Charles Vögele versechsfacht Gewinn

Aktualisiert

Charles Vögele versechsfacht Gewinn

Der grösste Schweizer Bekleidungskonzern Charles Vögele hat im 1. Halbjahr 2005 den Gewinn beinahe versechsfacht.

Erstmals seit drei Jahren nahm auch der Umsatz wieder zu. Die Erwartungen der Analysten wurden übertroffen. Die Aktie zog steil an.

Nach einem ausgezeichneten Winter habe Charles Vögele nochmals sehr gut gearbeitet, sagte Geschäftsführer Daniel Reinhard am Dienstag vor den Medien in Zürich. Der Umsatz sei um 4,4 Prozent auf 636,3 Mio. Fr. gestiegen. Damit habe Vögele den seit 2002 anhaltenden Absatzrückgang stoppen können.

Der Konzern habe von attraktiverer Mode, besserer Präsentation der Kleider und Fortschritten beim Warenlager profitiert. «Wir mussten weniger Altwaren verkaufen und konnten mehr Neuwaren absetzen», sagte Reinhard. Vögele habe in allen Ländern, mit Ausnahme der Schweiz, die Verkäufe gesteigert.

Weil die Kosten stabil blieben, kletterte der Betriebsgewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) von 20,6 Mio. auf 54,1 Mio. Franken. Dabei half neben der operativen Verbesserung auch der Wegfall von Goodwill-Amortisationen aufgrund neuer Rechnungslegungsvorschriften.

Aktienkurs springt nach oben

Unter dem Strich konnte Charles Vögele nach dem Einbruch im Vorjahreszeitraum den Reingewin von 5,7 Mio. Fr. auf 33,6 Mio. Fr. steigern. «Eine Zahl, auf die wir im Unternehmen stolz sind», sagte Reinhard. Damit habe Vögele nach sechs Monaten schon fast soviel verdient wie im gesamten vergangen Jahr (37,6 Mio. Fr.), sagte Finanzchef Felix Thöni.

«Applaus für das exzellente Ergebnis», urteilte die Bank Julius Bär. Zwar hatten die Analysten einen Gewinnsprung vorausgesagt, aber mehrheitlich nicht in dem Ausmass. An der Börse stieg die Aktie zeitweise auf über 100 Franken. Danach bröckelte der Kurs wieder ab und notierte am frühen Nachmittag noch um 6,9 Prozent höher auf 99,4 Franken.

Überall Marktanteile gewonnen

Vögele habe in allen Ländern Marktanteile gewonnen, auch in der Schweiz, wo der Umsatz bei 239,7 Mio. Fr. stagniert habe, sagte Reinhard. Denn der Gesamtmarkt sei geschrumpft. Der Betriebsgewinn wuchs hierzulande um ein Drittel auf 32,6 Mio. Franken. Auch Österreich mache ständig weitere Schritte nach vorne. Umsatz (&5,8 Prozent) und Betriebsgewinn (&58,3 Prozent) stiegen deutlich.

In Deutschland, Belgien und den Niederlanden gelangen ebenfalls Fortschritte, auch wenn Charles Vögele die Verlustzone in den drei Ländern noch nicht verlassen konnte. Im «sehr schwierigen deutschen Markt» habe der Betriebsverlust (EBIT) von 20,5 auf 8,5 Mio. Fr. abgenommen.

In Belgien und den Niederlanden verringerte sich das Defizit (EBIT) von 13,7 Mio. auf 8,8 Mio. Franken. Im nächsten Jahr will Vögele in Deutschland beim EBIT sowie in Belgien und den Niederlanden beim EBITDA die Gewinnschwelle erreichen. Bis Ende 2008 sollen die Schulden von derzeit 199 Mio. Fr. abgebaut sein.

Nach dem Desaster mit der Gewinnwarnung im letzten Jahr gab Reinhard keinen konkreten Ausblick mehr für das Gesamtjahr 2005. Der Umsatz werde sich entlang des Marktverlaufs oder etwas besser entwickeln.

Ab September will Vögele in Slowenien expandieren und in drei Jahren 20 bis 30 Geschäfte haben. Und in Ungarn, Polen und Tschechien würden Testfilialen eröffnet.

(sda)

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