Chávez vor Wiederwahl
Aktualisiert

Chávez vor Wiederwahl

In sehr gespannter Atmosphäre steuert US-Feind Hugo Chávez bei den Präsidentschaftswahlen in Venezuela auf einen neuen Sieg zu. Für Polemik sorgte ein angeblicher Mordplan gegen den Einheitskandidaten der Opposition, Manuel Rosales.

Beide Seiten warfen sich zum Abschluss des Wahlkampfes gegenseitig Betrugs- und Destabilisierungsabsichten vor. Chávez versicherte, die Polizei habe einen Mordanschlag von «radikal-faschistischen Gruppen» gegen Rosales vereitelt.

Die Gruppen, die den Anschlag geplant hätten, hätten noch vor den Wahlen ein Chaos auslösen wollen. «Man wollte danach sagen: Chávez hat den Mord in Auftrag gegeben», so der Präsident, der sich nun als Beschützer seines Gegners aufspielen konnte. Die Polizei habe ein Gewehr mit Teleskopvisier sichergestellt.

In jüngsten Umfragen hat der 52-jährige Linksnationalist einen Vorsprung von rund 20 Prozentpunkten vor Rosales.

Rosales: «Chávez lügt»

Rosales, ein 53 Jahre alter Unternehmer, der sich als Gouverneur des Bundeslandes Zulia einen Namen machte, wies die Erklärungen von Chávez als «Lügen» zurück. Der Sozialdemokrat schreibt vor allem die Bekämpfung der Kriminalität und der Armut auf seine Fahnen.

Chávez warnte unterdessen auch vor Sabotageplänen der USA und sagte, er werde private Fernsehsender schliessen lassen, die im Rahmen der Wahlen Destabilisierung oder Putschismus fördern sollten.

Die meisten Medien bilden zusammen mit den Traditionsparteien, den meisten Unternehmern und weiten Teilen der Kirche die Opposition, die Chávez eines diktaturähnlichen Regierungsstils beschuldigt.

Weitere Amtszeit

Im Falle eines Sieges würde sich der seit 1999 regierende Chávez sechs weitere Jahre im höchsten Staatsamt sichern. Chávez räumte auch ein, er erwäge eine Verfassungsreform zur Einführung der unbegrenzten Wiederwählbarkeit des Präsidenten.

Chávez ist seit 1998 an der Macht, in den Jahren 2000 und 2004 liess er sich durch Volksabstimmungen erneut «legitimieren». Am Sonntag stellt er sich einer richtigen Wahl.

Chávez lässt keine Gelegenheit aus, die USA und ihre Politik zu konterkarieren. So unterstützt er Irans Atomprogramm und kauft Waffen in Russland.

Zahlreiche Wahlbeobachter

Zur Stimmabgabe im fünftgrössten Erdölproduzenten der Welt sind am Sonntag mehr als 15 Millionen Menschen aufgerufen. Die Opposition hofft auf «versteckte Stimmen», also derjenigen Bürger, die angesichts der Übermacht des Präsidentenlagers in Umfragen nicht wagen, ihre wahre Entscheidung preiszugeben.

Fast ein Drittel der Wähler wird den Urnen allerdings voraussichtlich fernbleiben. Sie zweifeln an der Unparteilichkeit der Aufsichtsbehörde, die sie fest an der Seite des populistischen Präsidenten und seiner Anti-Amerika-Kampagne glauben.

Rund 1200 in- und ausländische Beobachter verfolgen den Urnengang. 2005 hatte die Opposition die Parlamentswahlen boykottiert, weil die Wahlbehörde (CNE) parteiisch sei. Sämtliche Sitze gingen so an die «Chavisten». Der Urnengang wird auch von einer Delegation der Europäischen Union vor Ort beobachtet. (sda)

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