Bolivar-Abwertung: Chávez tritt US-Firmen ans Schienbein
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Bolivar-AbwertungChávez tritt US-Firmen ans Schienbein

Venezuelas Präsident Hugo Chávez hat eine drastische Abwertung der Landeswährung verordnet. Damit schlägt er zwei Fliegen mit einer Klappe: Er entlastet die heimische Ölindustrie und versetzt den Firmen des Erzfeindes USA einen Schlag.

Das ölreiche südamerikanische Land bezieht viele Konsumgüter aus den USA, mit denen der Sozialist Chávez eine Privatfehde austrägt. Mit der Abwertung der Landeswährung Bolivar zum Dollar verteuern sich nun die Import-Güter aus den USA fast über Nacht.

Der Wechselkurs des Bolivar zur US-Währung wurde für Waren des täglichen Bedarfs wie etwa Lebensmittel und Medikamente auf 2.60 von 2.15 Bolivar geändert. Güter, die als weniger notwendig einstuft werden, verteuern sich noch stärker: Hier ändert sich der Wechselkurs auf 4.30 Bolivar.

Experten sind sich einig: US-Firmen müssen sich auf empfindliche Umsatz- und Gewinneinbussen im Venezuela-Geschäft einstellen. Das bekommt etwa der Kosmetik-Hersteller Colgate-Palmolive zu spüren, dessen Körperflegeprodukte auch in vielen Läden verkauft werden. Das Unternehmen macht rund 6 Prozent seiner Umsätze in Venezuela.

Hamster-Käufe vor Umstellung

Auch die Venezolaner reagierten geschockt auf die Umstellung der Wechselkurse. Viele stürmten die Läden, um sich noch schnell mit Import-Waren einzudecken, bevor der staatliche verordnete Teuerungsschub einsetzt.

Präsident Chávez will sein Land mit der Umstellung des Wechselkurses weniger abhängig von Importen machen und zugleich das einheimische Gewerbe stärken.

Staatlicher Öl-Gigant profitiert

Insbesondere der staatliche Ölgigant PDVSA kann auf Entlastung hoffen. Das Export-Unternehmen, das seine Gewinne in Dollar abrechnet, hätte mit dem neuen Wechselkurs mehr Bolivar in der Kasse, um seine heimischen Rechnungen zu bezahlen.

Experten glauben aber nicht, dass die zusätzlichen Gelder in die Öl-Produktion fliessen werden. Der erklärte Sozialrevolutionär Chávez hat bereits mehrfach die Kassen des staatlichen Ölriesen angezapft, um teure Sozialprogramme zu finanzieren.

Die Öl-Produktion dürfte stagnieren oder tendenziell sogar nachgeben, sagt ein Analyst der Rating-Agentur Fitch. Die Investitionen in die Förderung könnten sogar eingeschränkt werden, damit mehr Geld in Staatskassen fliesse.

Befürchteter Inflationsschub

Nach Einschätzung von Experten dürfte die Abwertung aber vor allem die Inflation in dem südamerikanischen Land anheizen, die bereits 2009 nach offiziellen Angaben bei 25,1 Prozent lag. Die Ratingagentur Moody's rechnet mit einer deutlichen Steigerung der Geldentwertung in Venezuela. (sda)

Geschäfte wegen Preiserhöhungen geschlossen

Venezuelas Behörden haben nach der drastischen Abwertung der Nationalwährung Bolivar rund 70 Geschäfte und Supermarktfilialen wegen Preissteigerungen vorübergehend geschlossen. Darunter sind nach Medienberichten vom Dienstag auch Filialen der Supermarktkette Èxito.

An einer landesweiten Kontrollaktion in den Geschäften beteiligte sich neben Behördenmitarbeitern auch das Militär. «Es kann nicht sein, dass Preise für Importprodukte angehoben werden, die noch nach dem alten Kurs angeschafft wurden», sagte Handelsminister Eduardo Samán. Die Geschäfte wurden für eine Frist von 24 bis 48 Stunden geschlossen, um vor allem bei Lebensmitteln und Elektronikprodukten Preise auf dem vorherigen Niveau zu erreichen. (SDA)

Stromabschaltungen angekündigt

Venezuela kündigt landesweite Stromabschaltungen an

Mit landesweiten Stromabschaltungen will Venezuela seine Energiekrise in den Griff bekommen. Jeden zweiten Tag soll der Strom im ganzen Land für jeweils vier Stunden abgedreht werden, wie das staatliche Energieunternehmen am Dienstag in Caracas mitteilte. Energieminister Angel Rodriguez erklärte, die Massnahme sei notwendig, um einen Zusammenbruch der Versorgung zu verhindern. Mit den Abschaltungen solle sofort begonnen werden. (ddp)

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