Strafgericht BL: Chauffeur missbrauchte behindertes Mädchen (16)
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Strafgericht BLChauffeur missbrauchte behindertes Mädchen (16)

Der Chauffeur (62) eines Transportunternehmens missbrauchte eine schwerstbehinderte 16-Jährige über Monate. Erwischt wurde er vom Stiefvater des Mädchens.

von
jd
Dem Angeklagten wurde im Strafgericht Muttenz am Donnerstagmorgen der Prozess gemacht.

Dem Angeklagten wurde im Strafgericht Muttenz am Donnerstagmorgen der Prozess gemacht.

Rudolf Schwarz*, Chauffeur eines Behinderten-Transports, soll 2014 die damals 16-jährige Julia Fischer* mehrmals unsittlich angefasst und die schwerst behinderte Jugendliche mindestens vier Mal sexuell missbraucht haben. Der 62-Jährige musste sich am Donnerstag wegen mehrfacher Schändung und Besitz von verbotener Pornographie vor dem Baselbieter Strafgericht verantworten.

Die Übergriffe trugen sich jeweils im Hauseingang vor verschlossener Türe der Familie Fischer zu, kurz bevor die Mutter ihre Tochter in Empfang nahm. «Ich habe sie einfach schnell berührt und dann geklingelt», so der Angeklagte vor der Dreierkammer. Es habe sich lediglich «um eine kurze Sache» gehandelt». Schwarz, der 10 Jahre auf diesem Beruf gearbeitet hatte, holte die junge Frau mindestens zweimal pro Woche von einer heilpädagogischen Schule in Basel ab und chauffierte sie nach Allschwil.

Von Eltern überführt

Zwei Mal habe Julias Mutter im Februar 2014 durch den Spion beobachtet, wie der Angeklagte das Opfer begrapschte. Einmal habe er die Hände unter ihrer Jacke hervorgezogen, nur wenige Tage später sah sie, wie er sie am Gesäss berührte. «Sicher war ich mir nicht, da ich nur durch dieses kleine Loch geschaut habe, aber ich fühlte, dass etwas nicht stimmt», erzählte sie vor Gericht.

Sie informierte sofort ihren Exmann, der sich noch in der selben Woche neben der Milchglas-Eingangstüre des Mehrfamilienhauses versteckte. So gelang es ihm, den Verdächtigen dabei zu ertappen, wie er sich hinter seine Stieftochter stellte und ihr mit beiden Händen in den Schritt griff. Er habe ihn sofort zur Rede gestellt und die Polizei alarmiert. «Mir ist der Kragen geplatzt und ich musste mich sehr zurückhalten, dass ich ihn nicht verprügelt habe», sagte er gegenüber dem Richter.

Grundsätzlich geständig

Schwarz zeigte sich schon zu Beginn der Einvernahme grundsätzlich geständig. Ungefähr vier Mal habe er ihr von hinten zwischen die Beine gefasst. «Ich hatte immer das Gefühl, dass sie schon sexuelle Erfahrungen hatte. Sonst hätte sie ja geschrien», sagte der Angeklagte. Er beharrte darauf, dass er sie nie an den Brüsten und am Hintern berührt habe.

Julia Fischer habe ihn an seine erste Liebe erinnert, die er im Heim kennengelernt habe, in dem er seine Kindheit verbrachte. Auf die Frage, wie diese Freundin geheissen habe, wusste der Beschuldigte jedoch keine Antwort. «Wie glaubhaft ist das denn?», wollte der Staatsanwalt daraufhin in seinem Plädoyer wissen. Es handle sich um eine Schutzbehauptung, so die Staatsanwaltschaft: Das Opfer sei blind, leide an einer hirnorganischen Störung und sei zudem Epileptikerin, Autistin und kleinwüchsig. «Der Beschuldigte hat sich sein Opfer gezielt ausgesucht, weil es hilf- und wehrlos war. Dies hat er skrupellos und aufs niederträchtigste ausgenutzt, um seine Bedürfnisse zu befriedigen».

18 Monate gefordert

Die Staatsanwaltschaft fordert für die Tat 18 Monate bedingt mit einer zweijährigen Probezeit. Der Verteidiger stützte sein Strafmass auf die Tatsache ab, dass sich sein Mandant zu seiner Pädophilie bekannte und einer therapeutischen Aufarbeitung nicht abgeneigt sei. «Herr Schwarz ist kein niederträchtiger Triebtäter», so Verteidiger Markus Mattle. Dennoch sei die Tat nicht zu bagatellisieren – 180 Tagessätze seien für den Arbeitslosen aber eine angemessen Bestrafung. Das Urteil wird am Freitagmorgen verkündet.

*Name geändert

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