Politische Mode: Chauffeur wegen Arafat-Tuch aus Bus geholt
Aktualisiert

Politische ModeChauffeur wegen Arafat-Tuch aus Bus geholt

Als zwei Kontrolleure im belgischen Antwerpen einen Busfahrer mit einem Palästinenser-Tuch erwischten, fackelten sie nicht lange und holten den Mann aus dem Bus. Auch in der Schweiz dürfte sich ein Busfahrer mit einem solchen Accessoire Probleme einhandeln.

von
Daniel Huber

Die beiden Kontrolleure waren am Dienstagnachmittag auf dem Rooseveltplatz in Antwerpen in einen Bus der Linie 650 gestiegen, als sie bemerkten, das der Buschauffeur ein schwarz-weisses Arafat-Tuch trug. Nicht zum ersten Mal: Bereits innerhalb der letzten zwei Wochen war derselbe Mann schon einmal mit diesem inkriminierten Kleidungsstück angetroffen worden, wie die belgische Zeitung «Gazet van Antwerpen» berichtet.

Aus dem Bus geholt

Die Kontrolleure hätten den Mann zweimal aufgefordert, das Tuch abzulegen, und auch ihr Vorgesetzter habe dies kurz darauf vom Chauffeur verlangt, sagte Koen Peeters, Sprecher des städtischen Verkehrsbetriebs «De Lijn». Doch der Chauffeur, der nach Angabe der Zeitung nicht belgischer Staatsbürger ist, weigerte sich. Darauf holten die Kontrolleure den Mann aus dem Bus; die Passagiere mussten auf einen anderen Bus derselben Linie umsteigen.

Peters rechtfertigte das Vorgehen der Kontrolleure damit, dass das «Pali-Tuch» zu Provokationen führen könne: «Möglicherweise wird es nun eine Untersuchung geben. De Lijn hat ein Bekleidungsreglement, das strikt eingehalten werden muss. Ein Arafat-Schal gehört nicht zur Uniform. Gerade jetzt [im Hinblick auf die Lage im Gaza-Streifen, Anm.d.Red.] darf keinesfalls Anlass für Provokationen gegeben werden.»

Keine äusserlichen Kennzeichen

Das Bekleidungsreglement des Busbetriebs sei von den Gewerkschaften gutgeheissen worden, betont «Gazet van Antwerpen». «Äusserliche Kennzeichen mit Ausnahme von Gewerkschaftsabzeichen sind nicht erlaubt», erklärte Francis Lafosse vom Gewerkschaftsverband ACOD. «Natürlich ist es oft diskutabel. Und die Kontrolleure gehen manchmal ziemlich weit. Immer wieder werden die Farben der Socken bei den Fahrern kontrolliert. Da fragen wir uns schon, ob es nichts Wichtigeres gibt.»

«Es gibt klare Vorschriften»

Auch in der Schweiz dürfte sich der Busfahrer mit seinem Verhalten Probleme eingehandelt haben. So betont Daniela Tobler von der Pressestelle der Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) gegenüber 20 Minuten Online, dass für alle Mitarbeiter im Fahrdienst klare Vorschriften gelten: «Es gibt bei den VBZ klare Betriebsvorschriften, und darin ist — unter dem Motto "Mit Stil ans Ziel" — auch das Kleiderreglement enthalten.» Ein «Pali-Tuch» sei dabei so wenig regelkonform wie zum Beispiel ein Bauerntaschentuch — im Zentrum stehe, so Tobler, ein korrektes Erscheinungsbild.

Vorfälle wie jener in Antwerpen seien hier noch nie vorgekommen, fügt Tobler an, und ohnehin würden die Kleidervorschriften von der Belegschaft in aller Regel vorbehaltlos akzeptiert.

Arafat-Tuch

Das Kopftuch, das aus dem Nahen Osten stammt und dort nach seinem Herkunftsort Kufa «Kefiya» oder «Kufiya» genannt wird, ist in der Regel ein quadratisches Tuch aus Baumwolle, teilweise mit Quastenrand, das häufig ein Streifen- oder Würfelmuster trägt. In Saudi-Arabien und den Golfstaaten ist das Tuch meist ganz weiss oder rot gemustert, in Jordanien rot gemustert und in Palästina schwarz-weiss.

Im Westen ist das Tuch vor allem als Zeichen des palästinensischen Widerstands gegen Israel bekannt, vor allem seit es von Jassir Arafat populär gemacht wurde. Politisch aufgeladen wurde die Kefiya indes bereits in den Dreissigerjahren von dem fanatischen Antisemiten Mohammed Amin al-Husseini beim Aufstand gegen die britische Mandatsmacht.

Seit Ende der Sechzigerjahre ist das «Pali-Tuch» in den deutschsprachigen Ländern zum Symbol für Antiimperialismus und Antizionismus geworden. Seit Ende der Neunzigerjahre wird das Tuch auch vermehrt von Rechtsextremen getragen.

(Quelle: Wikipedia.org)

Deine Meinung