Aktualisiert 20.08.2013 16:57

Halbjahres-BilanzCharles Vögele schreibt weiterhin rote Zahlen

Die Kleiderbranche bekommt den langen Winter zu spüren: Die Kette Charles Vögele etwa kommt nicht aus den roten Zahlen heraus. Der Verlust ist aber etwas kleiner als im letzten Jahr.

Auch wenn das Resultat weniger schlimm ist als noch vor einem Jahr: Die Kleiderkette ist nicht über den Berg.

Auch wenn das Resultat weniger schlimm ist als noch vor einem Jahr: Die Kleiderkette ist nicht über den Berg.

Die kriselnde Kleiderkette Charles Vögele sieht sich trotz erneut roter Zahlen auf dem Weg der Besserung. Das Tal der Tränen ist aber noch lange nicht durchschritten.

«Wenn sie ein Unternehmen in allen seinen Bestandteilen hinterfragen, sind so viele Änderungen notwendig, dass man nicht alles auf einmal machen kann», sagte Verwaltungsratspräsident Hans Ziegler am Dienstag vor den Medien in Pfäffikon SZ. Das sei nicht mit einer Hauruckübung, mit einer Radikalkur oder mit einem Befreiungsschlag zu machen.

Der Weg zur betrieblichen Wende dauere etwas etwas länger als ein paar Monate. Immerhin bewiesen die Resultate des ersten Halbjahres, dass die eingeleiteten Massnahmen positive Wirkung zeigten, sagte Ziegler.

Verlust eingedämmt

Unter dem Strich konnte das angeschlagene Unternehmen den Reinverlust auf 21 Mio. Fr. verkleinern, nachdem im Vorjahressemester noch ein happiges Minus von 54 Mio. Fr. angefallen war. «Das ist zwar eine Verbesserung im Vergleich zum Vorjahr, aber wir sind beileibe noch nicht dort, wo wir stehen müssen», sagte Markus Voegeli, den der Verwaltungsrat nun definitiv zum Konzernchef ernannt hat.

Voegeli hatte das Amt bereits interimistisch nach dem Rauswurf von Frank Beeck im letzten September geführt. Sein bisheriges Amt als Finanzchef behält Voegeli weiterhin.

«Wir sind überzeugt, für die anstehenden Aufgaben den richtigen Konzernchef gefunden zu haben», sagte Ziegler. Voegeli habe Erfahrung im Umgang mit schwierigen Situationen. Er sehe sich nicht als Alleinherrscher, sondern sei ein ausgeprägter Teamplayer.

Der Verwaltungsratspräsident schien seinen neuen Mann am Steuerruder bereits völlig mit dem Konzern verschmolzen zu haben. Ziegler sprach minutenlang von Markus Voegele, was Voegeli selber mit Humor zur Kenntnis nahm: Das i von ad interim lasse er sich gerne nehmen. An seinem zweiten i (A.d.R. im Namen) halte er indes fest.

Voegeli zur Seite stehen ab dem 1. November wieder ein Verkaufschef und ab 1. Dezember eine Einkaufschefin. Für diese lange vakante Stellen konnten Matthias Wunderlin und Beatrice Grünwald verpflichtet werden. «Wir sind uns bewusst, dass noch viel Arbeit vor uns liegt», sagten Ziegler und Voegeli.

Eisiger Gegenwind

Im ersten Halbjahr blies dem Kleiderkonzern wie der gesamten Modebranche ein eisiger Gegenwind ins Gesicht. Wegen des nicht enden wollenden Winters und des verregneten Frühlings hatten die Leute keine Lust, Sommerkleider oder Bademode zu kaufen.

Alle Kleiderverkäufer hätten Angst bekommen, auf ihrer Ware sitzen zu bleiben, sagte Voegeli. Viele hätten bereits im Mai damit begonnen, ihre Sommermode mit hohen Rabatten zu verkaufen. Dabei habe Charles Vögele aber nicht mitgemacht. So habe man im Juni kurz vor dem Beginn der eigentlichen Ausverkäufe nochmals gut verdient, als das Wetter besser geworden sei.

«Angesichts der Umstände haben wir uns gut geschlagen», sagte Voegeli. Der Nettoumsatz sank um 4 Prozent auf 466 Mio. Franken. Ohne Berücksichtigung der Abschreibungen stiess Charles Vögele operativ gar in die schwarzen Zahlen vor. Nach einem Verlust von 23 Mio. Fr. im Vorjahr erzielte der Konzern wieder einen kleinen Betriebsgewinn (EBITDA) von 4 Mio. Franken.

Ergebnisverbesserungen gelangen in allen Regionen. In der Schweiz konnte Charles Vögele mehr Betriebsgewinn erzielen, während Deutschland nach den roten Zahlen die Gewinnschwelle erreichte. In den Benelux-Ländern und Osteuropa konnte der Konzern die Betriebsverluste in etwa halbieren.

Reissleine gezogen

Um die Löcher zu stopfen, zieht sich Charles Vögele aus Polen und Tschechien zurück. Die insgesamt 22 Filialen würden schrittweise geschlossen. Ungarn hat nochmals eine Gnadenfrist bis im Herbst bekommen, weil dort zuletzt gut gearbeitet wurde.

An der Präsenz in den Benelux-Ländern hält der Konzern indes trotz der Verluste fest, wie Voegeli sagte. Dort wäre ein Ausstieg wegen der rigiden Arbeitsgesetze sehr teuer. Zudem würde das Unternehmen einen beträchtlichen Teil seines Umsatzes aufgeben, wodurch es von seinen Lieferanten weniger günstige Preise beim Einkauf der Kleider erhielte.

Für das Gesamtjahr rechnet Charles Vögele mit einem deutlich besserem Betriebsergebnis. Die Rückkehr des Unternehmens in die Gewinnzone sei im Jahr 2015 möglich, sagte Voegeli im Videointerview mit AWP am Rande der Medienkonferenz. (sda)

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