Chaotisches Eheleben - Schwiegermutter erschlagen
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Chaotisches Eheleben - Schwiegermutter erschlagen

Wegen der Anklage, an Pfingsten 2003 in Zürich seine Schwiegermutter vorsätzlich getötet zu haben, hat sich ein 41-jähriger Mann vor dem Zürcher Geschworenengericht zu verantworten.

Er weist den Vorwurf von sich. Der Angolaner war Anfang der Neunzigerjahre erstmals in die Schweiz eingereist, wo sein Asylantrag abgelehnt wurde. Dennoch blieb er im Land. Per Inserat lernte er eine Schweizerin kennen, die er zu heiraten gedachte - «um ein Dokument zu haben», wie er am Montag sagte, nicht ohne zu versichern, er habe die Frau geliebt.

Noch vor der Heirat wurde er nach Angola ausgeschafft. Mit einem Touristenvisum und unter falschem Namen kam er zurück und heiratete im Januar 1995. Er zog in die Wohnung der Frau. Dort allerdings lebte schon ein anderer Mann, den ihm seine neugebackene Ehefrau als ihren ex-Freund vorstellte, und der in der Wohnung blieb.

Kein Probleme mit Schwiegermutter

In den drei Zimmern an der vielbefahreren Rosengartenstrasse in Zürich lebten nun drei Erwachsene, die Tochter der Frau und die neun Monate später geborene gemeinsame Tochter des Ehepaars. Ein, zwei Jahre nach der Heirat zog die Frau samt Kindern aus, um später wieder mit ihrem «Ex-Freund» zusammenzuziehen.

Mit seiner Schwiegermutter, die im benachbarten Stadtquartier Höngg lebte, habe er sporadisch Kontakt gehabt, sagte der Angeklagte. Probleme habe es zwischen ihnen nie gegeben.

Bei der persönlichen Befragung ergab sich ein Bild des Angeklagten als ungefestigte Person, stets an oder jenseits der Grenze zur Illegalität. Wiederholt flüchtete er sich in ein vages «ich kann mich nicht erinnern» oder verhedderte sich in Widersprüche zu früheren Aussagen.

Verteidiger-Offensive

In ungewohnter Weise ging der Verteidiger gleich nach Verlesen der Anklageschrift in die Offensive und ergriff das Wort. Dass am Tatort DNA-Spuren und Fingerabdrücke des Angeklagten und auf seinen Schuhen Blutspuren des Opfers gefunden worden seien, belege einzig, dass sich der Angeklagte in der Wohnung des Opfers aufgehalten habe, sagte er.

Dass sein Mandant der Täter sei, stehe damit bei weitem nicht fest. Vor allem fehle jegliches Motiv. Falls aber die Täterschaft nicht zweifelsfrei feststehe, müsse ein Freispruch erfolgen.

Gemäss Anklage hat der Mann Anfang Juni 2003 in Zürich-Höngg seine Schwiegermutter in deren Wohnung getötet. Er soll ihr mit einem Hammer und einer Bratpfanne auf den Kopf geschlagen haben. Anschliessend habe er sie mit einer abgebrochenen Flasche am Hals so schwer verletzt, dass sie innert kurzer Zeit verblutete.

Der Prozess dauert knapp zwei Wochen. Das Urteil wird voraussichtlich am Freitag, 13. Mai eröffnet.

(sda)

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