Irrfahrt in Erstfeld: Chauffeur hörte auf Navi – und hinterlässt Zerstörung

Aktualisiert

Irrfahrt in ErstfeldChauffeur hörte auf Navi – und hinterlässt Zerstörung

Der Lastwagen war 2,55 Meter breit, die Strasse jedoch nur 2 Meter – doch das konnte einen LKW-Fahrer aus Litauen nicht stoppen. Der Sachschaden ist riesig.

von
sam

Die allermeisten Lastwagen benutzen für den Weg in den Süden die A2 über den Gotthard. Nicht so ein LKW mit litauischem Kennzeichen, ebenfalls mit Ziel Italien. Er fuhr am Montag um 5.30 Uhr in Erstfeld vom Talweg in die Kirchgasse. Das Lastwagenfahrverbot, das Signal «Höchstbreite 2 Meter» sowie das Signal «Höchstgewicht 3,5 Tonnen» konnten ihn nicht aufhalten. Der LKW zog in der Folge eine regelrechte Schneise der Verwüstung durchs Quartier: Als das 2,55 Meter breite Fahrzeug auf der zwei Meter breiten Strasse bergabwärts fuhr, riss es diverse Zäune und eine Dachrinne weg und kollidierte mit einem parkierten Auto, einer Strassenlaterne und einem Mast für Telefonleitungen. Zudem wurden zwei Gärten niedergewalzt.

«Das sollte man doch abschätzen können»

«Als ich am Morgen die riesige Zerstörung gesehen habe, dachte ich, ich träume noch», sagt Beat Dittli, langjähriger Anwohner der Quartierstrasse. «Zum Glück kam gleich die Polizei und konnte den Fahrer stoppen», sagt er erleichtert. Bei Dittlis Haus wurde ein Zaun und ein Teil der Mauer zerstört: «Das sollte man doch als Chauffeur selbst abschätzen können.»

Auch Paul Walker ist betroffen: «Als ich am frühen Morgen noch im Bett war, habe ich ein Scheppern gehört», sagt der Anwohner der Kirchgasse 22. «Es ist sehr mühsam und zeitaufwändig, dass ich nun für die Reparatur wieder Offerten einholen muss.» Beim Schlosser und seiner Ehefrau wurde der Briefkasten, die Gartentür und ebenfalls der Zaun zerstört. Walker erzählt, dass zwar öfters Lastwagen die schmale Strasse durchqueren, betont aber: «In diesem grossen Ausmass war das definitiv das erste Mal.» Er sei froh, dass niemand verletzt wurde.

«Navi hat ihn falsch geleitet»

Laut der Kantonspolizei Uri fuhr der Chauffeur nach seiner Irrfahrt in Richtung Schwerverkehrszentrum, wo er angehalten und kontrolliert werden konnte. Die durchgeführten Atemalkoholtests seien negativ ausgefallen. Insgesamt belaufe sich der Sachschaden auf rund 115'000 Franken. Auf die Frage, warum der Fahrer die Quartierstrasse passierte, sagte Stefan Simmen, Chef des Schwerverkehrszentrum: «Der Chauffeur wollte nach Italien. Wir gehen davon aus, dass ihn das Navi falsch geleitet hat.»

Da der Sattelschlepper fahrfähig war, wurde er laut Simmen nach der Kontrolle zur Weiterfahrt zugelassen. «Wir haben sämtliche Daten aufgenommen und einen Rapport an die Staatsanwaltschaft gemacht. Diese entscheidet dann über das Strafmass.» Der angerichtete Schaden würde normalerweise von der Haftpflichtversicherung des LKW-Fahrers übernommen.

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