Textilhandel: Charles-Vögele-Zahlen besser als befürchtet
Aktualisiert

TextilhandelCharles-Vögele-Zahlen besser als befürchtet

Die Kleiderhandelskette Charles Vögele hat überraschend erste Zahlen bekannt gegeben: Der Umsatz fiel im letzten Jahr von 1,016 Milliarden auf 972 Millionen Franken.

Die Durststrecke ist für Charles Vögele noch nicht vorbei.

Die Durststrecke ist für Charles Vögele noch nicht vorbei.

Trotz der erneut roten Zahlen von Charles Vögele im vergangenen Geschäftsjahr hat die Aktie der Modekette am Freitag an der Schweizer Börse zunächst zugelegt. Der Titel kletterte in den ersten Handelsminuten um deutlich über 2 Prozent. Danach bröckelte der Kurs aber ab. Bis gegen 9.55 Uhr notierte der Kurs auf dem Vortagesniveau von 16,40 Franken.

Die Kleiderhandelskette hatte am Morgen überraschend erste Zahlen bekannt gegeben: Der Umsatz fiel im letzten Jahr von 1,016 Mrd. auf 972 Mio. Franken. Den Betriebsverlust vor Abschreibungen und Wertminderungen (EBITDA) konnte Charles Vögele um 4 Mio. auf 17 Mio. Fr. verringern.

Immerhin konnte die Modekette den Bargeldabfluss stoppen. Der freie Cash-flow sei um 172 Mio. auf 15 Mio. Fr. verbessert worden. Damit habe die Gruppe ihr Ziel für 2012, nämlich das Bluten zu stoppen, erreicht.

Ausstieg erwogen

Um wieder auf die Beine zu kommen, denkt Charles Vögele über einen Ausstieg aus dem verlustreichen Geschäft in Osteuropa nach. Man prüfe mit externen Spezialisten den Rückzug aus Polen, Tschechien und Ungarn. Damit könnte Charles Vögele die Komplexität im Unternehmen verringern und sich auf die Kernmärkte fokussieren.

Vollständige Resultate für das vergangene Geschäftsjahr gab Charles Vögele indes nicht bekannt. Die für nächsten Dienstag angesetzte Bilanzvorlage sei auf den 16. April verschoben worden, weil die Arbeit am Jahresabschluss noch nicht fertig sei, hiess es. Damit findet auch die Generalversammlung später statt. Neuer Termin ist nun der 14. Mai.

Nicht so schlimm wie befürchtet

Die Zahlen des zweiten Halbjahres seien besser als befürchtet, kommentierte Sarasin-Analyst Patrick Hasenböhler. Aber eine Schwalbe mache noch keinen Sommer.

Ein Rückzug aus den drei osteuropäischen Ländern könnte den Verlust reduzieren. Aber Charles Vögele habe im ersten Halbjahr nicht nur dort, sondern auch in allen anderen Ländern mit Ausnahme der Schweiz Verluste erlitten. Osteuropa mache aber nur einen kleinen Teil des Umsatzes aus.

Zudem sei der positive freie Cash-flow nur wegen geringer Investitionen gelungen. Bei einem nachhaltigen Investitionsniveau wäre der freie Cash-flow negativ gewesen, urteilte Hasenböhler: «Wir bezweifeln, dass Charles Vögele sein Ziel eines ausgeglichenen Resultats im Jahr 2013 und eines Gewinns von 10 Mio. Fr. im Jahr 2014 erreichen kann.» (sda)

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