Aktualisiert 15.01.2015 11:17

Ansturm auf Kioske

«Charlie Hebdo» in Romandie ausverkauft

Nach wenigen Minuten war die neuste Ausgabe der Satirezeitung in vielen Westschweizer Kiosken ausverkauft. Kunden sind verärgert.

von
kko
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Kurios: An einem Kiosk in der Romandie sind am Donnerstagmorgen alle «Charlie Hebdo»-Exemplare ausverkauft, bevor der Laden überhaupt geöffnet hat.

Kurios: An einem Kiosk in der Romandie sind am Donnerstagmorgen alle «Charlie Hebdo»-Exemplare ausverkauft, bevor der Laden überhaupt geöffnet hat.

Leser-Reporter
Am Freitag soll die erste Ausgabe nach den Anschlägen in Paris auch in der Deutschschweiz erscheinen.

Am Freitag soll die erste Ausgabe nach den Anschlägen in Paris auch in der Deutschschweiz erscheinen.

Keystone/AP/Christophe ena
In Frankreich, wo die Ausgabe bereits am 14. Januar erschien, waren sämtliche Exemplare innert Minuten ausverkauft.

In Frankreich, wo die Ausgabe bereits am 14. Januar erschien, waren sämtliche Exemplare innert Minuten ausverkauft.

Keystone/AP/Christophe ena

Wenn die Geschäfte im Bahnhof Lausanne um 5.30 Uhr öffnen, bewegt sich der Pendlerstrom normalerweise noch gemächlich. Doch weil in der Westschweiz heute die erste Ausgabe von «Charlie Hebdo» nach dem Anschlag auf die Redaktion der Satirezeitung erschienen ist, bildeten sich vor den Kiosken schon in aller Frühe Menschentrauben.

«Ich bin um 5.30 Uhr am Bahnhof Lausanne angekommen», sagt Paolo, ein Pendler aus Bière zu 20minutes. Da seien bereits ein Dutzend Menschen vor einem Kiosk in der Naville-Unterführung Schlange gestanden, um sich ein Exemplar zu sichern.

Pendler wurden wütend

«Ich habe die Zeitung zuvor noch nie gekauft», sagt Paolo. Aus Neugierde und Solidarität wollte er sich dieses Mal aber eine besorgen. Der Verkäufer habe den Wartenden aber schnell klargemacht, dass alle Exemplare bereits reserviert seien und nur zwei Exemplare zum Verkauf stünden.

«Die Leute wurden wütend, einige sind sogar sehr laut geworden», berichtet Paolo. Er wird nun morgen, wenn die Zeitung in der Deutschschweiz erscheint, versuchen, einen «Charlie» zu ergattern.

Vor den Kiosken in der Halle des Bahnhofs bot sich am Donnerstagmorgen ein ähnliches Bild. «Ich bin um 5.45 Uhr angekommen, aber es hat nichts gebracht, ich hätte viel früher da sein müssen», sagt Leo aus Pully, wo die Kioske keine «Charlie Hebdo»-Lieferung erhalten haben. Er sei einige Minuten angestanden, doch schnell sei klar geworden: «Alles ist weg.»

77 Ausgaben in nur 3 Minuten weg

An den vier Kiosken im Genfer Bahnhof waren die «Charlie Hebdo»-Exemplare innert Minuten vergriffen, berichtet die «Tribune de Genève» in ihrer Onlineausgabe. Selbst der Kiosk, der 77 Ausgaben und damit die grösste Lieferung des Kantons erhielt, musste den Kunden nur drei Minuten nach der Öffnung eine Absage erteilen. Laut einer Kioskangestellten im Genfer Bahnhof Cornavin standen rund 50 Personen Schlange, als sie um 5.30 Uhr die Ladentür öffnete

In Neuenburg waren die 20 Zeitungen ebenfalls schnell vergriffen. «Wir hätten Hunderte Exemplare verkaufen können», sagte ein Verkäufer der Nachrichtenagentur sda.

Andere Läden, wie etwa Tabakgeschäfte, haben erst gar keine Exemplare erhalten, weil sie für den extrem erfolgreichen Verkauf in Frankreich benötigt wurden. So stellen viele Ladenbesitzer ein «Charlie Hebdo kommt morgen»-Schild vor ihr Geschäft. (kko/sda)

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