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Primetime beim SF«Check-In» zum Tiefflug

Für die Quizshow «Check-In» rührte das Schweizer Fernsehen mit der grossen Kelle an. Das Ergebnis zur besten Sendezeit am Samstagabend war ernüchternd – eine Ursachenanalyse.

von
kis

Auf den ersten Blick scheint das Konzept zur Sendung «Check-In» alles mitzubringen, was eine solide TV-Show ausmacht: Zwei Familien treten über sechs Runden gegeneinander an, um sich eine Traumreise nach Australien im Wert von 35 000 Franken zu erspielen. Unterstützt werden die Kandidaten dabei von einem prominenten Götti, der ihnen während den Spielen rund ums Thema Ferien unter die Arme greift. Ergänzend sorgen drei ebenfalls prominente Stargäste mit dem Lösen kleiner Aufgaben für die nötige Unterhaltung neben der Spielrunden. Sowohl für die Deko-Elemente in der Bodensee-Arena sowie für die Moderation von Sven Epiney ist die Reise-Thematik ein dankbarer Aufhänger. Mit diesen Voraussetzungen standen die Ampeln für eine Samstagabend-Show, die sich auch vor dem Vergleich mit den Nachbarländern theoretisch nicht scheuen muss, auf grün.

Umsetzung unbefriedigend

Doch die Sendung konnte die zuvor hoch geschürten Erwartungen über weite Teile nicht erfüllen. Einmal mehr wollte man zu viel in einen einzigen Abend packen. Die Qualität litt. So wurde die klassische Quizshow unter anderem mit Elementen, die stark an «Wetten, Dass..» erinnerten, gespickt und die scheinbar mittlerweile obligate versteckte Kamera kam zum Zug. Letztere mit einer derart simplen Verkleidung von Sven Epiney, dass die amüsante Idee zum Video-Streich auf Schülerfernseh-Niveau verkam.

Promis intern rekrutiert

Das erste grosse Fragezeichen dürfte den Zuschauern bereits mit der Auswahl der Promis aufgegangen sein. Scheinbar haben die Programmverwantworlichen die Einladungen zur Sendung gleich mit der internen Post im Leutschenbach verschickt. Das Promitrio bestand aus Marco Büchel (Ex-Skicrack aus Liechtenstein), Kiki Mäder (SF-Moderatorin) und Patrick Hässig (SF-Moderator). Die Göttis wurden durch Rene Rindlisbacher (SF-Moderator) und Sven Furrer gestellt, die gemeinsam das Duo Edelmais (SF-Sendung) bilden. Der geneigte Zuschauer bemerkt die Tendenz: Der Grossteil der prominenten Gäste machte Überstunden bei seinem eigenen Arbeitgeber.

An den hauseigenen Medienschaffenden ist an sich selbstverständlich nichts auszusetzen. Bei einer Sendung, die lediglich einmal pro Jahr und auf dem attraktivsten Sendeplatz stattfindet, hätte man bei der Selektion der Promis aber auf mehr Starpotential hoffen dürfen. Zumal der deutlich kleinere Sender Tele Züri in der selben Woche «Superstar» Luca Hänni zu Gast hatte. Schon national gäbe es eine Vielzahl Promis, die für mehr Attraktion gesorgt hätten. Überlegt man sich, welch hochkarätige Namen derweil auf den Sofas der deutschen Sendeformate sassen, hinkt das Schweizer Fernsehen mit «Check-In» leider meilenweit hinterher. Ein Defizit, das im Kampf um die Quoten durch Konkurrenten wie «Schlag den Raab» auf Pro7 und «Supertalent» auf RTL schmerzlich bestraft wird.

Allzweckwaffe Epiney übt Schadensbegrenzung

Für SF-Generalmoderator Sven Epiney bot sich somit erneut die Chance, wie ein chronisch gut gelaunter Phönix aus der Asche seiner eigenen Sendung zu steigen. Trotz der widrigen Umstände und einigen technischen Pannen liess sich der Profi nie aus der Ruhe bringen und glänzte durch eine professionelle Moderation von der ersten bis zur letzten Sekunde. Es ist somit zu weiten Teilen den Fertigkeiten des Moderators anzurechnen, dass «Check-In» mit seinen etwas unglücklich gewählten Gästen nicht zum Desaster wurde.

Fortsetzung unklar

Angaben zur Zuschauer-Quote konnten am Sonntag auf Anfrage von 20 Minuten Online keine gemacht werden. Man wolle nun alle Rückmeldungen prüfen, analysieren und dann über eine Folgesendung im kommenden Jahr entscheiden, verrät Mediensprecher Martin Reichlin im Gespräch. Immerhin darf sich die Zürcher Bauernfamilie Nef über einen luxuriösen Urlaub freuen. Den Machern der Sendung bleiben nun knapp 12 Monate Zeit, um das grundsätzlich schlüssige Konzept zu einer konkurrenzfähigen Sendung zu machen.

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