Jahre Zugriff auf das Militärprojekt aus Frankreich erhalten.  Stände- und Nationalrat haben das Projekt bereits abgesegnet.  

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