Chartstürmer James Blunt: Der neue Weltverbesserer
Aktualisiert

Chartstürmer James Blunt: Der neue Weltverbesserer

Der Brite James Blunt (28) gehört zu den musikalischen Entdeckungen des Jahres. Mit dem Album «Back to Bedlam» reiht er sich in eine Gruppe von Künstlern ein, die mit Ironie nichts mehr am Hut haben.

«Es gibt eine Ebene, auf der man seine eigenen Interessen vertreten muss. Aber auf einer anderen zählt die Gruppe. Schliesslich sind wir Menschen keine Einzelgänger», sagt James Blunt. Mit dieser Einstellung gehört der Chartstürmer – in seiner Heimat liegt er seit Wochen auf Platz eins – zu einer wachsenden Zahl von Künstlern, die wieder für politische Anliegen Stellung beziehen.

Seit Punkrock mit den verschrobenen Utopien der Hippies aufgeräumt hatte, grassierte die selbstironische Haltung. Selbst die Gutmenschen von U2 veräppelten sich in den 90ern selbst.

Die Trendwende kommt jetzt sanft und langsam. Erst setzten sich Radiohead für einen gerechteren Welthandel ein, dann folgten Coldplay mit demselben Anliegen und schliesslich hatten auch U2 genug von der Maskerade. Das aktuelle Album «How to Dismantle an Atomic Bomb» versprüht wieder das angriffige Engagement der Iren. Der Mega-Anlass Live8 mobilisierte schliesslich Milliarden von Zuschauern. Auch Blunt ist in seinen Liedern und Ansichten frei von Ironie.

«Wenn es wieder eine Bewegung gibt, wäre ich gerne Teil von ihr. Denn ich hoffe, dass sich alle Menschen politisch äussern», sagt er. «Den Schaden aufzuräumen ist immer beschwerlicher, als den Politikern vorher auf die Finger zu schauen.»

Blunt weiss, wovon er spricht. Zwar drehen sich seine Songs um persönliche Themen, doch in «No Bravery» singt er von Kriegsverwüstungen. Als Soldat im Kosovo hat er sie selbst gesehen.

Silvano Cerutti

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