Aktualisiert 23.06.2015 17:00

Kirchen-MassakerCharleston-Schütze plante Blutbad an Schule

Bekannte beschreiben Dylann R. als verwirrten jungen Mann, der mal mit Schwarzen feierte, mal über diese schimpfte. Seine Drohungen nahm niemand richtig ernst.

von
dia
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Äusserte sich schon früher rassistisch: Der 21-jährige Dylann Roof wird abgeführt. (18. Juni 2015)

Äusserte sich schon früher rassistisch: Der 21-jährige Dylann Roof wird abgeführt. (18. Juni 2015)

Keystone/Ben Earp
Der mutmassliche Schütze hatte sich auf Facebook als Fan des Apartheid-Regimes in Südafrika zu erkennen gegeben.

Der mutmassliche Schütze hatte sich auf Facebook als Fan des Apartheid-Regimes in Südafrika zu erkennen gegeben.

Keystone/Ben Earp
Wird nach Charleston geflogen: Der verdächtige Dylann Roof steigt in ein Flugzeug. (18. Juni 2015)

Wird nach Charleston geflogen: Der verdächtige Dylann Roof steigt in ein Flugzeug. (18. Juni 2015)

AFP/Andy McMillan

Der mutmassliche Schütze des Attentats auf Schwarze in einer Kirche im US-Staat South Carolina, Dylann R., zog offenbar einen Anschlag auf eine Hochschule in Erwägung. Ein schwarzer Freund des Mannes sagte der Nachrichtenagentur AP, R. habe ihm eine Woche vor dem Massaker in der Emmanuel African Methodist Episcopal Church in Charleston gesagt, dass er auf einem örtlichen Hochschulcampus herumschiessen wolle.

Er habe gedacht, dass die Aussagen von R. nur leere Drohungen eines Betrunkenen seien, sagte der Freund Christon Scriven am Freitag (Ortszeit). Doch sei er besorgt genug gewesen, dass er und ein anderer Freund nach draussen zu dem Auto des Verdächtigen gegangen seien und dessen .45-Kaliber-Pistole herausgeholt hätten. Sie hätten diese in einem Wohnwagen versteckt.

«Sieben Tage»

«Er sagte einfach, er werde einem Haufen Menschen (am College von Charleston) wehtun», sagte Scriven. «Ich sagte, «was hast du gesagt? Warum willst du diesen Menschen in Charleston wehtun?»», berichtete Scriven weiter. «Er sagte einfach «in sieben Tagen...ich habe sieben Tage.»»

Eine Woche nach dem Zwischenfall, am vergangenen Mittwoch, ging der 21-jährige R. nach Behördenangaben in die historische Kirche in Charleston, sass dort knapp eine Stunde lang in einer Bibelstunde und eröffnete anschliessend das Feuer auf die Teilnehmer. Neun Menschen wurden getötet.

Waffe mit Geburtstagsgeld gekauft

Die Aussagen von Scriven passen zu Angaben von anderen Freunden zu R., die von der AP interviewt wurden. Sie beschrieben den Verdächtigen als verwirrten jungen Mann, der mal mit schwarzen Kumpels feierte, mal gegenüber weissen Bekannten über Schwarze schimpfte. Ein Bekannter, Joey Meek, sagte, R. habe ihm erzählt, dass er Geburtstagsgeld von seinen Eltern benutzt habe, um sich eine halbautomatische Handfeuerwaffe vom Typ Glock zu kaufen.

Scriven sagte, er glaube nicht, dass die Kirche das Hauptziel von R. gewesen sei, weil er davon gesprochen habe, das College angreifen zu wollen. «Aber ich glaube, dass er wegen der Sicherheit nicht in die Schule gelangen konnte...also glaube ich, hat er sich einfach für die Kirche entschieden.»

Obwohl keiner von ihnen die Aussagen von R. ernst genommen hätten, würden er und die anderen Freunde des 21-Jährigen sich nun mit dem Wissen herumschlagen, dass sie die Morde womöglich hätten verhindern können, sagte Scriven. «Ich glaube, jeder empfindet Schuld.» (dia/sda)

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