Rechtlich korrekt: Chef gibt Kündigung per WhatsApp bekannt
Aktualisiert

Rechtlich korrektChef gibt Kündigung per WhatsApp bekannt

Stefan H. wurde zwei Tage vor Weihnachten über seine Entlassung informiert – per WhatsApp. Das sei moralisch verwerflich, aber legal.

von
ced
Diese Nachricht erhielt Stefan H. von seinem Chef.

Diese Nachricht erhielt Stefan H. von seinem Chef.

«Hallo Stefan. Du, wir müssen dir leider kündigen auf Ende Jahr!» – So beginnt die Nachricht, die am 22. Dezember auf dem Bildschirm von Stefan H.s* Smartphone aufleuchtete. Sein Vorgesetzter hatte dem 24-Jährigen soeben per WhatsApp mitgeteilt, dass er entlassen werde.

«Mich stört, dass mein Chef mich nicht angerufen oder einen Termin mit mir vereinbart hat», beschwert sich H. «Ich war zu diesem Zeitpunkt nur eine halbe Stunde vom Geschäft entfernt, da hätte ich kurz vorbeigehen können.»

Zu viel Hektik für Gespräch

H.s Vorgesetzter, Inhaber eines Unternehmens für Haustechnik in Bern, begründet die Wahl des Kommunikationskanals mit Zeitmangel: «Es war sehr hektisch über Weihnachten. Stefan wollte an diesem Tag in die Ferien, deshalb war ein Gespräch vor den Feiertagen nicht mehr möglich.»

Zudem habe es sich nur um eine erste Ankündigung gehandelt. «Die Kündigung erfolgte zu einem späteren Zeitpunkt auf korrektem, schriftlichem Weg», sagt H.s Chef zu 20 Minuten.

Rechtlich korrekt, aber respektlos

Für Pepo Hofstetter, Sprecher der Gewerkschaft Unia, ist dieser Fall zwar rechtlich korrekt, moralisch aber verwerflich. «Das ist eine Frage des Respekts. Der Arbeitgeber sitzt sowieso am längeren Hebel und eine Kündigung ist für einen Angestellten ein harter Schlag. Sie kaltschnäuzig via WhatsApp bekannt zu geben, zeugt von wenig Anstand gegenüber dem Betroffenen», so Hofstetter.

Aus rechtlicher Sicht ist laut Konrad Moor von Bürgi Nägeli Rechtsanwälte nichts gegen eine Ankündigung per WhatsApp einzuwenden. Eine Textnachricht reiche allenfalls sogar als definitive Kündigung. «Sofern im Arbeitsvertrag nicht anders angegeben, gilt keine Formvorschrift. Eine Kündigung per Textnachricht ist in diesem Fall durchaus möglich», so Moor. Das gelte aber nicht, wenn Schriftlichkeit vereinbart ist. «Eine WhatsApp-Nachricht fällt nicht in den Gültigkeitsbereich der Schriftlichkeit», erklärt der Experte für Arbeitsrecht.

Ein Einzelfall

Weder Hofstetter noch Moor sind Fälle von direkten WhatsApp-Kündigungen bekannt. Es sei immer noch gang und gäbe, dass die definitive Kündigung schriftlich erfolge. Oft gehe eine mündliche Ankündigung voraus. Sei ein Treffen nicht möglich, werde telefonisch informiert. Auch Stefan H., momentan auf Stellensuche, würde in Zukunft eine mündliche Benachrichtigung bevorzugen: «Das ist einfach viel persönlicher.»

*Name geändert

Deine Meinung