Menschheitsverbrechen: Chef-Folterer nach 30 Jahren vor Gericht

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MenschheitsverbrechenChef-Folterer nach 30 Jahren vor Gericht

30 Jahre nach dem Sturz des mörderischen Regimes der Roten Khmer in Kambodscha ist am Montag der erste Prozess gegen ein ehemaliges Führungsmitglied eröffnet worden. Angeklagt ist der frühere Leiter eines berüchtigten Foltergefängnisses, der sich wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Folter und Mord vor Gericht verantworten muss.

Kaing Guek Eav, genannt Duch, hatte das S-21 genannte Folterlager Toul Sleng in der Hauptstadt Phnom Penh geleitet, in dem 16.000 Männer, Frauen und Kinder brutal gefoltert und schliesslich umgebracht wurden. Der 66-Jährige ist geständig. Zu Beginn der Vorverhandlung im Februar hatte er um Vergebung für seine Taten gebeten. Nach dem Sturz der Roten Khmer 1979 war Duch für 20 Jahre untergetaucht, bis er 1999 von einem britischen Journalisten im Nordwesten Kambodschas zufällig aufgespürt wurde. Die juristische Vorbereitung des Prozesses hat Jahre gedauert.

Dutzende überlebende Opfer der Schreckensherrschaft waren am Montag aus ganz Kambodscha angereist, um den Prozessauftakt zu verfolgen, der auch live im Fernsehen übertragen wurden. «Ich hätte nie gedacht, dass ich die Chance hätte, Duch zu sehen und im Gericht zu sitzen», erklärte der 64 Jahre alte Bauer Svay Simon, der unter dem Regime zwölf Angehörige verloren hat, beim Betreten des Gerichtssaals.

Die Anklageschrift wirft Duch vor, aus den Insassen unter furchtbarer Folter das Geständnis «konterrevolutionärer Aktivitäten» herausgepresst zu haben. Gefangene seien mit Schlägen, Elektroschocks, dem Ausreissen von Fuss- und Zehennägeln, dem Überziehen von Plastiktüten und anderen grausamen Praktiken gefügig gemacht worden. Die anschliessende Hinrichtung der Insassen war laut Anklage von vornherein beschlossene Sache.

Neben Duch sollen noch fünf weitere ehemalige Führungsmitglieder der Roten Khmer vor Gericht zur Verantwortung gezogen werden. Duch ist nicht nur der erste von ihnen, dem der Prozess gemacht wird, er ist auch der einzige, der seine Verbrechen gestanden hat.

Ein blutiges Regime

Die Roten Khmer unter ihrem 1998 verstorbenen Führer Pol Pot verwandelten Kambodscha nach ihrer Machtübernahme 1975 in ein gigantisches Zwangsarbeitslager, in dem sie nach ihrer Ideologie die traditionelle Gesellschaft auslöschen und beim «Jahr Null» neu anfangen wollten. Schätzungsweise bis zu zwei Millionen Menschen verhungerten, starben an Krankheiten oder wurden exekutiert. 1979 wurden die Roten Khmer nach dem Einmarsch vietnamesischer Truppen gestürzt. (dapd)

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